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Studie

Betäubungslose Ferkelkastration: Folgen des Verbots

Ferkelbetäubung
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Katharina Krenn, agrarheute
am
02.12.2016

Ab dem 1. Januar 2019 ist die betäubungslose Ferkelkastration in Deutschland verboten. Experten haben jetzt ihre Einschätzung über die Folgen des Verbots für süddeutsche Betriebe gegeben.

Da Deutschland als eines der ersten bedeutenden Schweineerzeugungsländer eine gesetzliche Regelung für die Kastration männlicher Ferkel einführt, in anderen bedeutenden Schweine haltenden Ländern Europas hingegen eine derartige Verschärfung nicht umgesetzt wird, wird es durch die zusätzlichen Produktionskosten zwangsläufig zu Wettbewerbsverzerrungen kommen. Eine Expertengruppe unter Führung der LfL Bayern analysierte die weiteren Folgen für die Erzeuger im süddeutschen Raum.

In Abhängigkeit vom Alternativverfahren zur betäubungslosen chirurgischen Ferkelkastration fallen zusätzliche Produktionskosten an. Als Alternativen zur betäubungslosen chirurgischen Kastration stehen aktuell drei Verfahren zur Verfügung:

  • Jungebermast,
  • Jungebermast mit Impfung gegen Ebergeruch (Immunokastration) und
  • die chirurgische Kastration unter Inhalations- oder Injektionsnarkose.

Kastration unter Betäubung

Die chirurgische Kastration unter Betäubung ist durch die derzeit faktische Notwendigkeit der Anwesenheit eines Tierarztes und die zusätzlichen Gerätekosten bei der Inhalationsnarkose mit erheblichen Zusatzkosten insbesondere für Zuchtsauenhalter mit Beständen bis 250 Zuchtsauen belastet.

Folglich werden insbesondere kleine und mittlere Ferkelerzeuger bis 250 Zuchtsauen verstärkt den Betriebszweig aufgeben, heißt es von Seiten der Experten.

Jungebermast mit geringem Anteil

In Süddeutschland wird aufgrund der speziellen Vermarktungswege kurz- bis mittelfristig der Anteil an Eberfleisch im Schweinefleischmarkt kaum über 10 bis 20 % hinausgehen. Dies bedeutet, dass spätestens ab dem 1. Januar 2019 rund 60 bis 80 % der männlichen Ferkel in Süddeutschland mit strukturbedingten Zusatzkosten von rund 13 Mio. Euro pro Jahr unter Betäubung kastriert werden müssen.

Diese Wettbewerbsbelastung werden die Ferkelerzeuger nicht aus eigener Kraft ausgleichen können.

Keine Akzeptanz von Immunokastration

Da die Akzeptanz von Fleisch von mit Improvac geimpften Ebern in Süddeutschland derzeit bis auf wenige Ausnahmen gegen Null geht, wird diese Alternative nach aktueller Einschätzung nur in einem geringen Umfang zur Anwendung kommen können.

Enormer Kommunikationsaufwand

Ungeachtet dessen, welche der Alternativmethoden von den einzelnen Betrieben umgesetzt werden, sei laut Experten die Herausforderung nur in Zusammenarbeit der gesamten Wertschöpfungskette zu lösen. In diesem Zusammenhang werde der Kommunikationsaufwand zwischen Schlachtbetrieb, Mastbetrieb und Ferkelerzeuger enorm zunehmen und an Bedeutung gewinnen.

Es sei bislang nicht eindeutig absehbar, dass alle Vertreter des LEH alle drei Alternativmethoden akzeptieren werden. Dementsprechend müsse die Bindung zwischen Schlachtbetrieb, Mastbetrieb und Ferkelerzeuger noch enger werden

Betriebsaufgaben zu erwarten

Diese Situation belastet auch die Schweinefleischerzeugung in bestehenden Regionalprogrammen, welche auf die Geburt der Ferkel in den jeweiligen süddeutschen Regionen/Bundesländern setzen. Umfragen bei den süddeutschen Ferkelvermarktern und Schlachtunternehmen haben die bisherigen Einschätzungen erhärtet, dass durch das Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration ein erheblicher Strukturbruch bei der süddeutschen Ferkelerzeugung zu erwarten ist.

Für den Fall, dass ausländische Anbieter weiterhin keine Kastration unter Betäubung durchführen müssen, entstehen ausländischen Anbietern Wettbewerbsvorteile. Somit würden Ferkel, Mastschweine oder Schweinefleisch verstärkt eingeführt, was dazu führt, dass bis zu 35 % der bayerischen und bis zu 26 % der baden-württembergischen Ferkelerzeugung früher oder später aufgeben würden.

Hintergrund der Studie

Im Rahmen einer Folgenabschätzung untersuchten die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, die Landesanstalt für Schweinezucht in Boxberg sowie die Landesanstalt für Entwicklung der Landwirtschaft und der ländlichen Räume (LEL) in Schwäbisch Gmünd die Auswirkungen des Verbots der betäubungslosen Ferkelkastration auf die Wettbewerbsfähigkeit der Schweinefleischerzeugung in Süddeutschland und auf die Strukturen in der Ferkelerzeugung.

Mit Material von LfL
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