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Aus der Wirtschaft

Aufreger: 'Rewe profiliert sich auf Kosten der Erzeuger'

von , am
13.08.2015

Die Ankündigung von Rewe, Fleisch unbetäubt kastrierter Schweine aus seinen Theken zu verbannen, ist den Landwirten sauer aufgestoßen. Sie fordern höhere Preise und die Vermarktung von Eberfleisch.

Eberfleisch findet kaum Abnehmer. © Artem Gorohov/fotolia.de
 
Ab dem 1. Januar 2017 soll kein Fleisch mehr von unbetäubt kastrierten Schweinen in den Rewe-Theken liegen. Das teilte die Handelsgruppe Rewe am Montag seinen Vertragslieferanten mit. Angesichts der derzeitigen Schweinepreise ein Schlag ins Gesicht der Erzeuger. Von einer damit verbundenen Mehrvergütung der Ferkel- und Schweineerzeuger war in der Ankündigung - die agrarheute.com vorliegt - nicht die Rede.
 
 
Der Deutsche Bauernverband fordert dagegen, es der Handelsgruppe Schwarz (Lidl/Kaufland) gleichzutun und statt einer leeren Imagekampagne, konkret den Beitrag für die Branchen-Initiative Tierwohl aufzustocken.

Forderung: Eberfleisch vermarkten!

"Ohne ein breites Bekenntnis des Lebensmitteleinzelhandels für Eberfleisch wird die Schweinefleischbranche in Deutschland spätestens 2019 Schiffbruch erleiden", so die Schlussfolgerung des Interessensverbands ISN. Die Betäubungsverfahren seien dem ISN zufolge wenig praxistauglich. Vielmehr müsse sich der Markt für Eberfleisch öffnen. Bisher sei dies jedoch nicht geschehen. Der Bauernverband vermutet Vermarktungsprobleme, weil der Verbraucher das Eberfleisch nicht ausreichend annimmt. Dabei stelle sich die Frage, warum der Lebensmitteleinzelhandel diese tierschutzgerechte Methode nicht durch Werbung und Information unterstütze, kritisierte der DBV.
 
Erst vor wenigen Tagen posteten im Rahmen einer Ferkelprotestwoche viele Schweinehalter Bilder auf der Facebook-Seite des Tierschutzbundes mit Kommentaren wie "Auf die Kastration verzichten? Würde ich gerne! Leider kann ich meine Eber nicht vermarkten."
 

Diskussion in sozialen Netzwerken

In den sozialen Netzwerken sorgt der agrarheute.com-Artikel über die neue Rewe-Kampagne für rege Diskussionen. Auf landlive.de empören sich die User über die Initiative ohne Zugeständnisse an die Erzeuger:
 
"Das sind alles nur Lippenbekenntnisse, um den Verbraucher wieder etwas vorzugaukeln. Dass aber mehr Tierschutz auch Geld kostet, von dem steht da nichts und das möchte man dem Verbraucher nicht sagen, sonst käme er vielleicht auf den Gedanken, dass er mehr Geld ausgeben muss."
 
Ein anderer User schreibt:
 
"Früher oder später war das zu erwarten. Die Preise werden niedrig gehalten und die Anforderungen angezogen. Wenn man dann keine passende Ware zu dem Preis findet, dann ist man auch mit billiger Ware zufrieden, die die Anforderungen nicht erfüllen, aber mit einen wunderbaren Zertifikat begleitet sind. Betrug wird wahrscheinlich zunehmen, das Pferd lacht dann wieder aus der Lasagne."
 
Ein User schlägt dem Bauernverband Folgendes vor:
 
"Solange die Aldi's, Lidl's und wie Sie alle heißen, Nahrungsmittel für Lockangebote im Preis so runterhauen, wie sie es in letzter Zeit mit Fleisch und Milchprodukten wieder praktizieren, würde ich, wenn ich Bauernverband wäre, die ganze Tierwohlgeschichte medienwirksam aufkündigen und erst wieder einsteigen, wenn sie sich vertraglich verpflichten, das künftig Rabattschlachten mit Nahrungsmittel unterbleiben."
 
Dieser Diskussionsteilnehmer schlägt vor:
 
"Wenn es Standard für alle ist sollte es wohl kein Problem sein, denn dann sollte der Markt das Regeln. Aber es setzt das Vertrauen voraus das der Handel nicht über Importe Fleisch vermarktet, was nicht nach diesem Standard produziert wurde. Bestes Beispiel ist doch das Ei. In den Theken liegen die Bodenhaltungseier und die Industrie verarbeitet Käfigeiprodukte aus der Ukraine. Ich denke hier sollte angesetzt werden. Wir liefern den hohen Standard und da muss kontrolliert werden, dass dieser nicht unterwandert wird. Dann ist es egal ob der Handel für Tierwohl extra bezahlt oder nicht, dann regelt das der Preis..."
 
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