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Zuchtanalyse

Zucht in der Praxis: Ist INRA 95 das Wunder-Fleischrind der Zukunft?

Inra Kalb
am Samstag, 09.07.2022 - 05:00 (1 Kommentar)

Für bessere Erlöse auf dem Kälbermarkt werden Milchviehrassen häufig mit Fleischrinderrassen belegt. INRA 95 ist dabei noch die Neue im Stickstoffbehälter. Was Praktiker und Zuchtexperte Prof. Dr. Brade von ihr halten, lesen Sie hier.

Beef on dairy, Milchviehherden mit Fleischrinderbullen belegen – ein Trend, der es auf viele Milchviehbetriebe bereits geschafft hat. Diskussionen gibt es aber immer wieder um die auszuwählende Fleischrinderrasse. Es geht darum, gute Fleischleistungen mit leichten Kalbungen und frohwüchsigen Kälbern zu realisieren.

Ein neuer Name, der den Chor aus den Rassen Charolais, WBB, Blonde d'Aquitaine, Limousin und Rouge des prés aufmischt ist INRA 95  sie soll all die Vorteile dieser Rassen vereinen. Den Weg in die Praxis hat INRA 95 schon gefunden. Die Erfahrungen der Landwirte und Landwirtinnen sind jedoch gemischt.

Zufrieden mit INRA 95

Inra 95

In den sozialen Medien berichtet Ramon K.: „Ich besame seit längerer Zeit mit INRA 95 und bin bisher sehr zufrieden. Sie kalben leicht, die Kälber sind sehr vital, lebendig und nehmen schnell zu. Für unsere betriebseigene Kälbermast ist es zudem eine ideale Rasse.

Jens T. besamt 50 Prozent der Herde, die nicht zur Zucht gedacht sind: „Sie nehmen gut auf und haben eine bessere Zunahme. Leider sind sie etwas kleiner als Holstein. Wir mästen sie auch selbst. Die ersten zwei haben wir schon geschlachtet. Bessere Ausschlachtung als die Holsteins, die Größe soll mit einem anderen Bullen besser werden.“

Auch Jenny M. ist mit INRA zufrieden: „Sehr interessante Kreuzung. Wir haben ein paar Portionen zum Testen gekauft und sind sehr begeistert gewesen von den Aufnahmeerfolgen und der Leichtkalbigkeit der Mütter. Ihnen kann man bei der Tageszunahme und Wachstum förmlich zusehen. Sie sind gute Säufer und Fresser. Wir setzten sie jetzt auch vermehrt neben den Weißblauen Belgiern ein.“

Carola U. berichtet: „Wir haben schon ein paar Jahre immer mal wieder ein INRA Kalb. Wir paaren bei schlecht tragend werdenden Kühen diese Rasse an und haben damit gute Besamungserfolge. Die Kühe jeden Alters kalben ohne Komplikationen, die Kälber sind munter, nehmen gut zu und bringen einen guten Preis im Verkauf. Sie sind umgänglich und friedlich. Ab und zu wird mal ein Mädchen groß gezogen für die Schlachtung zum Eigenbedarf. Ich finde die Rasse nicht schlecht!“

Nicht zufrieden mit INRA 95

Für Ben P. sind sie im Vergleich zu den Weißblauen Belgier allerdings nicht so attraktiv. Er setzt nur bedingt auf die Rasse: „Ich habe sie früher viel eingesetzt! Soweit auch eine sehr gute "Rasse". Sie haben sehr leichte Geburten, vitale und gesunde Kälber, die von den Knochen auch sehr gute Mastergebnisse zulassen und wenig Probleme auf Spalten machen. Aber mit Blau-Weiß halten sie einfach nicht mit, von den Zunahmen. Daher bin ich wieder umgestiegen. Außer bei Kühen, die bei schweren Kälbern Probleme erwarten lassen.“

Thomas H. hingegen hat andere Erfahrungen gemacht: „Nachdem wir einen INRA-95-Bullen eingesetzt hatten, der extrem gestreut und viele Kälber vom Typ HF gebracht hat (gab „interessante“ Gespräche mit der abnehmenden Seite), besamen wir aktuell nicht mehr mit INRA.“

Auch Henrik W. berichtet von Problemen: „Wir melken rund 250 Holsteins und haben in den letzten 2 Jahren etwa 30 INRA-95-Kreuzungen bekommen. Der Versuch ist bei uns komplett gescheitert. Ich fasse INRA nicht mehr an. Wir hatten extrem viele Schwergeburten. Das Problem sehe ich darin, dass die Kälber nicht homogen sind. Ungefähr die Hälfte war zierlich und problemlos geboren. Die andere Hälfte trug meist 10 Tage länger, mit viel zu schweren Kälbern. Ich möchte das mir und meinen Kühen nicht mehr antun. Ich bin zu Angus gegangen. Die kalben leicht, sind natürlich weniger wertvoll. Aber Hauptsache Kuh und Kalb sind gesund.“

Johannes K. sieht den Einsatz der Rasse auf seinem Betrieb auch eher kritisch: „Ich finde INRA 95 sind in der Färsenmast in der Entwicklung und in den Zunahmen zu unterschiedlich. Daher setzen wir wieder auf Weißblaue Belgier und Fleckvieh, da sie von den Gruppen unserer Meinung nach einheitlicher sind.“

In der kommenden Woche lesen Sie, was der Tierzuchtexperte über Zucht und Marktlage sagt.

Kommentar

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