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Bioferkel

Die Aufzucht mit reinem Biofutter ist wirtschaftlich

Jürgen Beckhoff, aid/nc
am
03.12.2015

Eine Studie des Thünen-Instituts für Ökologischen Landbau zeigt: Die Aufzucht von Bioferkeln ist wirtschaftlich erfolgreich, mit betriebseigenen Futterrationen aus 100 Prozent ökologischer Erzeugung.

Bioferkeln mit 100 Prozent ökologisch erzeugtem eigenen Futter auch wirtschaftlich aufzuziehen, ist weitestgehend möglich. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher des Thünen-Instituts für Ökologischen Landbau in Trenthorst, die über drei Jahre hinweg verschiedene Fütterungsstrategien für Ferkel unter ökologischen Haltungsbedingungen prüften. Hintergrund der Studie ist die in der Regel begrenzte Proteinqualität ökologischer Futtermittel, mit denen das hohe Wachstumspotenzial von Ferkeln oft nicht optimal ausgeschöpft werden kann. Zudem sieht die EU-Ökoverordnung ab 2018 vor, dass Futtermittel in der ökologischen Tierhaltung zu 100 Prozent aus ökologischer Erzeugung stammen müssen.

Forscher untersuchen 1.509 Ferkel

Die Forscher untersuchten die Tageszunahmen, das Auftreten von Krankheiten und die Verlustraten von insgesamt 1.509 Ferkeln bei einphasiger Fütterung mit drei verschiedenen Futtermitteln.

Sie verwendeten:

  • Zukauffutter mit nur 28 Prozent hofeigenen Komponenten, das den einschlägigen Empfehlungen entspricht
  • ein 100 Prozent Biostandard-Ferkelfutter mit 78 Prozent hofeigenen Komponenten, das den Beratungsempfehlungen mit Einschränkungen folgt
  • und ein betriebsübliche Bio-Laktationsfutter mit 87 Prozent hofeigenen Komponenten, das nach bisherigem Wissen die Versorgungsempfehlungen nicht erfüllt.

Zusätzlich erhielten die Ferkel mit Kleegrassilage oder Stroh zwei verschiedene Raufutterarten zu jeder Kraftfuttervariante. Alle Tiere wurden in der Untersuchung sieben Wochen lang gesäugt, statt der in der Praxis üblichen sechs Wochen. Bei allen Fütterungsvarianten lagen die täglichen Zunahmen insgesamt auf hohem Niveau.

Durchschnittliche Tageszunahmen sind identisch

Am Ende des Untersuchungszeitraums nach 63 Tagen zeigte sich, dass die durchschnittlichen Tageszunahmen beim Zukauf- und Standardfutter mit 357 g/Tag identisch waren.

Auch die Zunahmen beim Laktationsfutterrmittel fielen mit 343 g/Tag nur unwesentlich niedriger aus. Bezogen auf ein standardisiertes 20 kg-Ferkel entstanden im Vergleich zum teuren Zukauffutter bei Standardfutter nur 57 Prozent der Kosten, beim Laktationsfutter nur 49 Prozent.

Forscher empfehlen den Einsatz des Standardfutters

Da es in Bezug auf Krankheiten und Verluste keine Unterschiede zwischen den Varianten gab, empfehlen die Forscher den Einsatz des Standardfutters ohne Einschränkung. Für die Nutzung des Laktationsfutters müssen aus Sicht der Experten bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Die Säugezeit sollte mindestens sieben Wochen betragen und die Sauenherde einen hoher Gesundheitsstatus aufzeigen.

Obwohl sich in der Studie keine Unterschiede bei der Raufutterwahl ergaben, empfehlen die Forscher Landwirten auf Kleegrassilage zu setzen, da es sehr gut von den Tieren angenommen wird. Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass die Fütterungsstrategie zur Säugezeit passen muss. Eine 100 prozentige-Biofütterung, die bei siebenwöchiger Säugezeit gut funktioniere, dürfe nicht bei sechswöchiger Säugezeit zum Einsatz kommen.

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