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Stand 13. Dezember 2017

Afrikanische Schweinepest: Die aktuellen Fälle

Wildschweine: Bache mit  Frischlingen
Wildschweine: Bache mit Frischlingen © pixabay
von am
13.12.2017

Die Afrikanische Schweinepest breitet sich weiter gegen Westen aus. Gerade in Polen kommt es immer wieder zu neuen Ausbrüchen bei Wildschweinen. Zudem ist eine russische Mastanalge an der Grenze zur Ukraine betroffen.

Eine Mastanlage des russischen Schweineproduzenten Miratorg in der Region Bolgograd ist der Afrikanischen Schweinepest (ASP) zum Opfer gefallen. Das Unternehmen meldete den Ausbruch am vergangenen Freitag (8.12.2017). Der Konzern lässt derzeit Proben des betroffenen Betriebs in einem staatlichen Labor untersuchen. Bestätigt sich der Verdacht müssen die 24.000 Tiere der Anlage gekeult werden. Die Region Bolgograd liegt etwa 500 km südlich von Moskau an der Grenze zur Ukraine und ist das Zentrum der russischen Schweinehaltung.

Erneut ASP-Fälle in Polen

In Polen konnte die Afrikanische Schweinepest erneut an Wildschweinen nachgewiesen werden. Erst Ende November gab es neue Infektionen bei Wildschweinen in der Region Legionowski, woraufhin für das Gebiet umfangreiche Sperr- und Pufferzonen eingerichtet wurden. Anfang Dezember konnte die ASP erneut bei drei Wildschweinen in der Region um Warschau festgestellt werden. Der Direktor des staatlichen Veterinärinstitutes in Polen vermutet, dass  sich die Wildschweine an entsorgten Lebensmittelabfällen infiziert haben, die von Arbeitern aus östlichen Regionen eingeführt wurden. Das polnische Landwirtschaftsministerium möchte nun ein Sondergesetz zur Reduzierung von Wildschweinbeständen verabschieden. Außerdem ist gegen das Übersiedeln von Wildschweinen ein Zaun an der Grenze zu Weißrussland und der Ukraine geplant.

Tschechien: Scharfschützen der Polizei erlegen Wildschweine

Im Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest geht Tschechien einen neuen Weg: Erstmals werden ab Anfang November Scharfschützen der Polizei eingesetzt, um Wildschweine in dem betroffenen Gebiet im Südosten des Landes zu erlegen. Laut einer Sprecherin der Agentur CTK wurden so bereits 38 Tiere getötet. Voraussichtlich soll dieser spezielle Einsatz bis Ende Januar 2018 dauern.

Die 16 Polizisten gehen vor allem in der Nacht auf Jagd. Dazu sind sie mit Nachtsichtgeräten und Wärmebildkameras ausgerüstet. Sie können Wildschweine auf einer Distanz von 200 m und mehr erlegen. 

Drückjagd auf Schwarzwild in Mecklenburg-Vorpommern hat begonnen.

Bereits am 28. Oktober - früher als üblich - begann die diesjährige Drückjagdsaison in Mecklenburg-Vorpommern.

Angesichts der zahlenmäßig stark angewachsenen Wildschweinpopulation in Mecklenburg-Vorpommern und der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) bis nach Polen und Tschechien kündigt Landwirtschafts- und Umweltminister Dr. Till Backhaus die „drastische Reduzierung der Schwarzwildbestände“ an. „Das ist eine ganz entscheidende vorbeugende Maßnahme, um Schweinehalter, Schlacht- und Fleischverarbeitungsbetriebe im Land mit einem jährlichen Gesamtumsatz von fast einer Milliarde Euro vor massiven wirtschaftlichen Schäden durch den Ausbruch von ASP zu bewahren“, sagte er.

Erstmals Afrikanische Schweinepest in Rumänien und Tschechien

Laut Zahlen des Tierseuchenmeldesystems (Animal Disease Notification System, ADNS) und der OIE trat ASP in 2017 erstmals in Rumänien und der Tschechischen Republik auf. In Litauen werden wieder vermehrt Fälle bei Wildschweinen gemeldet.

Insgesamt gab es in der EU 114 Ausbrüche bei Hausschweinen und 2.192 bei Wildschweinen. Interessant ist, dass in der Ukraine und Russland weit über die Hälfte der Fälle bei Hausschweinen auftraten, während in Lettland und Estland zu über 95 Prozent Wildschweine betroffen sind. In Tschechien sind bislang ausschließlich Fälle bei Wildschweinen bekannt.

15.000 Schweine gekeult

In Osteuropa und Russland breitet sich die Afrikanische Schweinepest weiter aus. Laut aktuellen Meldungen des Internationalen Tierseuchenamtes gab es seit Anfang September neue Ausbrüche in Ostpolen, in der Ukraine, in Lettland, Litauen, Tschechien und Russland.

