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Tierwohl

Schlachtbefunde sind keine zuverlässigen Tierschutzindikatoren

Schlachthof
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Katharina Krenn, agrarheute
am
17.04.2017

In Zukunft sollen Schlachthofbefunde für Rückschlüsse zum Tierwohl herangezogen werden. Doch als Tierschutzindikatoren eignen sich diese nur bedingt.

In ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen zum Thema Monitoring-Daten aus dem Nutztierbereich, erklärte die Regierung, dass sich Schlachtbefunddaten bislang nur bedingt zur Nutzung als Tierschutzindikatoren eignen.

Danach lassen sich zwar aus den meisten der am Schlachthof amtlich erhobenen Befunde Rückschlüsse auf die Tiergesundheit während der Haltung ziehen; eine große Herausforderung stelle jedoch die Standardisierung der Erhebung dar, stellt die Regierung in ihrer Antwort fest, wie jetzt Agra Europe berichtet.

Entwicklung auswertbarer Kriterien

Soll von den Schlachthofbefunden einer Tiergruppe auf die Verhältnisse in deren Herkunftsbetriebe geschlossen werden, bedarf es der Anwendung von auf wissenschaftlichen Grundlagen entwickelten und validierten Kriterien, betont die Bundesregierung.

Beispielsweise unterschieden sich die Häufigkeiten der Befunderhebungen nicht nur zwischen verschiedenen Schlachthöfen, sondern auch schichtbedingt innerhalb eines Schlachthofs. Selbst automatisiert erhobene Schlachtbefunde würden nicht vergleichbar erhoben, da zum einen unterschiedliche Geräte zum Einsatz kämen, zum anderen die Werte zur automatischen Grenzziehung zwischen den Befundnoten unterschiedlich eingestellt oder nachjustiert werden könnten.

Befundermittlung muss einheitlich sein

Die Befunderhebung als zentrale Aufgabe der amtlichen Schlachttier- und Fleischuntersuchung bedarf einer ständigen Qualitätskontrolle und -sicherung, heißt es in der Antwort. Wesentliche Voraussetzung für eine valide und zuverlässige Befunderfassung sei die Einheitlichkeit der Befundermittlung. Dies sei ein wesentliches Ziel eines Forschungsvorhabens des Statistischen Bundesamts (Destatis) in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und dem Max-Rubner-Institut (MRI).

ISN-Projekte bestätigen Erfahrungen bei Befunderhebung

Die ISN ist an Projekten zur Befunddatenerfassung in Schlachthöfen beteiligt. Das Projekt Harmonisierung der Schlachtbefunderfassung und –dokumentation bei der Schweineschlachtung in Niedersachsen wurde bereits abgeschlossen, berichtet die ISN. Auch dieses Projekt bestätige, dass die Häufigkeiten der registrierten Befunde zum einen vom Schlachthof, aber auch stark von der erfassenden Person abhängig ist.

Mit Material von AgE/ISN
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