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Milchproduktion

Widersprüchliche Signale am internationalen Milchmarkt

© Tom Bayer/fotolia
von , am
12.07.2011

Berlin - Der Milchpreisindex der FAO, der die Preisentwicklung für die wichtigsten am Weltmarkt gehandelten Milchprodukte abbildet, hat im Juni sein hohes Niveau gehalten.

Allerdings waren die Preistrends bei einigen Milchprodukten gegenläufig. Diese Entwicklung deckt sich im Wesentlichen mit den Anfang Juli vom US-Landwirtschaftsministerium an den wichtigsten globalen Handelsplätzten erfassten Exportpreisen (fob). Auch hier haben sich die Notierungen im Schnitt behauptet, obgleich es zwischen den Produkten und auch zwischen den Regionen (Europa und Ozeanien) zum Teil gegenläufige Entwicklungen gab. Eindeutiger waren hingegen die Ergebnisse bei der am 5. Juli auf der internationalen Handelsplattform "Global Dairy Trade" stattfindenden Auktion. Hier gaben die Preise für die gehandelten Milchprodukte durchweg nach. Über alle Produkte und Termine hinweg lag der Preisrückgang im Vergleich zur vorigen Auktion (15. Juni) bei knapp sieben Prozent. Dabei fielen die Preisabschläge für die vorderen Termine im Herbst (September) stärker aus als für die nachfolgenden Handelsmonate.

Winterpause auf der Südhalbkugel

In den beiden ozeanischen Ländern befindet sich die Produktion im Juni und im Juli auf dem saisonalen Tiefpunkt. Der Produktionshöhepunkt wird in Neuseeland und Australien etwa im Oktober erreicht. Allerdings ist die saisonale Ausprägung der Produktionskurve in Neuseeland, aber auch in Australien, weitaus größer als in Westeuropa oder den USA. Im Juli erreicht das Produktionsvolumen in Neuseeland nicht einmal zehn Prozent und in Australien rund 60 Prozent der jeweiligen Angebotsspitze im Oktober. Dies hat natürlich auch Auswirkungen auf die aktuelle Produktion von Milchprodukten und das Angebot am Exportmarkt. Auch die vorhandenen Bestände an Milchprodukten befinden sich nach Händleraussagen in beiden Ländern auf niedrigem Niveau. Dennoch haben die Exportpreise Anfang Juli etwas nachgegeben. Dies trifft speziell für Butter und Vollmilchpulver zu, während sich die Notierungen für Käse und Magermilchpulver nicht veränderten.
 
In beiden Ländern geht man in der neuen Saison von einer deutlichen Expansion der Produktion und einem Ausbau der Exporte aus. Die derzeitigen Schätzungen für das Wachstum der neuseeländischen Milchproduktion liegen zwischen vier und fünf Prozent (auf 18 Milionen Tonnen) und das australische Produktionswachstum wird bei einem bis zwei Prozent (9,6 Millionen Tonnen) erwartet. Dahinter steht neben einer Aufstockung der Milchkuhherden auch eine bessere Futterversorgung (Grünland). In Neuseeland war die Produktion in der zurückliegenden Saison durch eine ausgeprägte Trockenheit auf der Nordinsel gebremst worden und in Australien hatten mehrere aufeinanderfolgende Trockenperioden die Milchproduktion reduziert.

Hohe Futterkosten in den USA

In den USA ist die saisonale Produktionsspitze (wie in Westeuropa) bereits im Mai erreicht. Für das Gesamtjahr 2011 liegt die erwartete Produktionsmenge bei 88,7 Millionen Tonnen und für 2012 wird mit einer weiteren Expansion der Produktion auf 90 Millionen Tonnen gerechnet. Die Trockenheit im Süden des Landes hat das sehr dynamische Produktionswachstum vom Jahresanfang etwas gebremst. Während der Produktionsvorsprung in den ersten Monaten des Jahres 2011 noch zwischen 2,3 und 2,5 Prozent lag, übertraf die Produktion den Vorjahreswert im Mai nur noch um 1,5 Prozent. Gebremst wird die Produktionsexpansion zudem durch die rasant steigenden Futterkosten.
 
Berechnungen der Universität Wisconsin zeigen, dass die Futterkosten in den letzten 12 Monaten, um zwei Drittel gestiegen sind, auf umgerechnet 25 US-Cent je Kilo (Juni). Demgegenüber sind die Rohmilchpreise im gleichen Zeitraum lediglich um ein Drittel, auf immerhin 46 US-Cent je Kilo (alle Klassen) geklettert. Im Juni 2011 erreichten die US-Erzeugerpreise fast ein Niveau wie im Sommer 2007 als der bisherige Preisrekord verzeichnet wurde. In den nächsten Monaten rechnet man jedoch mit einem schrittweisen Rückgang der Milchpreise auf 35 bis 36 Cent je Kilo. Dabei wird der Absatz am Binnenmarkt zuletzt vor allem durch die kräftig steigenden Verbraucherpreisen gedrosselt. Im Mai waren Milchprodukte für US-Verbraucher rund sieben Prozent teurer als ein Jahr zuvor. An den Exportmärkten dürfte die die saisonale bedingte Rückkehr der ozeanischen Länder im Herbst den Wettbewerb verschärfen.

Stabile Situation in der EU

Am europäischen Binnenmarkt halten sich die Preise für die wichtigsten Milchprodukte Anfang Juli auf relativ stabilem Niveau, wie aus einer aktuellen Erhebung der EU-Kommission hervorgeht. An den Exportmärkten (fob) zeigten die letzten Daten von Anfang Juli für Butter aus Europa sogar anziehende Preise, während die Notierungen für Magermilch- und Molkepulver leicht nachgaben und für Käse und Vollmilchpulver stabil blieben. Auch die Erzeugerpreise zeigten sich im Schnitt der EU stabil bis fest stabil. Die Milchproduktion in der EU übertraf das Vorjahresergebnis von Januar bis April um rund 2,8 Prozent. Am stärksten expandierte die Produktion in diesem Zeitraum in Frankreich (6,3 Prozent) und dem Vereinigten Königreich (4,6 Prozent).
 
In Deutschland produzierte man etwa 2,7 Prozent Milch mehr als ein Jahr zuvor. Die Produktionsexpansion schlug sich vor allem in einer Mehrproduktion von typischen Exportprodukten, wie Magermilchpulver (9,8 Prozent) und Vollmilchpulver (vier Prozent) nieder, aber auch die EU-Käseproduktion wurde um 1,6 Prozent ausgeweitet. Insbesondere in den großen Milchproduktionsländern in Nordwesteuropa hat die Frühjahrtrockenheit die Produktionsexpansion zwischenzeitlich gebremst. Die ergiebigen Regefälle im Juni dürften das Futterangebot (Grünland) jedoch wieder verbessert haben.

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Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Dr. Olaf Zinke
Marktanalyst   
 
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