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+++ Update 6. August 2021 +++

ASP: Kommt die Schweinepest über das Futter in den Stall?

Futter wird von einem Schiff gelöscht.
am Freitag, 06.08.2021 - 11:56

Seitdem die Afrikanische Schweinepest (ASP) in Deutschland die ersten Hausschweinebestände erreicht hat, suchen Experten nach dem möglichen Eintragsweg. Immer wieder in Verdacht steht das Futter.

6. August 2021: Kam die ASP mit dem Futter in den Stall?

In Deutschland wurde die Tierseuche erstmals bei Hausschweine nachgewiesen, auf dem amerikanischen Kontinent brach die Afrikanische Schweinepest (ASP) nach 40 Jahren erstmals wieder aus, betroffen ist die Dominikanische Republik.

Jetzt wird intensiv nach den Eintragswegen gesucht. Immer wieder in Verdacht steht der Eintrag über das Futter. Experten halten es grundsätzlich für denkbar, dass kontaminierte Futtermittel für eine Ausbreitung beziehungsweise Weiterverbreitung der ASP verantwortlich sein können.

Dazu gibt es eine Risikoabschätzung des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) mit Stand Mai 2020, in der betont wird, dass es bislang relativ wenige Untersuchungen zur Überlebensfähigkeit von ASP-Virus in Futtermitteln gibt.

Das FLI bezieht sich unter anderem auch auf die unten beschriebene Studie, die den Transport von Futtermitteln aus Asien beziehungsweise aus Europa in die USA simulierte und feststellte, dass das Virus unter den Bedingungen des transatlantischen Transportes überleben würde, besonders in Sojaprodukten und in Schweinedärmen

In der Folgestudie wurde derselbe Versuchsaufbau verwendet und die Halbwertszeit des Virus in diesen Futtermitteln bestimmt. Diese betrugen 9,6 bis 14,2 Tage. Die FLI merkt dazu allerdings an, dass die geprüften Futtermittel mit hohen Virusdosen kontaminiert wurden.

Eine weitere experimentelle Studie aus dieser Forschergruppe ergab, dass wiederholte geringe Expositionsmengen insbesondere in Wasser aber auch Futter zu einer Infektion mit ASP führen können. Somit können auch geringe Virusmengen ein Problem darstellen, wenn sie im Tränkwasser enthalten sind, beziehungsweise wenn die Exposition häufig genug wiederholt wird.

Grundsätzlich unterscheidet sich die ASP hier aber nicht von anderen Seuchen, vermutlich ist das Virus sogar weniger kontagiös als andere Tierseuchenerreger.

ASP: Rolle von Grünfutter, Stroh und Getreide

Da in Lettland und Estland die meisten Ausbrüche bei Hausschweinen im Sommer aufgetreten sind, wurde die Vermutung geäußert, dass dies mit der Verfütterung von eventuell kontaminiertem Grünfutter zusammenhängt. Die Verfütterung von frischem Grünfutter wurde deshalb verboten. Auch Stroh darf nur verwendet werden, wenn es für mindestens 6 Monate sicher gelagert wurde.

Von der EU heißt es, dass das Risiko für Heu und Stroh, infektiöses Virus zu enthalten, als gering eingestuft wird. Falls es als möglicherweise kontaminiert gilt, sollte es nur nach vorheriger Behandlung oder Lagerung verfüttert werden. Die Behandlung muss eine Inaktivierung der ASP-Viren erreichen. Allerdings spezifiziert die EU nicht, wie dies erreicht werden kann.

Die Lagerung für frisches Gras oder Getreide sollte mindestens 30 Tage und für Stroh mindestens 90 Tage betragen und sie muss außerhalb der Reichweite von Wildschweinen stattfinden. In einer weiteren Studie kontaminierten Wissenschaftler vier verschiedene Getreidesorten (Weizen, Gerste, Roggen und Triticale) sowie Mais und Erbsen mit infektiösem Blut und trockneten es für mindestens zwei Stunden bei Raumtemperatur. Das Genom des ASP-Virus konnte danach zwar noch nachgewiesen werden, aber kein infektiöses Virus mehr. Daraus kann geschlossen werden, dass die Trocknung allein schon zu einer Reduzierung der infektiösen Viruslast führt und somit das Risiko einer Übertragung über diese Feldfrüchte vermutlich gering ist.

Hitze inaktiviert das ASP-Virus im Futter

Behandelt man die Futtermittel bei ihrer Herstellung mit hohen Temperaturen, wie bei der Pelletierung, ist laut FLI von einer Inaktivierung auszugehen. Wie Futtermittel dekontaminiert werden können, ist nicht im Detail bekannt. Forschungsarbeiten werden derzeit dazu durchgeführt.

