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Schweinefütterung

Automatische Sauenfütterung: Tierwohl dank Technik

Abrufstation-Wartestall
am Donnerstag, 10.01.2019 - 09:55 (Jetzt kommentieren)

Optimal versorgte Sauen, mehr Tierwohl und Arbeitserleichterung für den Landwirt – das schließt sich im Sauenstall nicht mehr aus. Automatische Fütterungssysteme in Kombination mit ausgefeilten Analyseprogrammen helfen dabei.

Einen Knopf im Ohr haben – für viele ist das ein Synonym für Kuscheltiere einer bestimmten Marke. Schweinehalter verbinden damit eine ausgefeilte Datentechnik im Schweinestall. Elektronische Ohrmarken – die kleinen Knöpfe in den Ohren – sind aus dem Tiermanagement kaum noch wegzudenken. Sie ermöglichen das individuelle Markieren der Tiere, sodass alle Daten online gespeichert werden können. In der Sauenhaltung können auf diese
Weise nicht nur die Leistungs- und Zyklusparameter erfasst werden, sondern auch Informationen zur Fütterung und Kondition der Sauen. Letzteres ist besonders wichtig, um die Tiere während der Trächtigkeit und Säugezeit optimal zu versorgen. Das steigert auch das Tierwohl.

Abrufstationen im Wartestall: Flexibel Füttern

Bei automatischen Fütterungssystemen ermöglichen die Transponder das Füttern anhand von tierindividuellen Daten. Oftmals sind diese Parameter in einem Onlinespeicher hinterlegt.Für eine möglichst angepasste Fütterung der Sauen können unter anderem das Gewicht, die hinterlegte Kondition der Tiere oder verschiedene Leistungsparameter wie die Wurf- und Aufzuchtleistung genutzt werden.

Im Wartebereich können die Sauen so optimal auf die bevorstehende Geburt vorbereitet werden, wobei sowohl das Verfetten als auch das Abnehmen der Tiere verhindert werden muss. Mithilfe von Abrufstationen werden die Sauen flexibel und bedarfsgerecht versorgt. Die meisten Stationen sind zudem in der Lage, sowohl trockenes als auch flüssiges Futter zu dosieren.

Ein Sensor in der Station erkennt das Tier anhand der Ohrmarke. So wird auch ermittelt, wie viel das Tier bereicht gefressen hat und ob sie Anspruch auf Futter hat. Ist das der Fall, wird der Trog entsperrt und es wird die entsprechende Menge Futter ausdosiert. Hat die Sau dagegen ihre Tagesration bereits erreicht, bleibt der Trog versperrt. 

Management im Wartebereich optimieren

Neben der individuellen Fütterung bieten Abrufstationen im Wartestall noch weitere Vorteile – zum Beispiel zur Selektion, sodass Sauen aus unterschiedlichen Produktionszyklen in einer Großgruppe gehalten werden können. In diesem Fall erkennen die Stationen Tiere, die kurz vor dem Abferkeln stehen, anhand der Ohrmarke und separieren sie nach einem Fressgang.

Zusätzlich können in den Abrufstationen weitere Managementhilfen ergänzt werden. Eine automatische Rauscheerkennung beispielsweise erkennt umrauschende Sauen und selektiert diese aus. Und auch in den Stationen integrierte Trächtigkeitskontrollen sind auf dem Markt erhältlich.

Um das Gewicht der tragenden Sauen möglichst genau zu überwachen, bieten einige Systeme angeschlossene, automatische Waagen an. Hier werden die Sauen nach einem Fressgang durch einen Korridor geleitet und gewogen. Anhand des Transponders im Ohr wird das Gewicht im Onlinespeicher hinterlegt. Mittlerweile können einige Systeme den Gewichtsverlauf der Sauen überwachen und den Landwirt alarmieren, wenn ein Tier stark von der optimalen Kondition abweicht.

Tierwohl und Arbeitsabläufe verbessern

Ziel der automatischen, individuellen Fütterung im Wartebereich ist, die Sauen in einer optimalen Kondition zum Abferkeln zu bringen. Diese optimale Versorgung erhöht nicht nur das Tierwohl, sondern verbessert auch die Wurfleistung. Die angepasste Fütterung während der Trächtigkeit wirkt sich auch auf die Entwicklung der Föten aus. Im Idealfall sind die Würfe gleichmäßiger und die Ferkel vitaler.

Das automatische Füttern der Sauen nimmt dem Landwirt viel Arbeit ab. Trotzdem bleibt eine sorgfältige Tierkontrolle die Grundlage dieser Systeme. Unterstützt wird der Landwirt jedoch von Daten, die das Befinden und den Zustand seiner Tiere umschreiben. Gewichte, Futtermengen und Leistungsdaten. Die Onlinesysteme der verschiedenen Hersteller bereiten diese Datenflut in übersichtlichen Grafiken für jedes Tier auf. Diese können auf jedem internetfähigen Gerät eingesehen werden. So können die Fütterungsdaten einer Sau während der Tierkontrolle auf dem Handy kontrolliert und angepasst werden.

Der kleine Knopf im Ohr der Sauen ist damit viel mehr als nur eine Ohrmarke. Der Transponder ermöglicht Landwirten vielfältige Managementfunktionen, die von der angepassten Fütterung bis zur Überwachung der Tiere reichen. Das erleichtert nicht nur die Arbeit, sondern verbessert am Ende auch die Leistungen der Sauen und erhöht das Tierwohl.

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