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Ökologische Schweinehaltung

Bioschweine: Vermarktung ist wichtig

Mastschweine in Offenstall mit Stroh
am Mittwoch, 05.12.2018 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Ständig weiter wachsen zu müssen, war nicht das Ding von Eberhard Räder. Jetzt mästet er 900 Schweine nach Naturland-Richtlinien und ist zufrieden. Den Umstieg auf die ökologische Schweinehaltung hat er nicht bereut.

Als Eberhard Räder aus Bastheim in Bayern vor 30 Jahren den konventionellen Zuchtsauenbetrieb mit 30 Mutterschweinen und 30 ha Nutzfläche von seinen Eltern übernahm, konnte der Landwirtschaftsmeister sich nicht vorstellen, dass er einmal rund 900 Biomastschweine halten würde. „Wir bauten zunächst einen neuen Sauen- stall und stockten die Herde auf 80 Tiere auf.“

Doch der Druck, ständig zu wachsen, um mit den sinkenden Preisen in der konventionellen Tierhaltung mithalten zu können, stieg. Deshalb erwog Eberhard Räder zusammen mit seiner Familie im Jahr 2000 die Umstellung auf Ökolandbau nach Naturland- Richtlinien.

Erfolg mit Bioschweinen

Im Jahr 2001 baute der Betrieb dafür einen neuen Mastschweinestall für 600 Tiere. Den konventionellen Sauenstall verpachtete Räder an einen Berufskollegen, bevor er ihn im Jahr 2005 zu einem Vormaststall für 300 Tiere umbaute.

Die Bioschweine wurden ein Erfolg. Doch zunächst mussten einige größere Hürden gemeistert werden, um wirtschaftlich erzeugen zu können. Die erste Hürde stellt der Bezug von frohwüchsigen Bioferkeln dar. Inzwischen kauft Eberhard Räder die Ferkel von einem Zuchtsauenhalter mit 400 Outdoorsauen aus Norddeutschland. In Bayern gibt es leider keine ökologischen Ferkelerzeuger mit entsprechenden Bestandsgrößen.

Sicher und gut Verkaufen

Die Mastdauer beträgt im Schnitt 125 Tage und endet bei einem Lebendgewicht von rund 130 kg. „Die meisten Tiere vermarkten wir über die Naturland-Marktgesellschaft. Für fünf Jahre ist ein Preis von 3,7 bis 3,8 Euro/kg Schlachtgewicht festgeschrieben“, sagt Räder. „Ich bin froh, nicht wie meine konventionellen Berufskollegen am Schweinezyklus teilnehmen zu müssen.“

Die Fütterung erfolgt dreiphasig ad libitum über Breiautomaten. „Ich lege viel Wert auf eine hohe Futterhygiene und ein ausgewogenes Aminosäurenverhältnis. Das ist eine weitere Herausforderung im Biobereich, da keine synthetischen Aminosäuren ergänzt werden dürfen“, erklärt der Mäster. Die Kosten für sein Futter liegen bei 40 Euro/dt.

„Wir erreichen im Schnitt 800 g Tageszunahmen bei einer Verlustrate von 1 bis 2 Prozent und einer Futterverwertung von 1:3. Damit bin ich durchaus zufrieden“, sagt Eberhard Räder. Den Vergleich zu seinen konventionellen Kollegen scheut er jedenfalls nicht.

Ökologische wirtschaften bedeutet viel Arbeit

Aber der Schweinehalter gibt auch zu, dass die Arbeitsbelastung deutlich höher ist. Das stimmt ihn nachdenklich. Pro erzeugtem Mastschwein benötigt er etwa eine Arbeitskraftstunde (Akh). 

Der Markt für Bioschweinefleisch ist mit nur 1 Prozent sehr klein und deshalb sehr empfindlich. „Allerdings haben wir seit Jahren kontinuierliche Wachstumsraten. Das stimmt vorsichtig optimistisch“, sagt der Biomäster.

Er engagiert sich sowohl im Bayerischen Bauerverband (BBV) als auch im Präsidium von Naturland für die Interessen der Ökolandwirte. „Es würde mich freuen, wenn der Verbraucher lieber etwas weniger Fleisch isst, aber dafür mehr auf die Herkunft achtet.“

Ein Einstieg in die Ferkelerzeugung kommt derzeit für Räder aus arbeitswirt­schaftlichen Gründen nicht infrage, obwohl das geschlossene System natürlich viele Vorteile (kurze Wege, Gesundheitsstatus) bieten würde. Wenn eines seiner Kinder in Zukunft in den Betrieb einsteigen würde, könnte er sich vorstellen, die Mastschweinehaltung zugunsten der Ferkelerzeugung zu reduzieren. „Den Umstieg auf ökologische Schweinemast habe ich bis jetzt noch nicht bereut. Ich hätte nur schon viel früher umstellen sollen“, sagt Eberhard Räder zum Schluss

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Eure schönsten Schweineselfies

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