Die Seuche grassiert sowohl bei Wildschweinen als auch in Schweine haltenden Betrieben. In Polen und Tschechien sind überwiegend Wildschweine infiziert, in Litauen und Lettland vermehrt Tiere aus Hinterhof-Haltungen. Betroffen ist aber auch ein Großbetrieb in Russland nahe der ukrainischen Grenze. Auf der Farm in der Region Belgorod wurden mindestens 15.000 Schweine gekeult. 

Risiko inzwischen von "gering" auf "mäßig" hochgestuft.

Nach dem Auftreten der Seuche bei Wildschweinen in Tschechien hat das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) seine Risikoeinschätzung für die Einschleppung der Seuche nach Deutschland Mitte Juli 2017 angepasst. Die Experten stufen das Risiko durch direkten Kontakt zwischen Wildschweinen nicht mehr als gering ein, sondern als mäßig. Als größte Gefahr für die Einschleppung gilt weiterhin der Mensch, der über nicht gegarte, kontaminierte Schweineprodukte den Erreger nach Westen tragen könne. Das Einschleppungsrisiko durch den Menschen wird weiter als hoch eingestuft.

Afrikanische Schweinepest: 5 europäische Länder betroffen

Insgesamt sind mit der Tschechischen Republik inzwischen fünf Länder der Europäischen Union von der Afrikanischen Schweinepest betroffen. Aus Lettland, Litauen, Estland und Polen wird seit 2014 über Ausbrüche berichtet. Seitdem es in Georgien erstmals 2007 nachgewiesen wurde, verbreitet sich die Tierseuche nach und nach auch in die Länder Armenien, Aserbaidschan, Russland, Weißrussland, Ukraine und Moldawien. 

Wildschweinschäden richtig einschätzen

Dann reicht neben dem Schleppen, was im Frühjahr auf jeden Fall erledigt werden muss, eine korrekte Nachsaat. Diese muss in einem solchen Fall allerdings höher als üblich ausfallen. © Volker Berg
Landwirte und Jäger sollten sich einvernehmlich um Schäden durch Wildschweine kümmern. Gutachten sind recht aufwendig. Hier das Beispiel eines "kleineren" Wildschadens. Der Schaden besteht aus vereinzelten, flachen Aufbrüchen. Bei der Berechnung der gesamten Schadensersatzsumme sollten hier folgenden Kosten berücksichtigt werden: Reparaturkosten Grünland, Rüst-/Anfahrtszeiten, Fahrzeit und Kosten Ertragsausfall. © Volker Berg
Kleinere Schäden bei Aufbrüchen, einzelne Stippen, sind noch relativ leicht von Hand zu beheben. Vor allem die Arbeitszeit ist kostenintensiv. Zum Reparieren lohnen so genannte Karste und das anschließende Festtreten der einzelnen Plaggen. © Volker Berg
Eine innerbetriebliche Ersatzbeschaffung möglich, da es sich um eine insgesamt relativ kleine Menge an Futter handelt, die der Betrieb durch eine etwas intensivere Nutzung anderer Futterflächen ausgleichen kann. Bei tieferen Aufbrüchen kann es nötig werden, Erde aufzufüllen. Dann wird der Schaden meist teurer. © Volker Berg
Bei gitterförmigem Aufbruch sind die Schäden auf Grünland noch relativ schnell in den Griff zu bekommen. © Volker Berg
Bei diesem größeren Schaden handelt es sich um einen großflächigen, tiefen, zusammenhängenden Schwarzwildaufbruch. Bei Totalausfall ist die Schadensfläche zunächst durch Abschreiten festzustellen. Auch ein Messrad oder GPS-Einsatz ist möglich. © Volker Berg
Hier folgt als Reparatur die Neueinsaat mit der Drillmaschine. Hier ist abzuwarten, wie sich die Neuansaat entwickelt. Im Falle von Trockenheit und bei schlechtem Aufgang ist bei erforderlicher erneuter Ansaat diese einschließlich der Bodenbearbeitung zusätzlich ersatzpflichtig. Darüber hinaus ist zu prüfen, ob im Folgejahr mit einem normalen Ertrag zu rechnen ist. Ist das nicht so, ist die Ertragsminderung festzustellen, die ebenfalls ersatzpflichtig ist. © Volker Berg
Schäden vorbeugen ist wichtig: Eine Ablenkungsfütterung mit kleineren Streifen Mais am Rande von Hecken oder Wäldern lohnt zur Vorbeugung gegen Schwarzwild. © Volker Berg
Die schwierige Zaunfrage: Einzäunungen mit üblichen Weidezäunen zeigen meist eine weniger gute Wirkung. © Volker Berg
Die hochpreisige Variante: Aufwändige Dauerzäune mit Knotengitter sind in aller Regel recht teuer. © Volker Berg
Zu bevorzugen sind Elektrozäune, die als Einzeldrähte oder Netze gespannt werden. Sie allerdings fordern hohen Zeitaufwand bei Pflege und Überwachung. © Volker Berg
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