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Internationale Grüne Woche

Schüler fragen: "Verhungern wir ohne Bauern?"

Schülerpressekonferenz
am Donnerstag, 23.01.2020 - 10:26 (Jetzt kommentieren)

Auf der Schülerpressekonferenz der i.m.a - information.medien.agrar e.V. auf der IGW informierten sich rund 500 Schülerinnen und Schüler zur Zukunft der Landwirtschaft.

Fragt ruhig nach. Traut Euch. Es gibt keine dummen oder falschen Fragen. Sätze, die wir wahrscheinlich aus unserer Schulzeit alle kennen. Nach diesem Motto fand am 22. Januar 2020 auf der Internationalen Grünen Woche (IGW) in Berlin die Schülerpressekonferenz der i.m.a - information.medien.agrar e.V. statt.

Fast 500 Schülerinnen und Schüler aus Berlin und Brandenburg befragten dabei Experten zur Zukunft der Landwirtschaft. Auf dem Podium standen Hedda Korte, Landwirten aus dem Raum Hannover, Henrik Wendorff, Bio-Landwirt und Präsident vom Landesbauernverband Brandenburg e.V., Immanuel Nikelski von der Initiative „Fridays for Future“ – und ich.

Technik und Digitalisierung von Morgen

Die Verbraucher von morgen hatten sich vorbereitet: viele saßen mit Block und Stift bewaffnet in den Reihen und hörten ihren Kollegen der anderen Schülerzeitungen und uns auf dem Podium aufmerksam zu.

Ein für sie besonders spannendes Thema war die moderne Technik in der Landwirtschaft und die Digitalisierung. „Werden irgendwann Roboter den Landwirt ersetzen?“ fragte eine Schülerin. Oder: „Werden Drohnen und selbstfahrende Traktoren in der Landwirtschaft eingesetzt?“

Wie wird sich diese Technik in Zukunft weiterentwickeln? Auch für uns Experten waren das spannende Fragen. Bereits jetzt verfügen wir in der Landwirtschaft über einen großen Wissensschatz und Ressourcen in der Technik und Digitalisierung.

Wo das in 60 Jahren mal hinführt? Wer weiß das schon so genau? Aber was wir mit Sicherheit sagen können: Die Technik wird Landwirte bei ihrer Arbeit zukünftig noch mehr unterstützen, aber nicht ersetzen. Denn letztendlich braucht es den Sachverstand eines gut ausgebildeten Landwirts, der die Zusammenhänge im Stall und auf dem Acker versteht und deuten kann. Er muss dann die Technik, die ihm viele Daten zur Unterstützung liefert, dahingehend bedienen und steuern.

Also nein: Roboter und die Digitalisierung werden einen Landwirt in meinen Augen nie ersetzen können, aber sie wird ihn unterstützen. Damit wird sich die Arbeit auf dem Acker und im Stall noch mehr verändern.

Meinung zur Landwirtschaft hinterfragen

Neben der Technik brannten den Kindern die Tierhaltung und der Umweltschutz unter den Nägeln. „Wie können wir dazu beitragen, Plastikmüll zu vermeiden?“ „Regional einkaufen. Und darauf achten, dass wir Lebensmittel wie Obst und Gemüse nicht noch in einer zusätzlichen Plastikverpackung einkaufen“, erklärte Immanuel Nikelski. Außerdem werde daran geforscht, wie Lebensmittel anders gekennzeichnet werden können, sodass zum Beispiel das Herkunftszeichen direkt in der Schale einer Banane eingelasert wird, beschreibt Henrik Wendorff.

„Was wird in Zukunft mit der Massentierhaltung?“, fragte ein Schüler und „Gibt es Nutztierrassen, die vom Aussterben bedroht sind?“ Die Schüler beschäftigten sich auch mit schwerer Kost. Aber sie hinterfragten auch die landläufige, oft schlechte Meinung, die über die Landwirtschaft herrscht: „Müssen wir weniger Fleisch essen, damit es den Tieren besser geht?“ Und damit trafen die jungen Schülerzeitungsredakteurinnen und -redakteure den Nerv der Zeit. Ja, Fleisch ist ein Luxusprodukt, in dem viel Arbeit steckt und für das Tiere geschlachtet werden müssen. Oft wird das in der breiten Masse unterschätzt. Eine günstige Bratwurst oder ein Schinkenbrötchen sind gerade auf der Grünen Woche an jeder Ecke zu finden.

„Wir müssen Fleisch wieder mehr wertschätzen“, da sind sich die Experten auf dem Podium einig. „Und wir müssen bereit sein, mehr Geld dafür auszugeben und den Fleischkonsum reduzieren“, sagt Hedda Korte, die in ihrem Hofladen Putenfleisch vom eignen Betrieb verkauft.

Am Ende der Schülerpressekonferenz konnte man in müde aber auch stolze Kindergesichter blicken. Sie hatten sich vorbereitet und Antworten auf viele ihrer Fragen bekommen. Nun liegt es an ihnen – den Verbrauchern von morgen – sich eine Meinung über die Landwirtschaft zu bilden. Denn sie entscheiden auch mit, wie wir in Zukunft Landwirtschaft betreiben werden.

Die Grüne Woche 2020 in Berlin ist gestartet

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