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Seuchenbekämpfung

ASP: Bekämpfung: Ist Belgien ein Vorbild für Deutschland?

Wildschweine neben einer Birke im Wald
am Montag, 14.12.2020 - 14:41 (1 Kommentar)

Belgien hat das gemeistert, was Deutschland bevorsteht: die ASP in Schach zu halten und ein Ausbreiten der Seuche zu verhindern. Mit diesen Maßnahmen hat es das Land geschafft.

Am 13. September 2018 bestätigten die belgische Behörden für Lebensmittelsicherheit (FASNK) und der öffentliche Dienst der belgischen Wallonie den ersten Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) im Land. Das ASP-Virus wurde bei zwei Wildschweinen nachgewiesen, die einige Tage zuvor in den Wäldern des Dorfs Buzenol in der wallonischen Gemeinde Etalle aufgefunden worden waren.

Infizierte Zone einrichten und Wildschweine bekämpfen

Schnell ergriff die wallonische Regierung eine Reihe von Maßnahmen. Zunächst wurde eine erste Zone um den Ausbruchsort mit einem Umfang von 63.000 ha eingerichtet. Angesichts der schnellen Krankheitsentwicklung wurde diese infizierte Zone mehrmals überarbeitet und ausgeweitet. Schließlich umfasste sie insgesamt 110.600 ha einschließlich einer Waldfläche von 57.000 ha.

Hier wurden Maßnahmen zur Ausrottung der ASP durchgeführt. Sie sollten das Einschleppen der Krankheit in Schweinebetriebe und die Ausbreitung innerhalb der Wildschweinpopulation verhindern. Dank dieses Vorgehens ist es den Behörden gelungen, die Seuche in einem kleinen Teil im Süden der Provinz Luxemburg einzudämmen und die Schweinebetriebe seuchenfrei zu halten.

Maßnahme bei Hausschweinen: Keulung in der infizierten Zone angeordnet

Besonders zu Beginn des Ausbruchsgeschehens in Belgien verzeichnete die Afrikanische Schweinepest einen hohen Anstieg infizierter Tiere innerhalb der Wildschweinpopulation. Dadurch entstand auch für die Hausschweine ein reelles Infektionsrisiko. Daher wurde am 26. September 2018 die Schlachtung aller Hausschweine, die sich in der ersten, infizierten Zone befanden, angeordnet. Für den Ausfall der Tiere wurden die Halter von der Föderalebene entschädigt, ebenso wie für die vernichteten Futtermittel. Landwirte konnten außerdem Unterstützung für Einkommensverluste von der Wallonischen Region erhalten. Die Betriebe durften ihre Ställe erst wieder belegen, wenn die Seuchenlage dies wieder ermöglichte. Im Rahmen der Vergrößerung der Zone wurden keine weiteren systematischen Schlachtungen mehr angeordnet. Die Anzahl der infizierten Wildschweine war niedrig und die Betriebe waren mit guten Biosicherheitskonzepten gewappnet.

Biosicherheitsmaßnahmen in Belgien verstärkt

Auch in den restlichen Teilen Belgiens wurden die Biosicherheitsmaßnahmen verstärkt, um das Einschleppen des Virus zu verhindern. Nur Personen, deren Anwesenheit unerlässlich war, war es erlaubt, diese Betriebe zu betreten. Die belgische Behörde für Lebensmittelsicherheit kontrollierte das Einhalten dieser Maßnahmen auf den Betrieben, informierte und beriet die Landwirte zur ASP-Situation im Land. Darüber hinaus waren Ansammlungen von Schweinen verboten. Das bedeutet, dass die Tiere direkt vom Herkunftsort zum Bestimmungsort befördert werden müssen, ohne dabei Zwischenstopps einzulegen.

Probenentnahme bei Hausschweinen

Tierärzte in Belgien sind dazu verpflichtet, bei klinischen Anzeichen – egal welcher Art – in einem Betrieb Proben von drei erkrankten Schweinen zu nehmen. Hintergrund dafür ist, dass die ASP eine meldepflichtige Krankheit mit unspezifischen Symptomen ist, sodass eine Infektion nicht immer eindeutig auszuschließen ist.

Erzeugnisse aus infizierter Zone vernichten

Alle Erzeugnisse, die aus dem Anbau in der infizierten Zone gewonnen wurden, wurden für die Schweineindustrie gesperrt. Auf diese Weise sollte die Ausbreitung des auf vielen Substraten sehr resistenten ASP-Virus vermieden werden

Lage in Deutschland: Auf Biosicherheit und Bejagung setzen

„Unser Ziel in Niedersachen und Deutschland ist es, das Seuchengeschehen der Afrikanischen Schweinepest zu stoppen – ähnlich wie es auch Tschechien und Belgien geschafft haben“, erklärt Dr. Barbara Gottstein vom Referat für Tierische Nebenprodukte und Tiersuchen des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

Die wichtigste Maßnahme, um Hauschweine effektiv zu schützen, sei die Biosicherheit auf den Betrieben. Werde sie konsequent eingehalten, seien Schlachtungen von nicht infizierten Hausschweinebeständen in infizierten Gebieten, wie es in Belgien geschehen ist, nicht notwendig.

Eine weitere wichtige Maßnahme ist nach Angaben des Leiters der Abteilung für Verbraucherschutz, Tiergesundheit und Tierschutz, Prof. Dr. Michael Kühne, die Bejagung der Wildschweine. Sie laufe in Deutschland bereits auf Hochtouren. Belgien sei in Bezug auf die effektive Bejagung in der gefährdeten Zone und in den Randgebieten Vorbild.

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