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Umfrage des Landesbauernverbands

Baden-Württemberg: 50 Prozent der Schweinehalter wollen aufgeben

Schwein Mastschwein
am Sonntag, 06.02.2022 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Laut einer Umfrage des Landesbauernverbands Baden-Württemberg wollen rund 50 Prozent der Schweinehaltung aussteigen.

Die prekäre Situation am Schweinemarkt setzt sich fort. Aufgrund der Coronakrise sind die Schweine- und Ferkelpreise auf einem historischen Tief und die Tierhalter schreiben tiefrote Zahlen. Der Landesbauernverband (LBV) Baden-Württemberg hat deshalb eine Umfrage unter Schweinehaltern durchgeführt. Das Ergebnis ist ernüchternd: Über 50 Prozent der Befragten planen einen partiellen oder kompletten Ausstieg aus der Schweinhaltung. Gründe dafür seien neben gesetzlichen Auflagen und Unwirtschaftlichkeit, mangelnde Perspektiven.

„In dieser Situation ist eine Weiterentwicklung der Betriebe unmöglich“, erklären die LBV-Vizepräsidenten Kaus Mugele und Hans-Benno Wichert. „Alle Marktbeteiligten und die Politik müssen jetzt endlich handeln, ansonsten ist Schweinefleisch aus Baden-Württemberg bald Geschichte.“ Schon heute sei der Selbstversorgungsgrad im Land nur noch bei rund 45 Prozent.

Schweinehaltung in Baden-Württemberg: Die Umfrage im Detail

In der LBV-Umfrage machen die 282 Teilnehmenden, knapp 15 Prozent der Schweinehalter im Land, ihrem Unmut Luft. An der Umfrage haben Tierhalter aus den Betriebszweigen Sauenhaltung und Ferkelerzeugung 23,3 Prozent, Ferkelaufzucht 13,4 Prozent, Schweinemast 37 Prozent und geschlossenem System 23,9 Prozent teilgenommen. Die Tiere werden in folgenden Haltungsformen gehalten: 1 (Stallhaltung), beispielsweise QS 55,4 Prozent, 2 (Stallhaltung Plus), beispielsweise Initiative Tierwohl 33,1 Prozent, 3 (Außenklima), beispielsweise Einstiegsstufe Tierschutzlabel 8,2 Prozent und 4 (Premium/Bio), beispielsweise Premiumstufe Tierschutzlabel 3,3 Prozent.

Schweinehalter in Baden-Württemberg enttäuscht von Politik und Handel

Die baden-württembergischen Schweinehalter sind laut Umfrage enttäuscht und ernüchtert von den leeren Versprechungen und Marketingaktionen des Lebensmitteleinzelhandels, die schlussendlich keinerlei Besserung, sondern nur noch mehr Druck auf die Erzeuger verursachen. Die Befragten haben dementsprechend jegliche Erwartung gegenüber dem Handel verloren.

„Fleischwirtschaft und die weiteren Glieder der Kette müssen jetzt auf Augenhöhe mit den Erzeugern neue integrierte Konzepte entwickeln“, erklärt Vizepräsident Mugele. Das Bekenntnis von Lebensmittelhändlern zu „5xD“ sei zwar das richtige Signal, aber: „Wir müssen unabhängiger von den Preisschwankungen der internationalen Märkte werden. Dazu müssen im Land die Regionalprogramme mit Abnahmegarantie ausgebaut werden, damit die Tierhalter mit stabilen Preisen rechnen können“, fordert Mugele.

Schweinehaltern in Deutschland fehlt die Perspektive: Sie planen den Ausstieg

Damit kommt die Umfrage des LBV zu einem ähnlichen Ergebnis wie die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN). Laut einer Umfrage der ISN im vergangenen Sommer will etwa die Hälfte der Schweinehalter in den nächsten zehn Jahren ihren Betrieb aufgeben. Bei den Landwirten mit Sauenhaltung wollen 60 Prozent aussteigen, bei denen mit Mast sind es 40 Prozent. Demgegenüber stehen nur 6 Prozent Sauenhalter und 8 Prozent Mäster, die sich vorstellen können, ihre Produktion auszuweiten.

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