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+++ Ergänzt: 15:45 Uhr +++

ASP-Fall auf Familienbetrieb – drei Kontaktbetriebe unter Beobachtung

Backhaus ASP Schweinepest
am Dienstag, 16.11.2021 - 11:58 (1 Kommentar)

Der ASP-Fall im Landkreis Rostock betrifft einen Familienbetrieb mit 4.038 Schweinen. Drei Kontaktbetriebe stehen unter Beobachtung.

Darüber informierte heute Morgen (16.11.) Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus in einer Pressekonferenz in Schwerin.

Der von der Afrikanischen Schweinepest (ASP) betroffene Betrieb in Vogelsang gehört einem geschlossenen System aus drei Mästern und einer Sauenhaltung an. Der Muttersauenbetrieb liegt im Landkreis Vorpommern-Rügen und hält 1.000 Sauen. Die Ferkel dieses Betriebes werden laut Backhaus in den drei Mastbetrieben aufgezogen, von denen zwei im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte liegen.

Dem Minister zufolge gibt es bisher auf den drei Kontaktbetrieben keine Anzeichen von ASP.

Steigende Tierverluste über das Wochenende

Wie Backhaus weiter mitteilte, wurden auf dem betroffenen Mastbetrieb am 12. November erste Anzeichen einer Infektion festgestellt. Die Tierverluste wuchsen täglich an auf zuletzt 20 am Montag. Am Montagmorgen schaltete der betreuende Veterinär darum das Landesamt ein.

Die Beprobung durch das Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF) und das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) bestätigten noch am selben Abend das ASP-Virus. agrarheute hatte darüber gestern Abend berichtet.

Eine Lieferung von Schlachtschweinen, die den Betrieb am Montag in Richtung Schlachthof verlassen hatte, wurde dem Minister zufolge zurückgeholt.

Sperrzone und Beobachtungsgebiet eingerichtet

Das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt des Landkreises Rostock (VLA) hat um den Mastbetrieb eine Schutzzone mit 3 km Radius und eine Überwachungszone mit 10 km Radius eingerichtet. In der Sperrzone liegen weitere acht Betriebe, darunter fünf Kleinsthaltungen mit weniger als 100 Schweinen, im Beobachtungsgebiet sind es 20 Betriebe. Diese werden nun von Amtstierärzten klinisch untersucht und beprobt.

Für das Beobachtungsgebiet gilt, dass Tiere nur nach einer tierärztlichen Untersuchung transportiert werden dürfen. Backhaus betonte, die Behörden vor Ort hätten die Lage unter Kontrolle. Der betroffene Bestand soll morgen durch ein Spezialunternehmen gekeult werden.

Einschleppungsweg des ASP-Virus wird jetzt untersucht

Ein Rätsel ist für den gestern im Amt bestätigten, dienstältesten Agrarminister in Deutschland, auf welchem Weg das Virus in den Betrieb eingeschleppt wurde. Allein im Landkreis Rostock seien in diesem Jahr 890 Hausschweine und 40 Wildschweine negativ auf ASP getestet worden, berichtete Backhaus. Es gebe kein flächendeckendes ASP-Geschehen in Mecklenburg-Vorpommern, anders als in Brandenburg und Sachsen.

Der Pfad der Einschleppung müsse daher nun von Experten epidemiologisch aufgeklärt werden. Dazu werde unter anderem in Absprache mit den Jägern die Fallwildsuche im Umkreis des Betriebes intensiviert.

Backhaus kritisiert den Bund heftig

Backhaus appellierte eindringlich an die Schlachthöfe in Kellinghusen, Perlenberg und Weißenfels, weiterhin Schlachtschweine aus Mecklenburg-Vorpommern anzunehmen.

Heftige Kritik übte der Landesminister an seiner Kollegin auf Bundesebene, Julia Klöckner. Sie habe es nicht zustande gebracht, dass ein Impfstoff entwickelt worden sei. Wäre die ASP in Nordrhein-Westfalen oder Niedersachsen aufgetreten, wäre hier sicher mehr passiert, so Backhaus.

Er warf dem Bundeslandwirtschaftsministerium auch vor, keinerlei Unterstützung beim Zaunbau und der Koordinierung der Bekämpfungsmaßnahmen geleistet zu haben.

Bundeslandwirtschaftsministerium weist Backhaus-Kritik zurück

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, Uwe Feiler, wies die Kritik aus Schwerin zurück. Backhaus stelle Behauptungen in den Raum, die schlichtweg falsch seien, sagte der ASP-Beauftragte des Bundesministeriums.

Der Bund unterstütze die Entwicklung eines Impfstoffes sehr wohl, unterstrich Feiler. Das ASP-Virus sei aber komplexer als das Corona-Virus, sodass die Entwicklung langwieriger sei, erläuterte Feiler. Er wies zudem darauf hin, dass sich der Bund bei der EU-Kommission für eine finanzielle Beteiligung am Zaunbau eingesetzt habe. Außerdem habe das Bundesministerium ein Schutzkorridor-Konzept mitentwickelt.

Falsch sei auch die Behauptung, es gebe keine zentrale Koordinierung der ASP-Bekämpfung. Feiler verwies auf den Zentralen Krisenstab unter Leitung des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Zudem koordiniere eine Bund-Länder Task Force Tierseuchenbekämpfung seit vielen Jahren die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern.

ISN erwartet keine Veränderung der Marktlage

Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter (ISN) stellte fest, leider habe sich die Befürchtung bestätigt, dass sich mindestens ein punktuelles Ausbreitungsgeschehen der ASP in Deutschland nicht verhindern lasse. Nun sei es wichtig, die Ursachen für den Eintrag in den Mastbetrieb zu ermitteln und dass die angelaufenen Bekämpfungsstrategien vor Ort greifen.

Mit Blick auf den Markt ändert sich die Lage nach Einschätzung der ISN nicht, denn Deutschland sei so oder so bereits für den Schweinefleischexport in viele Drittländer gesperrt. Allerdings sei nun ein weiteres Bundesland betroffen und Restriktionszonen müssten ausgeweitet beziehungsweise neu ausgewiesen werden.

Für die ISN unterstreicht die Entwicklung, dass die Schlacht- und Verarbeitungsmöglichkeiten für Nutztiere aus Restriktionsgebieten deutlich ausgeweitet werden müssen. „Insellösungen“ würden auf Grund laufen, so der Verband.

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