Eine angemessene Erhitzung (>70 °C) führt in jedem Fall zur Virusinaktivierung. In getrocknetem Schweineblut wurde in China infektiöses Virusmaterial nachgewiesen. Bei der Einfuhr von Blutprodukten ist davon auszugehen, dass der Erhitzungsprozess, der im Rahmen der Herstellung von sprühgetrocknetem Blutplasma stattfindet, nicht immer ausreichen könnte, um das ASP-Virus sicher zu inaktivieren, insbesondere, wenn das Ausgangsmaterial in hohem Maße mit infektiösem Virus behaftet ist.

FLI schätzt Risiko des Eintrags über Futter eher als gering ein

Insgesamt kommt die FLI zu folgendem Ergebnis:

  • Aufgrund der Vielzahl inzwischen von der ASP betroffener Gebiete wird das Risiko einer Einschleppung des ASP-Virus über die legale Einfuhr beziehungsweise das legale Verbringen von kontaminierten Futtermitteln als gering eingestuft. Für die Einfuhr von Blutprodukten wird das Risiko als hoch eingestuft.
  • Bei einer Einschleppung des Virus durch kontaminierte Futtermittel wird es zu wiederholten Expositionen von Hausschweinen und gehaltenen Wildschweinen kommen. Expositionsrisiko für Hausschweine ist gering.

27. August 2020: Neue Ergebnisse zur Ausbreitung von ASP über das Futter

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) breitet sich in China, aber auch in Europa weiter aus. Das nehmen Wissenschaftler zum Anlass, über die möglichen Übertragungswege zu forschen. 

Einer der möglichen Infektionsquellen ist das Futter. Hier kommen unterschiedliche Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen. Die neuste ASP-Studie aus Europa zieht den Schluss, dass sich das Virus möglicherweise nicht so leicht im Tierfutter verbreitet, wie frühere Untersuchungen vermuten lassen.

Um frühere Forschungsarbeiten zu wiederholen, fütterte ein Team des Forschungszentrums für Tiergesundheit in Spanien 30 Schweine mit kommerziellem Futter, das mit einem flüssigen, unverarbeiteten, ASP-kontaminierten Plasma gemischt war. Das kontaminierte Plasma enthielt entweder die minimale infektiöse Dosis, die durch frühere Arbeiten impliziert wurde, oder eine höhere Dosis. 

Laut veröffentlichter Ergebnisse erkrankte nach 14-tägiger, ununterbrochener Fütterung jedoch keines der Schweine an der Tierseuche. Das deutet darauf hin, dass die Mindestdosis an ASP-Viren im Tierfutter deutlich höher sein muss, als zuvor berichtet wurde. Endgültig seien diese Vermutungen nicht, so wurde in diesem Versuch flüssiges, unbehandeltes Plasma anstelle von sprühgetrocknetem Plasma verwendet.

Die Forscher ziehen deshalb das Fazit, dass Futtermmittel und Futterzusatzstoffen von Lieferanten, die die gute Herstellungspraxis einschließlich hoher Biosicherheitsstandard anwenden, ein sehr geringes Risiko für die Verbreitung des ASP-Virus darstellen.

26. Februar 2019: Futtermittel gehören zu den weniger beachteten Übertragungswegen der ASP

Megan Niederwerder von der Universität Kansas (USA) leitet ein Team, das untersucht, wie sich der aktuelle ASP-Stamm in Futtermittel und Futtermittelinhaltsstoffe ausbreiten könnte.

Futtermittel und deren Inhaltsstoffe zählen laut der Wissenschaftlerin zu den "weniger beachteten Übertragunswegen" der Afrikanischen Schweinepest. Da Futter aber global gehandelt und transportiert wird, könnte es eine wichtige Rolle bei der grenzüberschreitenden Verbreitung des Virus spielen.

ASP-Virus überlebt Überseetransport

Ihre aktuelle Studie sei die erste, die zeigt, dass das ASP-Virus leicht durch den Verzehr von kontaminierten Flüssigkeiten übertragen werden kann. Dazu reiche eine geringe Virusmenge aus. 

Für die Übertragung über das Futter sei allerdings eine höhere Viruskonzentration nötig. Die Risiko einer Infektion erhöhe sich aber, je häufiger Tiere kontaminiertes Futter erhalten.  

Außerdem konnte auch nachgewiesen werden, dass das Virus im Futter einen simulierten Überseetransport überlebt. Jetzt soll erforscht werden, wie man das Virus im Futter durch chemischer Zusatzstoffe, Lagerzeiten, Wärmebehandlung oder andere Methoden unschädlich machen kann.

Mit Material von FLI, Feedstuff