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Antibiotika im Grundwasser im Kreis Cloppenburg gefunden

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von , am
06.11.2014

Bei Grundwasser-Untersuchungen im Landkreis Cloppenburg wurde Antibiotika gefunden, das ausschließlich in der Tiermedizin eingesetzt wird. Für das Trinkwasser besteht derzeit keine Gefahr.

Bei Grundwasser-Untersuchungen im Landkreis Cloppenburg wurde Antibiotika gefunden, das ausschließlich in der Tiermedizin eingesetzt wird. © Thaut Images - Fotolia.com
Im Labor nachgewiesen wurde Sulfadimidin, ein Antibiotika, das ausschließlich als Tierarzneimittel verwendet wird. Das Medikament wurde in Thülsfelde in drei oberflächennahen Messstellen mit einer Tiefe von zehn Metern gefunden. Die gefundene Menge liegt knapp über der Nachweisgrenze von 0,02 bis 0,03 Mikrogramm pro Liter, sagte Gunnar Meister, Pressesprecher des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes (OOWV), auf Anfrage von agrarheute.com. Für das Trinkwasser bestehe derzeit keine Gefahr.

Wasserverband will seine Untersuchungen ausweiten

Bislang galt das Grundwasser im Verbandsgebiet des OOWV als frei von Tierarzneimitteln. Schon 1997 beteiligte sich das Unternehmen an Untersuchungen des Bundesumweltamtes. In den darauffolgenden Jahren führte der OOWV umfangreiche eigene Untersuchungen durch - alle ohne Befund. OOWV-Bereichsleiter Egon Harms reagiert laut Pressemitteilung des OOWV besorgt auf die aktuelle Entwicklung: "Neben Nitrat und Pflanzenschutzmitteln scheinen sich nun auch Tierarzneimittel als reale Bedrohung für unser Grundwasser zu erweisen. Nach dieser Stichprobe werden wir die Untersuchungen umgehend ausweiten."
 
Er warnt vor einseitigen Schuldzuweisungen an Landwirte. "Wir brauchen aber eine sachliche Diskussion über den maßvollen Einsatz von Gülle, Pflanzenschutzmitteln und Medikamenten. Eine Lösung kann nur gemeinsam mit den Landwirten, der Pharmaindustrie und den Veterinären gefunden werden", so Harms.

Umweltminister: 'Der Einsatz von Antibiotika in der Tiermast ist insgesamt zu hoch'

Der OOWV hat die Ergebnisse der Untersuchungen dem niedersächsischen Umweltministerium mitgeteilt. Umweltminister Stefan Wenzel: "Die Funde des OOWV belegen leider, was bereits eine Studie des Umweltbundesamtes Ende 2013 angedeutet hat: Bei ungünstigen Standortverhältnissen und häufigem Wirtschaftdüngereinsatz kann es zum Eintrag von Tierarzneimitteln ins Grundwasser kommen. Diese Stoffe gehören definitiv nicht ins Grundwasser, auch nicht Spuren." Der Antibiotikaeinsatz in der Tiermast sei insgesamt zu hoch, insbesondere sei ein Einsatz als Masthilfe nicht zulässig. Das Land bemüht sich daher, die eingesetzten Mengen deutlich zu reduzieren. Parallel hierzu werde das Land auch das Ausmaß der Betroffenheit des Grundwassers mit einem eigenen Untersuchungsprogramm näher beleuchten.

Landvolk Cloppenburg sagt momentan nichts zu dem Fall

Der Landvolkverband Cloppenburg gibt momentan keine Stellungnahme mehr zu dem Fall ab. Auf Anfrage von agrarheute.com sagte der Vorsitzende Hubertus Berges: "Ich kann nicht viel dazu sagen, weil ich zu wenige Informationen habe". Gestern hatte der Kreisverband Cloppenburg noch eine Pressemitteilung herausgegeben, in der er die Ansicht vertrat, dass Sulfadimidin auch in der Humanmedizin eingesetzt werde. Davon nimmt Berges heute Abstand. "Sulfadimidin wird wohl doch ausschließlich in der Veterinärmedizin eingesetzt."   
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