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Aus der Wirtschaft

Aufreger: Übernimmt Tönnies die Macht am Schweinemarkt?

© landpixel
von , am
29.04.2015

Deutschlands größter Schweineschlachter, steigt mit der Tönnies Livestock GmbH in den Viehhandel ein. Für die ISN und Westfleisch ein Aufreger. Denn am Marktgleichgewicht wird gerüttelt. Tönnies wehrt sich gegen die Vorwürfe.

In Zukunft will auch Tönnies Ferkel verkaufen und die Mäster mit Lieferverträgen eng an sich binden. © Mühlhausen/landpixel
Für die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands ISN war die Nachricht ein "Paukenschlag". Deutschlands größter Schweineschlachter Tönnies steigt in den Viehandel ein. Westfleisch schreibt in einem Brief an die Geschäftsführer und Landwirte von einer "dreisten Abwehrreaktion ohne Beispiel". Westfleisch erwartet nach eigenen Angaben weitreichende Konsequenzen für das Marktgleichgewicht und spricht sogar von einer unersättlichen Dominanz des Marktführers. 
Tönnies selbst, äußert sich gegenüber agrarheute.com: "Wenn Wettbewerber von Marktmacht und Dominanz sprechen, müssen wir vermuten, dass man dort offensichtlich die Zeichen der Zeit und die Anforderungen der Verbraucher nicht erkannt hat. Und stattdessen eigene Pfründe sichern will, ohne sich einem Wettbewerb stellen zu müssen. Der Lebensmitteleinzelhandel, die Weiterverarbeiter und vor allem die Endverbraucher haben hohe Ansprüche an Transparenz, Nachhaltigkeit und Sicherheit in der Lieferkette. Diese befriedigen wir heute nur in Teilen. So wird es zum Beispiel zwingend sein, dass wir auch die Vorstufen bis zur Ferkelerzeugung in unsere Transparenzketten mit einbinden. Tönnies Livestock wurde genau dazu gegründet."

Schweineproduktion nach dänischem Vorbild?

Auch unser Marktexperte Dr. Olaf Zinke geht davon aus, dass sich die Marktstrukturen verschieben werden. "Wenn ein so Großer wie Tönnies in den Viehhandel einsteigt, wird das nicht ohne Folgen bleiben, bestätigt Zinke. Die ISN sieht zudem den Weg in die vertikale Integration geebnet. Und auch Marktexperte Zinke erwartet Einschränkungen für die Mäster durch die engen Lieferbeziehungen."
 
In Dänemark ist es schon Alltag, dass die Mäster quasi auf "Bestellung" produzieren und genau das abliefern, was die Händler vorgeben. Für die ISN ermöglichen die engen vertragliche Anbindung oder gar Vertragsmast dem LEH und Schlachtunternehmen Vorgaben durchzudrücken, denen ansonsten der Betroffene im freien Wettbewerb vielleicht ausweichen könnte.

In Bildern: 10 Tipps zur Minimierung der Ferkelverluste

Tipp 1: Um Verluste zu verringern, Sie sollen auf die Zeit zwischen den Geburten einzelner Ferkeln achten. Das beträgt in der Regel maximal 15 Minuten. Tot geborene Ferkel kommen erst nach 45 bis 60 Minuten. © Bräunig/Grave
Tipp 2: Sie könnnen den Anteil an erdrückten Ferkeln während des Geburtes senken, wenn Sie den Sauen bereits vor der Geburt Nestbaumaterial anbieten. Hier haben sich Jutesäcke bewährt. © Bräunig/Grave
Tipp 3: Beim "Grätschens" hilft es, wenn Sie die Hinterbeine des Ferkels zusammenbinden. Für eine verbesserte Bodengriffigkeit können Sie Trockenpulver oder eine Matte verwenden. © Bräunig/Grave
Tipp 4: Stellen Sie eine optimale Temperatur von 32 bis 35 C° im Ferkelnest sicher. Tipp 5: Dämen Sie das Licht im Ferkelnest. Zu viel und zu starkes Licht wirkt immunschwächend. Neugeborene ziehen das Halbdunkel vor - daher sind Rotlichtlampen zu empfehlen. © Bräunig/Grave
Tipp 6: Geben Sie den Ferkeln möglichst schnell Kolostrum. Die Reserven von Ferkeln reichen höchstens für einen Tag. Das Ferkel muss möglichst schnell Kolostrum aufnehmen, um die Energie aus der Milch in Wärme umzusetzen. © Bräunig/Grave
Tipp 7: Die Sau bildet nur eine bestimmte Menge Biestmilch mit lebensnotwendigen Abwehrstoffen. Damit jedes Ferkel seinen Teil bekommt (mindestens 250 g pro Ferkel), können Sie die erstgeborenen Ferkel markieren und diese, nachdem sie schon getrunken haben, hinter eine Trennwand setzen, um auch die zuletzt Geborenen trinken zu lassen. © Bräunig/Grave
Tipp 8: Beim (Tot-)beißen geben Sie den Sauen kein Oxytocin, dafür eventuell ein Beruhigungsmittel. Ferkel von Jungsauen sind anfälliger als die von Altsauen für Infektionen, weil das Abwehrsystem ihrer Mütter noch nicht voll entwickelt ist. © Bräunig/Grave
Tipp 9: Beim Kastrieren sollen Sie es mit einem waagerechten Schnitt versuchen anstelle von zwei senkrechten. So verursachen Sie statt zwei Wunden nur eine. © Bräunig/Grave
Tipp 10: Der beste Zeitpunkt zum Verabreichen von Eisen ist der dritte Lebenstag. Geben Sie keines bei Infektionen der Ferkel mit Clostridien und bei E.-coli-Durchfällen. © Bräunig/Grave
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