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Geflügel

Schockierende Bilder

von , am
15.01.2010

Rund 25.000 Hühner und Hähne leben dicht gedrängt, ohne Tageslicht, auf ihrem eigenen Kot. Angestellte treten Hühner, schleudern sie mit brutaler Gewalt in Transportkisten. Seit einer Woche sorgt ein Bericht des ARD Politikmagazins Report Mainz für Aufregung.

Das Politikmagazin Report Mainz berichtete in seiner Sendung vom Montag über Missstände in einer niedersächsischen Elterntierfarm in Twistringen, einem Zuliefererbetrieb des zur PHW-Gruppe gehörenden Unternehmens Wiesenhof.

Die Aufnahmen stammen von einer Farm mit rund 25.000 Hühnern und Hähnen. Die Bilder zeigen unter anderem Angestellte von Wiesenhof, wie sie Hühner ohne Grund treten, schlagen und brutal in Transportkisten schleudern. Auf anderen Aufnahmen ist zu sehen, wie Hühner am Hals gepackt und mehrere Meter weit gegen Wände geworfen wurden. Arbeiter werfen Transportkisten voll mit Hühnern aus großer Höhe auf einen Lastwagen.

Bilder schockieren - und ziehen ihre Kreise bis in die Schweiz

Diese Bilder schockieren. Der Deutsche Tierschutzbund startet am Dienstag eine Kampagne gegen die Hähnchenaufzucht in Deutschland. Bündnis 90/Die Grünen weisen auf mangelhafte Tierschutzkontrollen hin. Selbst Schweizer Großverteiler haben inzwischen reagiert: Migros sperrte seinen Lieferanten Wiesenhof und Coop hat eine Untersuchung veranlasst. Auch PHW spielt die Aufnahmen nicht herunter: "Das Material ist schockierend", sagte ein Sprecher des Unternehmens.

Anzeigen von allen Seiten

Wie geht es jetzt weiter? "Wir erstatten Anzeige gegen Wiesenhof", kündigte der PETA-Sprecher Edmund Haferbeck am Dienstag an. Die Tierrechtsorganisation hat auf die Missstände in dem Mastbetrieb hingewiesen. Wiesenhof hingegen will Anzeige gegen PETA erstatten, mit der Begründung "dass der Farmleiter durch die Tierrechtsorganisation PETA instrumentalisiert wurde. Die Tatsache, dass das Fehlverhalten augenscheinlich geduldet, wenn nicht sogar gefördert wurde, legt diesen Verdacht nahe", schreibt Wiesenhof in einer Pressemitteilung.

Außerdem hat Wiesenhof am Dienstag Strafanzeige gegen die damalige Betreiberin der Elterntierfarm in Twistringen gestellt, "weil sie ihrer vertraglichen Aufsichtspflicht nicht nachgekommen ist, Verstöße gegen Tierschutzbedingungen nicht unterbunden hat, das Unternehmen und die zuständigen Behörden nicht informiert hat, sondern stattdessen die Vergehen zugelassen und dokumentiert hat", begründet Wiesenhof.

Verband der Hähnchenerzeuger wehrt sich

Zwar wehrt sich der BVH Bundesverband bäuerlicher Hähnchenerzeuger, einem dem ZDG Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft angeschlossenen Bundesverband, dagegen, dass dieser Vorfall zum Anlass genommen wird, "die gesamte deutsche Hähnchenhaltung in diese Ecke zu drängen." Der Imageschaden lässt sich jedoch vorerst nicht mehr rückgängig machen.

Massentierhaltung wird trotzdem weiter zunehmen

Doch Verbraucher sind vergesslich. Und angesichts der wachsenden Beliebtheit von Geflügelfleisch wird sich niemand dauerhaft dessen Konsum verwehren. Der steigende Verbrauch und das Bedürfnis vieler nach möglichst günstiger Ware wird den Bau neuer, großer Masttierbetriebe weiter Vorschub leisten. Betriebe, in denen Hühner und Hähnchen einigermaßen "glücklich" leben, können die Verbraucherbedürfnisse mengen- und preismäßig nicht decken. Und mit zunehmender Massentierhaltung steigt auch das Risiko so genannter schwarzer Schafe.

Eva Ziegler

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