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Biosicherheit auf schweinehaltenden Betrieben

Biosicherheit: Den Betrieb schützen

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am Mittwoch, 15.04.2020 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Biosicherheit im Stall gehört zum Alltag, aber auch schon vor dem Stall sollten einige Punkte beachtet werden, um den Schweinebestand optimal zu schützen.

Wie hält man ungebetene Gäste draußen? Nicht die Tür öffnen – ganz einfach. Zugegeben, für zweibeinige Besucher ist das eine unfreundliche Methode. Für ungesehene Eindringlinge ist dies allerdings unerlässlich. Der Weg, über den Viren, Bakterien und andere Krankheitserreger in einen Stall gelangen, lässt sich oft nur schwer nachvollziehen, wenn es erst einmal zu spät ist. Doch ist es notwendig, diese ungebetenen Besucher draußen zu halten.
Im Stall gehört eine konsequente Hygiene zur betrieblichen Routine. Sie ist mit der Schweinehaltungshygieneverordnung gesetzlich vorgeschrieben. Viele Gefahren lauern jedoch bereits vorm Stall. Die derzeit wohl größte Bedrohung ist das Virus der Afrikanischen Schweinepest (ASP). Um die Schweine vor diesem Erreger zu schützen, muss die Biosicherheit auf den gesamten Betrieb ausgeweitet werden.
Die größte Gefahr für die Gesundheit der Schweine sind in diesem Fall nicht andere infizierte Schweine, sondern der Mensch. Da das ASP-Virus in der Umwelt sehr beständig ist, kann es leicht an der Kleidung oder auch an Fahrzeugen anhaften.

Grenzen setzen

Um einen Schweinebestand bestmöglich vor dem ASP-Virus, aber auch anderen Krankheitserregern, zu schützen, endet die Biosicherheit also nicht an den Stallmauern, sondern wird auf dem gesamten Betriebsgelände umgesetzt. Schon an der Betriebseinfahrt sollte klar erkenntlich sein, dass auf dem Betrieb ein wertvoller Tierbestand gehalten wird.
Gerade auf Höfen, die Altgebäude für die Schweinehaltung nutzen und die Tierhaltung nicht auf einen anderen Standort ausgelagert haben, ist das Markieren der Betriebsgrenze wichtig. Hierfür eignet sich ein Hofschild mit Betriebs- und Familiennamen, das deutlich macht, wer auf dem Hof zu finden ist.
Auf dem Hofgelände sollte eine Art Sammelplatz eingerichtet werden, wo Besucher in Empfang genommen werden können. So lässt es sich vermeiden, dass fremde Personen auf der Suche nach einem Ansprechpartner allein über das Betriebsgelände irren. Zudem ist es sinnvoll, den Personenverkehr rund um den Stall und im Stall auf ein notwendiges Minimum zu beschränken.

Schwarz-Weiß-Denken

Ähnlich wie im Stall sollte auch das Betriebsgelände nach dem Schwarz-weiß-Prinzip aufgebaut sein. Die reinen oder weißen Berei he umfassen die Ställe und die Futterlagerung. Im unreinen, schwarzen Bereich sind Gülle oder Mist sowie die Kadaverlagerung untergebracht. Im Idealfall kreuzen sich die Wege im alltäglichen Betriebsablauf zwischen dem schwarzen und dem weißen Bereich nicht. Die Kadaverlagerung sollte möglichst an der Betriebsgrenze auf festem Grund platziert werden, sodass der Lkw der Tierkörperbeseitigung das Gelände nicht befahren muss.
Viehtransporter, Futtermittellieferanten und auch der Tierarzt müssen allerdings auf den Betrieb fahren. Von ihnen geht bekanntlich ein besonderes Risiko aus, denn sie befahren mehrere Betriebe in kürzester Zeit. Daher sollte bei diesen Personen und Fahrzeugen wachsam gehandelt werden.
Beim Verladen von Schweinen vom oder auf den Transporter sollte die Verladerampe in einen weißen Bereich am Stall und einen schwarzen Abschnitt in Richtung des Transporters unterteilt werden. Der Fahrer betritt beim Treiben der Schweine den weißen Bereich nicht und das Stallpersonal nicht den schwarzen. So können hier Übertragungswege unterbrochen werden.

Sauber halten

Neben dem Trennen von reinen und unreinen Bereichen auf dem Betrieb ist auch außerhalb des Stalls eine regelmäßige Reinigung und Desinfektion wichtig. Beispielsweise sollte die Verladerampe – ähnlich wie die Buchten – regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden. Gleiches gilt auch für Fahrzeuge, die zwischen verschiedenen Betrieben pendeln. Hierfür steht auf dem Markt ein Desinfektionstor zur Verfügung, das an der Hofeinfahrt platziert werden kann. Es ist in der Lage, Fahrzeuge mit einem ausreichenden Mittelaufwand in kurzer Zeit zu desinfizieren.
Bei der Wahl der Mittel sollte darauf geachtet werden, dass sie auch gegen Viren wirksam und von der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG) gelistet sind. Trotz all dieser Maßnahmen lässt sich ein Betrieb nicht 100-prozentig schützen.

Fazit

Jede Lösung in Bezug auf die Biosicherheit muss betriebsindividuell entschieden werden. Beim Ausarbeiten eines speziellen Biosicherheitsplans für einen Betrieb stehen viele Veterinärämter und die Berater der Schweinegesundheitsdienste unterstützend zur Seite.

Ein Berater kann mit einem Blick von Außen auch dabei helfen, eventuelle Infektionsbrücken zu erkennen. Sie können anschließend mit individuellen Maßnahmen beseitigt werden. Sorgfältiges Arbeiten auf dem Hof und ein wachsames Auge schützen den Schweinebestand dann schon vor dem Betreten des Stalls bestmöglich. 

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