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Interview

"Wir wollen die profitabelste Kuh."

Bulle-Frazzled
am Samstag, 04.01.2020 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

agrarheute sprach mit Dave Thorbahn, dem Präsidenten von einem der führenden Zuchtunternehmen der USA, über Ziele und Trends.

Welches sind die Zuchtziele von Select Sires im milchwirtschaftlichen Bereich?

Wir wollen die profitabelste Milchkuh züchten, die es gibt. Wir wollen alle Zuchtmerkmale verbessern, die sich unmittelbar auf den Geldbeutel des Landwirts auswirken.

Um welche Zuchtmerkmale handelt es sich Ihrer Meinung dabei?

In der Vergangenheit haben wir beim Bullen nur darauf geachtet, dass er gute Inhaltsstoffe vererbt. Heute messen wir zusätzlich die Lebensdauer sowie die Gesundheit und die Resistenz gegen Erkrankungen wie Mastitis oder Lahmheiten. Außerdem achten wir auf gute Euter. Eben auf alles, was die Kuh länger leben und mehr Milch geben lässt.
Darüber hinaus wollen wir unseren Kunden auch die für ihr Umfeld besten Voraussetzungen bieten. So haben wir zum Beispiel für Landwirte, die in Regionen mit hoher Käseproduktion leben, auch einen Index für Käse und Kasein bereitgestellt.

Wie schneiden ihre Bullen denn bezüglich der Nutzungsdauer ab?

Im Durchschnitt liegen unsere Bullen diesbezüglich bei einem Wert von 4. Ihre Töchter leben also 4 Monate länger. Wir haben aber auch Bullen mit einem Wert von 7 oder 8 im Angebot.
 
Auf welche Zuchtmerkmale setzen Sie künftig noch?

Wir werden unseren Fokus noch mehr auf Krankheitsresistenzen und die Gesundheit der Kuh legen. Mastitis ist wohl die Haupt-
ursache für den Abgang von Milchkühen, daher sehen wir besonders darauf. Zudem liegt unser Augenmerk auf der Verminderung der Zellzahlen. Das verbessert die Milchqualität unmittelbar.
Darüber hinaus legen wir großen Wert auf die Reproduktion, also auf die Trächtigkeitsrate der Töchter. Was wir ebenfalls messen, ist die Trächtigkeitsrate der Kalbinnen. Und ein ganz neues Merkmal ist die Überlebensrate der Kälber.

Dave-Thorbahn

Welche Bullen sind momentan Ihre interessantesten?

Die Frazzled-Söhne. Frazzled ist ein Bulle, der all diese Zuchtmerkmale vereint. Er vererbt eine hohe Überlebensrate der Kälber, eine gute Kuhgesundheit und eine hohe Nutzungsdauer. Zudem bringt er gute Inhaltsstoffe. Der beste der Frazzled-Söhne ist wohl Pine-Tree Legacy (Mutter von Yoder). Ich denke, dass er in Zukunft sehr interessant sein wird, denn er produziert die Kühe, die sich Landwirte schon lange wünschen.
 
Sind sie mit der genomischen Selektion auf neue Outcross-Bullen gestoßen?

Wir haben einen Bullen namens Renegade (Jaltaoak × Millington × Davinci). Ich denke, er ist einer der besten Outcross-Bullen, die wir im Angebot haben. Er eignet sich gut für Kalbinnen, weil er Leichtkalbigkeit vererbt ist. Zudem liefert erGene für gute Inhaltsstoffe, hervorragende Beine und feste Euter.

Inwiefern ist Hornlosigkeit wichtig für Select Sires und seine Kunden?

Darauf haben wir in der Vergangenheit sehr stark gesetzt, daher haben wir einige der besten genetisch hornlosen Bullen in den USA. Doch wir mussten feststellen, dass die Nachfrage nach Hornlosigkeit doch nicht so hoch ist, wie wir es anfangs vermutet haben.
 
Woran liegt diese Entwicklung Ihrer Meinung nach?

In den letzten Jahren hat das Interesse an der Hornlosigkeit stark abgenommen. Ich denke, in der angespannten finanziellen Situation achten die Landwirte eher auf Zuchtmerkmale, die sich direkt auf ihren Geldbeutel auswirken. Sie wollen, dass ihre Kühe möglichst profitabel sind. Die Hornlosigkeit ist dabei nur ein Nice-to-have, aber kein ausschlaggebendes Merkmal für die Wahl eines Bullen.

In Deutschland wird bei der genomischen Selektion auch auf Umwelteinflüsse geachtet. Versuchen sie ebenfalls, den Methanausstoß der Rinder über die Zucht zu vermindern?

Ich persönlich denke, dass man den Methanausstoß eher über die Fütterung eines Rinds als über die Zucht beeinflussen kann. Dennoch sind wir dabei, entsprechende Technologien zu testen, um genau das zu messen.
Der ökologische Fußabdruck ist ein Aspekt, den man künftig stärker berücksichtigen muss. Doch bisher haben wir noch keine Daten, die belegen, wie viel Methan eine Kuh wirklich ausstößt und wie sich das züchterisch beeinflussen ließe. 

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