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10 Tipps für eine erfolgreiche Schweinemast

von , am
20.04.2015

Die dlz-Redakteure geben Ihnen 10 Tipps für eine erfolgreiche Schweinemast. Von der Auswertung des Schweinebestandes bis zum Tierverhalten- und Transport - das alles sollten Sie wissen.

Bei der ISN- Internet-Auktion erreichten die Schweinepreise den Wert von 1,46 Cent. © Bräunig/Grave/Landpixel
Die Temperatur, das Licht und die Wasserversorgung im Stall - alle diese Faktoren beeinflussen die Mast. Was es insbesondere für eine erfolgreiche Schweinehaltung zu beachten gilt, können Sie hier lesen.
Anhand zehn Tipps des dlz-primus Schwein-Magazines können Sie die Haltungsbedingungen in Ihrem Mastschweinestall verbessern.

Tipp 1: Den alten Tierbestand auswerten

Vor dem Beginn des neuen Mastdurchgangs werten Sie zuerst den alten aus. Für den neuen Durchgang lassen sich daraus Konsequenzen ziehen. Prüfen Sie, welche Zunahmen erreicht wurden. Beziehen Sie Tierarzt und Fütterungsberater mit ein und legen Sie Zielvorgaben für das kommende Jahr fest. Unterscheiden Sie zwischen den Kosten für präventive und kurative Behandlungen.

Tipp 2: Sauberes Arbeitsmaterial verwenden

Abszesse im Nackenbereich sind in der Fleischverarbeitung öfter zu beobachten. Die Ursachen dafür sind schmutzige Injektionsspritzen und -nadeln. Auch stumpfe Nadeln können Abszesse hervorrufen. Statt Muskelfasern zu durchschneiden, hinterlassen sie grobe ausgefranste Wunden, die sich in der Folge leichter entzünden. Reinigen Sie Spritzen nach jedem Gebrauch gründlich und verwenden Sie für jedes Schwein neue Einwegkanülen oder Einwegspritzen.

Tipp 3: Temperatur im Stall messen

Vor allem das Klima im Tierbereich und auf den Spaltenböden muss stimmen. Ermitteln Sie die Temperatur des Bodens mit einem Infrarotthermometer. Der Wert sollte zwischen 22 und 23 Grad Celsius liegen. Begutachten Sie nach dem Einstallen das Liegeverhalten ihrer Ferkel. Haben die Tiere die Beine angezogen und liegen auf dem Bauch, ist es zu kühl.
 
Ein Klimacomputer mit kleiner Temperaturspanne schaltet schnell auf maximale Luftrate. Vergrößern Sie die Spanne (zum Beispiel auf sechs Grad Celsius) und sorgen Sie für eine niedrige Luftrate. Ein Klimacomputer mit Außentemperaturkontrolle stellt automatisch die richtige Temperaturspanne ein.

Tipp 4: Ausreichend Licht bieten

Neu eingestallte Mastschweine müssen sich zuerst in der neuen Umgebung einleben. Es empfiehlt, sich das Licht nach dem Einstallen 48 Stunden lang eingeschaltet zu lassen. 
  • Futterautomaten, die eine helle Farbe haben, sind günstiger als schwarze.
  • Schweine besitzen drei- bis viermal mehr Geschmackspapillen als Menschen.
  • Am liebsten fressen Schweine Produkte, die gleichzeitig süß und sauer sind.

Tipp 5: Tränkenippel richtig anbringen

Schweine trinken etwa das 2,5-Fache der aufgenommenen Futtermenge. Stehen die Tiere beim Trinken schräg zum Tränkenippel, kann der Wasserverlust bis zu vier Prozent betragen. Wenn Sie seitlich ein Brett anbringen, wird das Schwein gezwungen, sich gerade vor den Nippel zu stellen. Bringen Sie diesen in einem Winkel von 45 Grad nach unten an und orientieren Sie sich bei der einzustellenden Höhe an den kleinsten Schweinen einer Gruppe. Die Nippel sollten knapp fünf Zentimeter höher als die gemessene Rückenhöhe der Tiere angebracht werden. Prüfen Sie vor dem Einstallen auch den Wasserdurchfluss der Tränkenippel.

