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Blackout im Stall: Frühzeitig vorsorgen

Notstromaggregat
am Samstag, 05.11.2022 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Was passiert, wenn der Strom im Schweinestall ausfällt? Wie sie für einen Blackout vorsorgen, lesen Sie hier.

Unsere Strom- und Energieversorgungssysteme sind sensibel und angreifbar. Das haben Ereignisse wie die Flutkatastrophe im Ahrtal im Sommer 2021, der Krieg gegen die Ukraine in diesem Jahr und verschiedene Cyberattacken in den vergangenen Jahren überdeutlich gezeigt.

Eine langfristige, nicht durch Notstromaggregate auszugleichende Versorgungslücke ist real geworden – ein Szenario, das niemand erleben möchte. Tierhalter sollten daher ihren Betrieb systematisch betrachten, um möglichst alle technischen Anlagen, die von einem Blackout betroffen sein könnten, auszumachen.

Tierhalter sind auf Stromversorgung angewiesen

Die fortschreitende Technologisierung und Digitalisierung in Deutschland führen dazu, dass auch die nutztierhaltenden landwirtschaftlichen Betriebe zunehmend auf eine dauerhaft funktionierende Stromversorgung angewiesen sind. Dazu können selbst kleinere Störungen der Technik, zum Beispiel von Lüftungsanlagen, zu einer großen Gefahr für die Tiere werden.

Um diesem Risiko zu begegnen, schreibt die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung Vorkehrungen vor, die bei einem Ausfall der Stalltechnik für die Betriebssicherheit sorgen. Zudem müssen alle vorhandenen Beleuchtungs-, Lüftungs- und Versorgungseinrichtungen mindestens einmal täglich, Notstromaggregate und Alarmanlagen in technisch erforderlichen Abständen auf ihre Funktionsfähigkeit überprüft werden.

Notstromaggregat für Schweinehalter vorgeschrieben

Für schweinehaltende Betriebe, in deren Ställen eine ausreichende Versorgung der Tiere mit Futter und Wasser nicht sichergestellt werden kann, schreibt die QS Qualität und Sicherheit GmbH als Prüfsystem der gesamten Lebensmittelkette das Bereithalten eines Notstromaggregats vor. Dies gilt laut Verordnung vor allem für Haltungseinrichtungen mit Wassereigenversorgung.

Übersicht Notstromaggregate

In Ställen, in denen die Lüftung von einer elektrischen Anlage abhängig ist, muss eine Ersatzvorrichtung vorhanden sein, die den Luftaustausch bei einem Ausfall der Anlage gewährleistet. Ist ein Notstromaggregat erforderlich, müssen die technischen Gegebenheiten vorhanden sein, um ein Notstromaggregat anzuschließen.

Gefahr eines Blackouts ist real

Doch was passiert, wenn der Strom für mehrere Tage ausfällt und mit ihm alle kritischen Infrastrukturen? Was wäre, wenn der Stromausfall nicht örtlich begrenzt wäre, sondern sich flächendeckend über ein ganzes Bundesland oder sogar ganz Deutschland ausdehnen würde? Vor diesem Hintergrund sollten sich Landwirte fragen, wie gut ihre Betriebsstrukturen gesichert sind, um Nutztiere und Stallungen vor den Auswirkungen eines solchen großflächigen Ausfalls zu schützen.

Ein umfangreicher Ausfall der Stromversorgung wird als Blackout bezeichnet. Bei einem solchen Blackout fallen alle kritischen Infrastrukturen, unter anderem die Informationstechnik und Telekommunikation oder auch die Wasserversorgung aus. Dies hat zur Folge, dass die Auswirkungen weit über das Ende des Stromausfalls hinausgehen.

Es gibt eine Vielzahl von Faktoren, die die Versorgung mit Strom gefährden können. Aufgrund der gleichzeitig starken Vernetzung innerhalb des nationalen Stromsystems, aber auch mit dem der Nachbarländer, können Störungen im Stromnetz schnell weitreichende Folgen haben und unter Umständen auch zu einem europäischen Blackout führen.

