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Zucht

ZWS Holstein: Guarini erreicht die Spitze

von , am
25.04.2013

Mit Guarini führt nun ein ziemlich kompletter Vererber die Liste der aktuellen Zuchtwertschätzung bei den Schwarzbunten an.

Guarini gilt als der kompletteste Vererber in der Gruppe der Top Ten. © Schulz/RBB
Wie bei jeder Zuchtwertschätzung im Frühjahr, wurde dem züchterischen Fortschritt durch die Basisanpassungen Rechnung getragen. Die neue Basis bilden die Bullen der Geburtsjahre 2003 bis 2005 (vorher 2002 bis 2004). Beim Gesamtzuchtwert beträgt die Abschreibung bei Schwarzbunt 1,9 Punkte, beim Exterieurwert sogar 3,1 Punkte.
 
Während die Rinderunion West aus Münster darin hohe Zuchtfortschritte beim Exterieur und der Nutzungsdauer sieht und ergänzt, dass "auch im viel beachteten Merkmal Melkbarkeit erneut ein im züchterischen Sinne positiver Zuchtfortschritt erzielt werden konnte." Hält die Weser-Ems-Union dagegen, dass die Abschreibung um zwei RZG-Punkte "auf die Rangierung der Bullen keine Auswirkung hat. Zwei Punkte Abschreibung im Fundament- Zuchtwert und drei Punkte im Euterzuchtwert sind ebenfalls kosmetische Eingriffe". Wie man es auch immer sieht: Ein Bulle, der im Dezember einen um zwei Punkte höheren RZG hatte, konnte im Endeffekt seine Werte stabil halten.

Guarini besticht durch Ausgeglichenheit

Dieses Phänomen lässt sich auch beim derzeitigen Spitzenreiter der Top-Ten-Liste beobachten. Dort findet sich der Goldwin-Sohn Guarini, der im Dezember in der Gesamtplatzierung noch auf Platz drei lag und einen Exterieurwert von 128 Punkten aufwies. Durch die Abschreibung reduzierte sich dieser Wert auf 125 Punkte. Dass er dennoch die Holstein-Liste mit einem Gesamtzuchtwert RZG von 147 Zählern anführt, verdankt er vor allem seiner Ausgeglichenheit in den verschiedenen Merkmalskomplexen, wie seine Zahlen bei der Eiweißleistung, Nutzungsdauer (124), Eutergesundheit (128) und Fruchtbarkeit (111) zeigen. Fast alle seiner Töchter aus dem Testeinsatz sind in der 3. Laktation. Da er aufgrund seines kompletten Vererberprofils auch für den breiten Einsatz in Frage kommt, war er im vergangenen Jahr der am zweithäufigsten eingesetzte Schwarzbuntvererber in Deutschland. Auf der Interbullliste nach gRZG belegt Guarini Platz 7. Er ist der höchste deutsche Bulle in dieser Rangierung und gleichzeitig der beste Goldwin-Sohn weltweit.

Billiard: Höchster Neueinsteiger in der Top-Ten-Liste

Auf Platz zwei katapultierte sich der höchste Neueinsteiger: Billard, ein Billion3-Sohn, der auf einen RZG von 145 kommt. Der Neuling wurde als Embryo aus den USA importiert. Er besticht vor allem durch seinen Milchleistungswert von 139 und +2.041 kg Milch mit ausgeglichenen Eiweißprozenten.
 
Durch den Newcomer wurde der Mascol-Sohn Magorian auf den dritten Platz verdrängt, obwohl er mit seinen 145 Zählern beim Milchleistungswert allen anderen Holsteinbullen in der Liste überlegen ist. Durch seinen geringen Exterieurwert von nur 102 Punkten qualifiziert er sich jedoch nur für die gezielte Anpaarung.
 