Tipp 6: Spielmöglichkeiten anbieten

Den größten Teil des Tages - circa 80 Prozent verbringen die Schweine ruhend. Damit es im begrenzten Raum nicht zu langweilig wird, sollten Sie für eine abwechslungsreiche Umgebung sorgen. Spielmöglichkeiten für Schweine gibt es viele. Am liebsten mögen die Tiere hängende Gegenstände.

Tipp 7: Schweine-Verhalten beobachten

Bei der Tierkontrolle beobachten Sie zuerst die ganze Gruppe. Die Gruppe liegt verteilt auf der gesamten Liegefläche. Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit anschließend auf einzelne Tiere mit abweichendem Verhalten. Bei Atemwegsinfektionen sind die Tränengänge verstopft. Flüssigkeit läuft über den Nasenrücken. Darauf fallender Staub hinterlässt beim Herauslaufen aus den Augen dunkle Streifen - die Schweine sehen geschminkt aus.

Tipp 8: Den Schweinen seitlich annähern

Schweine haben ein großes Sichtfeld  von 310 Grad. Jedoch können sie nicht nach hinten schauen. Deshalb empfiehlt sich eine seitliche Annäherung innerhalb ihres Sichtfelds.

Tipp 9: Keine hohen Töne anschlagen

Das Schwein hört anders als der Mensch. Mittelhohe Frequenzen (1.000 Hz) hört es genauso gut wie der Mensch, hohe Töne (4.000 Hz und darüber) nimmt es schlechter wahr. Ein Magnesiummangel kann besonders geräuschempfindlich machen. Das Schwein reagiert mit Unruhe, will nicht aufstehen und bleibt zitternd liegen. Eine Magnesiumkur kann helfen.

Tipp 10: Nüchterungszeit gewährleisten

Auch Schweine können reisekrank werden. Mit vollem Magen können sich Tiere übergeben und ersticken. Daher - sowie aufgrund der besseren Ausschlachtung und der geringeren Wahrscheinlichkeit einer Salmonelleninfektion - ist vor dem Transport eine Nüchterungszeit von 12 bis 24 Stunden sinnvoll. Vor allem im Frühsommer empfiehlt es sich, die Zeit zu verlängern (18 Stunden). Das Verladen und Transportieren sollte außerdem in die frühen, kühlen Morgenstunden gelegt werden.  

In Bildern: Schweine richtig mästen

Beim Einstallen sollten die neuen Ferkel nicht das Abteil mit ihrer Körperwärme aufheizen. Eine Gaskanone kann hier helfen. © Bräunig, Grave, Landpixel
Die Spritzen sollen Sie nach jedem Gebrauch gründlich reinigen. Für jedes Schwein verwenden Sie neue Einwegkanülen oder Einwegspritzen. © Bräunig, Grave, Landpixel
Prüfen Sie vor dem Einstallen auch den Wasserdurchfluss der Tränkenippel. Pro Minute sollen mindestens 3/4 Liter Wasser fließen. © Bräunig, Grave, Landpixel
Das Hören hat einen Einfluss auf das Alltagsleben von Schweinen. Beim Öffnen des Ventils der Flüssigfütterung begeben sich die Tiere zum Futtertrog. © Bräunig, Grave, Landpixel
Generell sollten die Mastbucht und die Umgebung der Schweine optimal ausgestaltet sein. Sind sie es nicht, verhalten sich die Tiere unnatürlich. © Bräunig, Grave, Landpixel
Schweine sehen vor allem in blau und grün. Die Tiere haben zein Sichtfeld von 310 Grad. Weil sie nicht nach hinten schauen können, empfiehlt sich eine seitliche Annäherung innerhalb ihres Sichtfelds. © Bräunig, Grave, Landpixel
Beim Tiertransport sollten die Tiere nüchternd sein. Sie können sich übergeben und daran ersticken. Daher ist eine Nüchterungszeit vor dem Transport von zwölf bis 24 Stunden sinnvoll. © Bräunig, Grave, Landpixel
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