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Zucht

Ausschuss berät über strengere Regeln für Schweinehalter

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von , am
07.05.2013

Berlin - Mehr Tierschutz in der Schweinehaltung ist das Ziel einer Bundesratsinitiative Nordrhein-Westfalens. Der Antrag wurde am Freitag in den Agrarausschuss überwiesen.

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Auf eine deutliche Verschärfung der Tierschutzanforderungen in der Schweinehaltung zielt ein Verordnungsentwurf zur Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung, den Nordrhein-Westfalen in den Bundesrat eingebracht hat und der zur weiteren Beratung in den zuständigen Agrarausschuss der Länderkammer überwiesen wurde.
 
Im Mittelpunkt steht eine Anhebung des Mindestplatzangebots je Tier um etwa 30 Prozent. Gelten soll dies für Zuchtläufer und Mastschweine ebenso wie für Jungsauen und Sauen sowie für Absetzferkel. Die rot-grüne Landesregierung in Düsseldorf beziffert die damit verbundenen zusätzlichen Produktionskosten für die Halter auf etwa 10 Euro je Mastschwein.

Remmel: Wir brauchen mehr Tierschutz

Begründet wird der erhöhte Platzbedarf mit dem gestiegenen Leistungsvermögen der Schweine, das sich insbesondere in gesteigerten Tageszunahmen und damit einer höheren Futteraufnahme widerspiegele. Nordrhein-Westfalens Landwirtschaftsminister Johannes Remmel begründete die Initiative mit gravierenden Defiziten in der Schweinehaltung. Das derzeitige Mastverfahren sei überreizt und die Tiere leistungsmäßig überfordert. Die Folge seien tierschutzwidrige Zustände in den großen Mastanlagen. Die Bundesregierung müsse daher die Haltungsverordnungen im Tierschutzgesetz ändern und an dem grundgesetzlich verankerten Staatsziel des Tierschutzes ausrichten.

Bereitstellung von organischem Beschäftigungsmaterial

Weitere Forderungen im Entwurf laufen darauf hinaus, dass den Schweinen künftig organisches Beschäftigungsmaterial wie Stroh und Heu sowie Strukturfutter zur Stabilisierung des Darmtrakts zur Verfügung stehen müssen. Für Aufzuchtferkel und Mastschweine soll ein Mindestrohfasergehalt von fünf Prozent im Futter vorgeschrieben werden. Ferkelerzeuger sollen eine Mindestsäugezeit von 28 Tagen und ein Mindestabsetzgewicht von fünf Kilogramm sicherstellen.

Einwandfreies Trinkwasserangebot gewährleisten

Für Schweinehalter soll künftig entsprechend den Regelungen in der Mastgeflügelproduktion ein Sachkundenachweis gefordert werden. Bei vermehrten Totgeburten oder Verlusten während der Aufzucht soll die Einholung einer tierärztlichen Beratungsleistung verpflichtend werden. Schließlich sollen die Halter für ein einwandfreies Trinkwasserangebot sorgen müssen.
 
Zu diesem Zweck sollen die Wasserleitungen jährlich gereinigt werden müssen. Bei Wasser, das nicht aus dem Versorgungsnetz eines öffentlich-rechtlichen Wasserversorgungsunternehmens stammt, soll alle drei Jahre eine Wasseranalyse vorgenommen werden müssen.

Mängel im System der konventionellen Tierhaltung

Die leistungsmäßige Überforderung von landwirtschaftlichen Nutztieren stelle ein wichtiges strukturelles Problem in der Landwirtschaft dar, so Remmel. Sichtbar werde dies unter anderem an aggressiven Verhaltensweisen der Tiere wie Kannibalismus, die man bislang durch zootechnische Eingriffe wie zum Beispiel Kürzen von Schwänzen oder Zähnen bei Schweinen zu beherrschen versuche. Das Amputieren verdecke jedoch nur die Mängel im System der konventionellen Tierhaltung, erklärte der Grünen-Politiker.

Studie zum "Schwänzekürzen beim Schwein"

Remmel verwies auf die Ergebnisse einer von seinem Haus in Auftrag gegebenen Studie zum "Schwänzekürzen beim Schwein". Diese Studie zeige, dass ein Entzündungsgeschehen im Schwanzgewebe vorliege, dessen Ursachen vor allem in Managementfehlern beim Füttern und Tränken lägen. Durch die Entzündungen an den Schwänzen komme es zur Juckreizbildung und so zu gegenseitigem Beknabbern und Beißen.
Den Schweinen mangele es an einer ausreichenden Versorgung mit Strukturfutter. In Verbindung mit einem zu frühen Absetzen vom Muttertier, den genetisch fixierten sehr hohen Tageszunahmen und Fehlern im Tränkemanagement komme es dann bereits bei Ferkeln zu krankhaften Veränderungen im Magen-/Darmbereich, auch als mangelnde "Darmstabilität" bekannt. Die Folgen begännen bereits in der frühen Aufzuchtphase und reichten bis in den Mastbereich.

Keine Überforderung

Der agrarpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Friedrich Ostendorff sieht in den von Nordrhein-Westfalen geforderten Änderungen "einen Schritt hin zu mehr Tierschutz im Schweinestall". Die Maßnahmen stellten für die Tierhalter keine Überforderung dar. Die Mehrkosten bedeuteten für Verbraucher an der Ladentheke nur wenige Cent Unterschied und könnten damit auch voll weitergegeben werden.
Dem Grünen-Politiker zufolge haben die Tierhalter ohnehin Änderungen erwartet. Neu gebaute Tierhaltungsanlagen hätten den höheren Platzbedarf bereits einkalkuliert. Die Forderungen kämen den Wünschen der Verbraucher entgegen, "die überwiegend keine quälerische Tierhaltung wollen".
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