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Kälberriss in Mutterkuhherde

Wolf hat möglicherweise Kalb mitten im Stall gerissen

Wolfsportrait
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Sabine Leopold, agrarheute
am
12.04.2018

Im brandenburgischen Lindenau wurde in einem Mutterkuhstall ein zwei Tage altes Kalb getötet und angefressen. Der Herdenmanager hat beim Betreten des Stalls einen Wolf gesehen.

Als Tierpfleger Karsten Haschenz um halb sechs am Morgen den Mutterkuhstall der Agrargenossenschaft Elster-Pulsnitz in Lindenau (Südbrandenburg) betritt, herrscht helle Aufregung. Der Grund steht mitten auf dem Futtertisch: ein Wolf, da ist Haschenz sicher. Der Beutegreifer sucht schleunigst das Weite und hinterlässt ein halb angefressenes Kalb.

Übergriffe auf Schaf- und Rinderherden sind in Brandenburg keine Seltenheit mehr. Doch sollte sich dieser Kälberriss tatsächlich als Wolfsattacke erweisen (die DNA-Untersuchungen laufen noch), wäre das der erste verbriefte Angriff innerhalb eines Stalls. Der Wolf hätte dann das Jungtier mitten aus einer Mutterkuhherde geholt, noch dazu in unmittelbarer Nähe zum Dorfrand, an den der Stall angrenzt.

Der Rissgutachter des Landesamtes für Umwelt konnte am Kälberkadaver zwar keinen Tötungsbiss feststellen und das Jungtier war nach Aussagen des Herdenbetreuers lebensschwach, doch die Unverfrorenheit des Wolfes, in ein Gebäude einzudringen, ist besorgniserregend genug – selbst wenn sich der Räuber "nur" am bereits verstorbenen Kalb bedient haben sollte.

Der Leiter der Tierproduktion in der Agrargenossenschaft Elster-Pulsnitz, Andreas Kupfer, sieht keine Option darin, den Stall künftig einfach zu verrammeln. Trotzdem sind seine Befürchtungen groß: „Wenn der Wolf hier rumstromert, wird er wieder zuschlagen.“

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