Login
Rinderfütterung

Zwischenfrüchte: Darauf sollten Sie beim Verfüttern achten

Zwischenfruchtmischung
am Mittwoch, 15.08.2018 - 09:52 (Jetzt kommentieren)

Vielen Betrieben wird das Futter knapp. Die Option, Getreide jetzt noch als GPS zu silieren ist vorbei. Worauf Sie bei der Futterration jetzt achten sollten.

Mit Herbst- und Winterzwischenfrüchten kann das Futterangebot erhöht werden. Diese lassen sich im Herbst und im kommenden Frühjahr nutzen. Das Gelingen der Zwischenfrucht hängt im Wesentlichen von der Wasserversorgung im August und September ab.

Die Energiegehalte von Zwischenfrüchten und Rübenblatt liegen durchweg über 6 MJ NEL/kg TS. Zwischenfrüchte sind auch durchweg als proteinreiche Futtermittel einzustufen. Je höher die ruminale Stickstoffbilanz eines Futtermittels (RNB-Wert), umso höher der Proteinüberschuss.

Verhältnis von Protein und Energie ausgleichen

Denken Sie in diesen Fällen im Rahmen der Rotationsplanung an einen Energieausgleich. Die Rohproteingehalte liegen in der Regel über 18 Prozent in der Trockenmasse. Die Rohfasergehalte liegen zwischen 10, 8 Prozent bei Rübenblatt und 23 Prozent bei Weidelgras.  

Zwischenfrüchte werden in der Regel frisch verfüttert, weil eine Konservierung schwierig ist.

Ausreichend Rohfaser ergänzen

Für ausreichend Struktur muss vor allem bei Grünraps, Rübenblatt, Senf, Kohl und bei jungem Klee Heu oder Stroh zugefüttert werden.

Die Einsatzgrenzen von Zwischenfrüchten sind in erster Linie bedingt durch niedrige Gehalte an strukturierter Rohfaser. Dies geht in der Regel einher mit hohem Wassergehalt und hohem Rohproteingehalt je kg Trockenmasse.

Der zusätzliche Einsatz von Maissilage ist im Hinblick auf eine bessere Verdauung zu empfehlen.

Achten Sie bei der Kraftfutterauswahl auf stärkearme Komponenten, wie zum Beispiel Trockenschnitzel, Maiskleberfutter, Extraktionsschrote oder Kleien. 

Die Einsatzgrenzen bei Milchkühen und Rindern über 350 kg:

  • Einjähriges und Welsches Weidelgras (Ährenschieben): Weide, Grünfutter und Silage möglich, Fütterung unproblematisch
  • Hafer-Erbsen-Wicken: Grünfutter, max. 5 kg TS oder 30 kg FS, Gefahr zu hoher Nitratgehalte
  • Landsberger Gemenge (Inkarnatklee, Welsches Weidelgras, Winterwicke): Grünfutter, max. 5 kg TS oder 35 kg FS, Gefahr zu hoher Nitratgehalte
  • Grünroggen, -hafer (Beginn Ährenschieben): Eingrasen, Silage, max. 5 kg TS oder 35 kg FS
  • Perserklee (in der Knospe): Grünfutter, max. 5 kg TS oder 35 kg FS, mit Strukturfutter ergänzen
  • Alexandrinerklee (in der Knospe): Grünfutter, max. 6 kg TS oder 40 kg FS
  • Grünraps (Auswuchs): nur als Notfutter! Grünfutter, max. 4 kg TS oder 35 kg FS, mit Strukturfutter ergänzen, Gefahr zu hoher Nitratgehalte
  • Senf (vor der Blüte): nur als Notfutter! Grünfutter, max. 30 kg FS, mit Strukturfutter ergänzen, weniger geeignet
  • Rübenblatt (sauber): nur als Notfutter! Max. 5 kg TS oder 35 kg FS, hoher Zuckergehalt, evtl. Schmutz, Gefahr: Acidose, Durchfall, mit Strukturfutter ergänzen
  • Markstammkohl (Kohlblätter): max. 4 kg TS oder 35 kg FS, Gefahr: Acidose, mit Strukturfutter ergänzen

Vergiftungen durch zu hohe Nitratgehalte

In trockenen Sommern wird zu wenig Stickstoffdünger in Ertrag umgesetzt. Wenn im Herbst das Wachstum aufgrund von Niederschlägen zunimmt, wird massiv Nitrat aufgenommen.

Dieses kann nur in Protein umgesetzt werden, wenn genügend Sonnenenergie zur Verfügung steht. Andauerndes Regenwetter und Nebel bergen die Gefahr von Nitratanreicherung im Futter. Bis zu 7 Prozent in der Trockenmasse sind so möglich. Beim Silieren wird allerdings rund die Hälfte davon abgebaut.

Durch Erwärmung im Futterhaufen oder bei Fütterung größerer Mengen wird Nitrat zu Nitrit umgebaut, das zehnmal giftiger ist als Nitrat. Vergiftungen sind an schokoladenbrauner Verfärbung der Scheidenschleimhaut zuerkennen.

Die größten Probleme sind am dritten bis vierten Tag nach dem Futterwechsel zu erwarten. Mit Hilfe von Teststäbchen lässt sich der Nitratgehalt grob ermitteln.

Derzeit kommt es bei trockenem Mais aufgrund des hohen Stickstoffanteils vermehrt zur Bildung giftiger nitroser Gase.

Zwischenfrüchte sollten möglichst frisch verfüttert werden, um Nitritbildung im Lagerhaufen zu verhindern. Die Tagesration nie in nur einer Mahlzeit verabreichen.

Mit Material von Dr. Thomas Jilg, Aulendorf

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...