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Haltung und Mast

Wirtschaftlichkeit: Mastits kann teuer werden

von , am
19.11.2010

Wir ärgern uns über niedrige Milchpreise. Doch, wie viel uns eine Mastitis kostet, machen wir uns selten klar. Denn die mastitisbedingten Kosten und die nicht erwirtschafteten Gewinne belasten jeden Liter Milch mit rund 2 Cent.

Saubere und gesunde Euter sind ein beruhigender Anblick für Betriebsleiter.
Wenn die Euterentzündung zum Herdenproblem wird, geht es richtig ins Geld. Mastitis wird nicht plötzlich zum Herdenproblem. Sie schleicht sich langsam an, kann aber frühzeitig erkannt werden: Die Zellzahl der Herdensammelmilch ist zwar niedrig (< 150.000 Zellen/ml), aber es treten viele klinische Mastitisfälle auf (mehr als 0,5 Fälle pro Tier und Jahr). Im Sekret der klinisch erkrankten Euterviertel werden entweder Umwelterreger oder keine Keime nachgewiesen. Die Sammelmilchzellzahl ist über einen längeren Zeitraum erhöht (> 200.000 Zellen/ml). Klinische Mastitisfälle sind jedoch selten. In Viertelgemelksproben von Tieren mit hohen Zellzahlen lassen sich kuhassoziierte Erreger oder Koagulase-negative Staphylokokken (KNS) nachweisen. Mehr als die Hälfte der Färsen weisen in der ersten Milchkontrolle Zellgehalte im Einzelgemelk von über 100.000 Zellen/ml Milch auf. Jedes zehnte erstlaktierende Tier erkrankt in den ersten 100 Laktationstagen an einer klinischen Mastitis.

Situationsbestimmung

Man sollte die Eutergesundheit immer auf Bestandsebene beurteilen. Wer nur die Zellzahlverläufe in der Herdensammelmilch beurteilt, erhält kein korrektes Bild der Eutergesundheit. Maßzahlen, die helfen sollen, die Eutergesundheit im Betrieb abzuschätzen, müssen verschiedene Faktoren berücksichtigen. Hierzu gehören Herdenalter, durchschnittliche Lebensleistung der Tiere, Zahl klinischer Mastitisfälle im Jahr, durchschnittliche Zahl der Tiere mit Zellgehalten im Einzelgemelk von mehr als 100.000 Zellen/ml Milch, die Zahl der Erstkalbinnen, die im ersten Kontrollgemelk Zellzahlen von über 100.000 Zellen/ml aufweisen. Wer das betriebliche Mastitisrisiko beurteilen will, muss die Mastitissituation möglichst genau beschreiben. Einen einfachen Parameter stellt der Mastitisindex dar. Er berücksichtigt subklinische und klinische Mastitiden und das Herdenalter beim Beurteilen der Eutergesundheit in der Herde (siehe auch Tabelle „Mastitiskennzahlen geben ersten Überblick“). 

Maßnahmen ergreifen

Generell gliedert sich die Bekämpfung von Mastitiden im Bestand in zwei Maßnahmenkomplexe. Zum einen gilt es, Risikofaktoren für Mastitiden zu erkennen und zu mindern, um die Neuinfektionsrate zu senken (Risikoanalyse und Risikominimierung). Zum anderen müssen erkrankte Tiere behandelt werden (Sanierung). Risikoanalyse: Mittels entsprechender Kennzahlen (siehe auch „Mastitiskennzahlen geben ersten Überblick“) lässt sich das betriebliche Mastitisrisiko grob einschätzen. Sinnvoll ergänzt man dies durch eine zytobakteriologische Viertelgemelksuntersuchung. Sie soll in diesem Fall nicht helfen, die Auswahl anzuwendender Antibiotika zu erleichtern, sondern den herdenspezifischen „Leitmastitiserreger“ auszumachen. Gibt es Hinweise auf Infektionen mit kuhassoziierten Mastitiserregern, ist es unverzichtbar, den Gesamtbestand zu untersuchen. Im nächsten Schritt werden alle weiteren Risiken geprüft, die mit dem Keim zusammenhängen (siehe auch Kasten „Risikofaktoren für Euterentzündungen: Erreger“). Hierzu gehören neben den Erregerquellen (infizierte Tiere, Verletzungen, Einstreumaterialien, Zitzenhaut usw.) auch zusätzliche Übertragungswege (Melkerhände, Zitzengummis, Durchführung von Therapien usw.). Und auch Gründe, die für die Keimdichte im Haltungsumfeld verantwortlich sind (z. B. Spalten und Boxenpflege, Vorbereitung der Tiere zum Melken), gilt es zu untersuchen. Eventuell sorgen zusätzliche Faktoren für eine geschwächte lokale Abwehrsituation der Zitze (Zitzenkondition) und bereiten den krankmachenden Erregern damit eine Eintrittspforte. Aber auch Faktoren, die die allgemeine Körperabwehr des Tiers mindern, gilt es aufzudecken. 
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