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Nachgefragt beim Rinderzüchter

„Ich will Kühe züchten, die ausgeglichen sind"

Die Fleckviehzucht ist ein wichtiger Teil in Robert Lechners Leben. Dabei geht es ihm nicht um den höchsten Zuchtwert, sondern um das ausgeglichenste Tier.

am Dienstag, 01.06.2021 - 05:00

Robert Lechner liebt seine Fleckviehkühe. Für ihn sind sie ein Teil der Familie. Seine besondere Leidenschaft gilt der Zucht und dem Streben nach der perfekten Kuh. Bei einem Gang durch seine Herde blitzt diese Perfektion immer wieder auf, bei einzelnen Tieren und in Details, die der 43-jährige Oberbayer aus Sauerlach bei München dem Besucher eingehend erläutert und er vermittelt dabei die Zielstrebigkeit, mit der er beim Züchten vorgeht.

 

Züchterisches Auge und genomische Selektion

Die reine Zahl eines genomischen Zuchtwerts ist seine Sache nicht. „Zucht ist heute häufig wie das Spekulieren an der Börse. Manche hoffen auf den Goldstier, der männliche Nachkomme, der das große Geld bringt.“ Manchmal würden durch die Genomik Erwartungen geweckt, die sich in der Realität nicht erfüllten. Dann stürzten solche Hoffnungswerte gnadenlos ab. Das heißt nicht, dass Lechner auf die Genomik verzichtet oder dass er sie verteufeln würde, aber: „Ich bin kein Spieler, sondern bestrebt, sehr gute weibliche Tiere zu züchten, denn von denen lebe ich.“

So sind alle Tiere auf seinem Betrieb zwar genomisch typisiert. Entscheidend ist für ihn jedoch, wie die Genomik zum Einsatz kommt. „Genomische Selektion ist ein Kriterium, aber nicht das einzige. Das züchterische Auge und die Kuhfamilien sind für mich mindestens ebenso wichtig.“ Daher nutzt er für seine Zucht noch nachkommengeprüfte Zuchtbullen. Wenn es jedoch um das Exterieur gehe, wiesen genomische Zuchtwerte eine hohe Sicherheit auf. Bei Vererbern mit gutem Exterieur vertraut er auch auf die genomischen Zuchtwerte.

Ausgeglichene Kühe im Fokus

Er hat ein klares Bild vor Augen, wie die Kuh aussehen soll, die er züchtet. „Die Tiere müssen ausgeglichen sein, mittelrahmig mit breitem langem Becken und mittlerer Bemuskelung. Dennoch sollten sie eine feminine Ausstrahlung besitzen, über ein stabiles, ruhig etwas steileres Fundament verfügen und in der Sprunggelenksausprägung sehr trocken sein.“ Außerdem wünscht er sich einen hohen Euterboden, bei dem die Striche vorne möglichst weit innen angeordnet sind. Und er legt Wert auf niedrige Zellzahlen, denn die seien entscheidend für die Wirtschaftlichkeit auf dem Betrieb. „Ich will Kühe züchten, die ausgeglichen sind und auch Managementfehler verzeihen.“

Den Reiz an der Zucht macht für ihn aus, dass sich die Kühe mit dem Alter verändern. Deshalb sei es auch so wichtig, nicht nur auf die Werte zu schielen, sondern zu verfolgen, wie sich die Kühe im wirklichen Leben entwickeln. Er züchtet mit den 25 Prozent besten Jungkühen der Herde weiter und versucht sie noch kompletter zu machen. Für ihn gilt: Das Auge des Herrn mästet nicht nur das Vieh, sondern züchtet es auch! 

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