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ASP: Putin soll Verbot der privaten Schweinehaltung stoppen

von , am
06.08.2013

Die russische Vereinigung privater Landwirte hat an Putin appelliert, die Pläne zur Beschränkung der privaten Schweinehaltung zu stoppen. Die Entscheidung würde Millionen von Landbewohnern schädigen.

Die Afrikanische Schweinepest hält Russland in Atem. © Mühlhausen/landpixel
In Russland hat die Vereinigung privater Landwirte (Akkor) an Staatspräsident Wladimir Putin appelliert, die Regierungspläne zur radikalen Beschränkung der privaten Schweinehaltung zwecks Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) zu stoppen. Putin solle sich einmischen und einer Fehlentscheidung zuvorkommen, die Millionen von Landbewohnern schädigen würde, heißt es in einem von Vertretern der 57 regionalen Akkor-Verbände unterzeichneten Schreiben. Wenige Tage zuvor hatte die Regierung die Absicht bekanntgegeben, die gegen die ASP unzureichend gesicherte Schweinehaltung zu verbieten; gemeint sind die privaten Hofwirtschaften der Bevölkerung und kleinere Landwirtschaftsbetriebe.
Es sei ein großer Irrtum zu glauben, dass durch eine solche Maßnahme das ASP-Problem gelöst werden könnte, stellte Akkor klar. Die Lage sei ernst und erfordere außerordentliche, jedoch keinesfalls übereilte Eingriffe. Zunächst müsse die Regierung strengere Maßnahmen zur Ausmerzung der Seuchenherde ausarbeiten und umsetzen. Darüber hinaus sollten klare Sicherheitsvorschriften für die Schweinehaltung verfasst und die Sanktionen bei Verstößen verschärft werden. Unterdessen unterzeichnete Putin eine vom Parlament Anfang Juli verabschiedete Novelle zum Gesetzbuch über Ordnungswidrigkeiten, die strengere Strafen bei der Missachtung von Veterinärvorschriften festlegt. Schärfer sanktioniert als bislang wird unter anderem die Verheimlichung von plötzlichen Tierverendungen oder von massenhaften Erkrankungen der Tiere.

Nur Vorwand für Konkurrenzausschaltung?

Akkor wies darauf hin, dass schon jetzt Meldungen einträfen, wonach die lokalen Behörden Notschlachtungen von Schweinen ohne nachgewiesene ASP-Fälle erzwängen. Für nicht unbegründet hält die Vereinigung die Vermutung, wonach mit der Zerschlagung der privaten Schweinehaltung unter dem Vorwand der ASP-Bekämpfung tatsächlich die Konkurrenten der großen Schweinefleischerzeuger ausgeschaltet werden sollen. Als unzutreffend kritisierte Akkor die Behauptung von Regierungsexperten, ASP verbreite sich von Hofwirtschaften aus. Die Praxis zeige, dass Betriebe aller Formen und Größen durch die Seuche gefährdet seien.
Laut offiziellen Angaben seien von der Afrikanischen Schweinepest derzeit 58 private Haushalte betroffen, während ihre Gesamtzahl bei rund 17 Millionen liege. Dabei breche ASP auch in den landwirtschaftlichen Großbetrieben aus; allerdings gestalteten sich die Sicherheitsmaßnahmen dort wesentlich schwieriger und die finanziellen Verluste seien deutlich größer als im privaten Sektor. Falsch seien auch die Hinweise auf internationale Erfahrungen, die angeblich für die Haltung von Schweinen in Großanlagen sprächen, so Akkor weiter. In keinem der Länder mit entwickelter Agrarproduktion sei die Konzentration der Schweinehaltung in einzelnen Betrieben und Anlagen so stark wie in Russland.

Tradition und wirtschaftliche Stütze

Schließlich warnt Akkor, die wirtschaftlichen und sozialen Folgen einer solchen Entscheidung nicht zu übersehen. Ein totales Verbot der Schweinehaltung in den Hofwirtschaften der Bevölkerung wäre ein Schicksalsschlag gegen diesen Produktionsbereich und das russische Dorf. Die private Schweinehaltung habe in Russland jahrzehntelange Tradition und stelle heutzutage auch einen wichtigen Stützpfeiler für die Landbewohner mit niedrigen Einkommen dar.
    Zudem komme ihr auch wirtschaftlich Bedeutung zu, denn auf die Kleinproduzenten entfalle derzeit etwa ein Drittel der gesamten Schweinefleischerzeugung des Landes. Die durch harte Bedingungen der Mitgliedschaft Russlands in der Welthandelsorganisation (WTO) stark betroffenen Großproduzenten wären nicht imstande, den Ausfall dieses Sektors auszugleichen, gibt Akkor zu bedenken. Das Verbot der privaten Schweinehaltung hätte eine Steigerung der sich bereits auf jährlich fast eine Millionen Tonnen belaufenden Schweinefleischimporte zur Folge.

    Bonuszahlung für Schweineankauf beschlossen

    Unterdessen beschloss die Regierung der russischen Provinz Belgorod, für die bei privaten Schweinehaltern angekauften Ferkel und Läufer jeweils 2.000 Rubel (46 Euro) zusätzlich zum zuvor angesetzten Preis von 60 Rubel (1,38 Euro) pro Kilogramm Lebendgewicht (LG) zu zahlen, und zwar auch rückwirkend. Nach dem ersten ASP-Ausbruch in dieser stark auf die Schweinehaltung ausgerichteten Provinz war der Ankauf beziehungsweise die Keulung sämtlicher Schweine angeordnet worden, die ohne entsprechenden veterinärsanitären Schutz gehalten werden. Die zusätzlichen Finanzmittel sollen teilweise von den dortigen, den Ankauf der Tiere ohnehin mittragenden Agrarholdinggesellschaften bereitgestellt werden.

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