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Schwein

Blutuntersuchung statt Anschnitte bei Vion in Zeven

von , am
02.03.2010

Zeven - Der Fleischkonzern Vion hat in seinem Schweineschlachtbetrieb im niedersächsischen Zeven mit dem Einverständnis der zuständigen Behörden die Fleischuntersuchung auf eine neue Grundlage gestellt.

© Digitalpress/fotolia

Dazu gehört laut Unternehmensangaben der Verzicht auf routinemäßige Anschnitte, die durch Blutuntersuchungen ersetzt werden. Aus den jeweils ersten drei Lieferungen würden je sechs, also insgesamt 18 Blutproben gezogen, erläuterte ein Unternehmenssprecher. Seit dem Jahr 2006 erlaube das EU-Recht die Einführung von Alternativen, wenn mindestens ein gleiches Niveau für die Lebensmittelsicherheit wie bei der sonst üblichen Untersuchung gewährleistet werde.

Das neue System beziehe vorab gewonnene umfassende Informationen zur Herden- und Einzeltiergesundheit mit ein und sichere die laufende Kommunikation zwischen Erzeugern, Schlachtbetrieben und Behörden. Mit in den neuen Ansatz einbezogen sind laut Vion-Angaben Landwirte aus dem Verbund der Vereine zur Förderung der bäuerlichen Veredelungswirtschaft (VzF), die Erzeugergemeinschaft Schleswig-Holstein, Veterinäre des Landkreises Rotenburg-Wümme sowie das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) ebenso wie Wissenschaftler der Tierärztlichen Hochschule Hannover.

Ehlen: Neuer Standard

Der Landkreis hatte nach zwei Jahren Entwicklung und Erprobung kürzlich grünes Licht für den Regelbetrieb des neuen Systems gegeben. Vorgestellt wurde es vergangene Woche gemeinsam mit Niedersachsens Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen. "Nach jahrelanger Diskussion zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Behörden wurde ein praktikables und zukunftsweisendes Konzept erarbeitet", stellte Ehlen fest. Es komme Verbrauchern, Landwirten und letztendlich den Tieren zugute.

Mit diesem System sei ein neuer Standard gesetzt worden, der auch in anderen Unternehmen als Grundlage für die Weiterentwicklung der Fleischuntersuchung dienen könne. Der Leiter der Vion-Qualitätssicherung in Deutschland, Dr. Gereon SchulzeAlthoff, unterstrich, mit dem Konzept hätten die am Pilotprojekt beteiligten Behörden und Wissenschaftler zusammen mit Vion die jahrzehntelange durchaus bewährte Fleischuntersuchung auf den Stand der Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts gebracht.

Vorteile für die Landwirte erhofft

Mit den kurz nach der Schlachtung gezogenen Blutproben werden Tests auf Antikörper von Salmonellen und die Erreger der Geflügeltuberkulose durchgeführt. Damit ist das bisher zur Erkennung der Geflügeltuberkulose durchgeführte Einschneiden der Kopflymphknoten am Schlachtband nicht mehr bei jedem Schlachttier erforderlich. Das System soll bei Bedarf auf die Untersuchungen weiterer Erreger ausgeweitet werden.

Für die Landwirte sollen die Blutproben zusätzliche Möglichkeiten der Gesunderhaltung ihrer Bestände eröffnen. Sie könnten die Blutproben auf relevante Erreger für Bestandserkrankungen wie beispielsweise auf das für den Seuchenhaften Spätabort der Schweine verantwortliche Virus (PRRS), untersuchen lassen und frühzeitig Maßnahmen einleiten, erläuterte Vion.

Angabe des Futtermittelherstellers notwendig

Als nächster Schritt soll das Blut für den Aufbau einer laut Vion für Deutschland einzigartigen Blutbank genutzt werden. Von jeder Probe soll Serum für mindestens drei Monate tiefgekühlt gelagert werden, womit sich neue Ansätze zur Bekämpfung von Tierseuchen wie Schweinepest ergeben sollen. In Krisenfällen stünden unmittelbar tausende Proben aus der Region für schnelle Analysen bereit, so Vion. Dies werde die Reaktionsfähigkeit zur Erkennung betroffener Betriebe, aber auch zu Entscheidungen über die Bekämpfungsstrategie massiv weiterbringen.

Zu den Vorgaben des neuen Systems gehört auch, dass der Futtermittelhersteller von jedem liefernden Landwirt angegeben werden muss. Dies erhöhe die Reaktionsfähigkeit im Krisenfall erheblich. Der weitaus größte Teil akuter Lebensmittelrisiken habe seinen Ursprung in der Verunreinigung von Futtermitteln, erläuterte Vion. Eine noch engmaschigere Überwachung soll es bei Antibiotikarückständen geben, und zwar durch eine "zielorientierte Untersuchung von Risikobetrieben" zur Ergänzung bereits etablierter behördlicher Vorgehensweisen. (AgE)

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