Seinen vierten Platz verteidigen konnte Omega, ein O-Man-Abkömmling. Für ihn spricht nach wie vor sein hoher Nutzungsdauerwert RZN von 125 Punkten. Sein großes Manko ist ebenfalls sein sehr geringer Exterieurwert von lediglich 95 Punkten, wodurch er auch er nicht für den breiten Einsatz in Frage kommt, sondern nur für Kühe, die dies ausgleichen können.

Mavid rutscht ab

Auf Rang fünf abgerutscht ist Mavid, der im Dezember noch die Top-Ten-Liste anführte. Der Mascol-Sohn hat mit einem RZE von 108 Punkten zwar einen leicht höheren Exterieurwert als sein Halbbruder Magorian, dennoch eignet auch er sich nur für die gezielte Anpaarung an Kühe mit "langen Beinen" und hohen, festen Eutern. Sein Milchergebnis von +876 kg ist zwar überschaubar, dafür weißt es gute Eiweißwerte auf.
 
Björk, ein Bolton-Sohn, befindet sich auf den sechsten Platz, mit einem Gesamtzuchtwert von 142 Zählern. Sein Milchleistungswert RZM liegt bei beachtlichen 139 Punkten und mit seinem Exterieurwert RZE von 116 Zählern steht er deutlich besser da, als die meisten anderen Top-Ten-Bullen. Erwähnenswert sind auch noch die +2.349 Kilo Milch in seiner Bilanz.
 
Auf Rang sieben findet sich der zweite Neueinsteiger in der Top-Liste: Bakombre, ein Baxter 2-Sohn. Er bestätigt damit seine genomischen Werte, die ihn schon als Jungbullen zum Einsatz brachten. Von ihm ist in Deutschland kein Sperma mehr verfügbar. Seine ersten Söhne sind jedoch schon im Einsatz.
 
Der dritte Newcomer ist der achtplatzierte Frosko. Der Frosty-Sohn hat es mit seinen 80 weiblichen Abkömmlingen nun auch auf die töchterbasierte Zuchtwertliste geschafft. Er erreicht einen Gesamtzuchtwert RZG von 138. Während er mit seinem Milchleistungswert RZM mit 138 Punkten und der Eutergesundheit von 124 beeindruckt, erreicht er im Exterieur nur 105 Zähler, weshalb seine weitere Entwicklung abzuwarten ist.

Mascol ET hat die größte Töchterschar

Den neunten Rang nimmt Oldie Mascol ET (Geburtsjahr 2000) ein. Er hat von allen aktiven Bullen, die mit Abstand größte weibliche Nachkommenschaft mit derzeit 32.276 Töchtern. Zwar sank sein Gesamtzuchtwert abschreibungsbedingt von im Dezember 141 auf nunmehr 139 Punkte, trotzdem kann er sich aber immer noch sehr gut gegen die jungen Bullen behaupten, wie seine Werte zeigen: Milchleistungswert RZM 127, Eutergesundheit RZS 120, Nutzungsdauer RZN 125 und weibliche Fruchtbarkeit RZR 109. Der relativ niedrige Exterieurwert RZE von 105 scheint die meisten Landwirte nicht abzuschrecken.
 
Einen Platz dahinter, auf Rang zehn, findet sich Mascols Sohn NOG Mato, der nun in die Top-Ten-Liste zurück kehrte. Der Bulle war bereits im August 2012 in der Spitzengruppe, rutschte im Dezember jedoch wieder raus. NOG Mato konnte seine Milch auf + 1.000 kg Milch steigern und leichte Zugewinne im Euter verzeichnen. Der hoch veranlagte Bulle weist eine deutlich bessere Exterieurvererbung und Nutzungsdauer auf als sein Vater und seine Halbbrüder, sein RZE liegt bei 115. Bei der Nutzungsdauer RZN liegt er nur zwei Punkte hinter unter seinem Erzeuger bei 123 Punkten. Seine Schwäche ist sein Milchleistungswert RZM mit 123 Zählern.
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