Was zunächst nach einer Dystupie klingt, schätzen verschiedene Experten mittlerweile als realistische Bedrohung ein. Umso wichtiger ist es, sich als landwirtschaftlicher Betrieb auf diesen Ernstfall vorzubereiten, um den Betrieb weiterhin betreiben zu können und das Überleben möglichst vieler Tiere zu sichern.

Stromausfall im Stall: Kritische Prozesse ermittelt

Die Tierärztliche Hochschule (TiHo) Hannover hat sich in einer Forschungsarbeit mit einem fiktiven Szenario beschäftigt und die wichtigsten Prozesse für das Wohlergehen und das Überleben von Nutztieren in Stallungen im Falle eines Blackouts herausgearbeitet. Dabei wurde ein kompletter Ausfall der Stromversorgung von drei Tagen mit den daraus resultierenden Folgen für alle kritischen Infrastrukturen angenommen.

Es wurden die Tierarten Schwein, Legehennen und Masthähnchen sowie Milchvieh in konventioneller Haltung betrachtet. In der Schweinehaltung ergaben sich aus dem Szenario folgende betroffene Prozesse: Alarmanlagen, Personal, Lüftungsanlagen und Ventilatoren, Beleuchtung, Versorgung der Tiere mit Wasser und Futter, Heizung, Reinigung der Ställe, Datenmanagement, Kraftstoffversorgung, Ausstallen der Tiere zur Schlachtung sowie die tierärztliche Versorgung und das Entsorgen der Kadaver.

Um im Falle eines Stromausfalls möglichst schnell Maßnahmen einleiten zu können, muss er schnell erkannt werden. Oftmals ist das vorrangige Problem in vielen Havariefällen mit Tierverlusten, dass der Fehler im Stall nicht von der Alarmanlage erkannt und entsprechend übermittelt wird. Da ein Blackout einen großflächigen Stromausfall beschreibt, wird er laut der Wissenschaftler der TiHo tagsüber wahrscheinlich schnell erkannt.

Empfehlungen für Tierhalter

Aus dem fiktiven Szenario haben die Wissenschaftler der TiHo Handlunsgempfehlungen für tierhaltende Betriebe abgeleitet. Dazu zählten unter anderem auch für Betriebe mit einer Notlüftung oder freien Lüftung das Anschaffen eines Notstromaggregats.

Für den Einsatz auf einem landwirtschaftlichen Betrieb eignen sich zapfwellenbetriebene Notstromaggregate. Sie sind oftmals in der Anschaffung günstiger als ein Diesel- oder Benzinaggregat, da sie über den Schlepper angetrieben werden. Auch die Wartungskosten sind deutlich geringer, da außer einem regelmäßigen Ölwechsel und Probelauf beim Aggregat keine Wartungen anfallen.

Wie bei jedem Stromerzeuger ist es wichtig zu wissen, welche Verbraucher mit wie viel Leistung betrieben werden sollen. Dabei muss auch immer die Leistung des Schleppers beachtet werden. Je mehr Leistung das Aggregat haben soll, desto mehr PS muss der Traktor besitzen, um die Leistung auch ausschöpfen zu können. Bei Zapfwellengeneratoren wird zudem zwischen Schnellläufern (3.000 U/min) und Langsamläufern (1.500 U/min) unterschieden. Letztere sind teurer in der Anschaffung, besitzen aber auch eine längere Lebensdauer. In der Tabelle oben finden Sie Zapfwellengeneratoren, die sich für den Einsatz auf tierhaltenden Betrieben eignen.

Um für den Fall eines längeren Blackouts gerüstet zu sein, lohnt es sich, den Betrieb sorgfältig auf eine entsprechende Havariesicherheit abklopfen. 

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