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Aus der Wirtschaft

Bonner Runde schlägt Schengen-Raum für Schweine vor

© Benshot/fotolia
von , am
05.12.2013

Bonn/Zoetemeer - Tiergesundheit bei grenzüberschreitenden Schweinetransporten war kürzlich in Bonn zentrales Thema eines deutsch-niederländischen Treffens von Experten des Schweinesektors.

© Mühlhausen/landpixel
Bereits zum siebten Mal hatte die Wirtschaftsgruppe Vieh und Fleisch (PVV) aus den Niederlanden zur sogenannten Bonner Runde eingeladen, die sich diesmal unter Leitung der Vorsitzenden der Forschungsplattform Grenzüberschreitende Integrierte Qualitätssicherung (GIQS), Prof. Brigitte Petersen, mit Veterinärfragen des kleinen Grenzverkehrs an der deutsch-holländischen beschäftigte. Dabei sprachen sich mehrere Teilnehmer für einen "Schengen-Raum für Schweine" aus.
 
Das würde bedeuten, dass in benachbarten Regionen, in denen vergleichbare Qualitätssicherungs-Systeme existierten und der Datenaustausch sowie die Kommunikation zwischen den Handelspartnern gut funktioniere, auf veterinärmedizinische Kontrollen bei Transporten über die Staatsgrenze verzichtet würde. Absolute Voraussetzung dafür sei ein Maximum an Hygiene in allen Stufen des Logistikprozesses.

Petersen wies in diesem Zusammenhang auf bereits umgesetzte Eigeninitiativen der Branche hin: Mittlerweile seien auf beiden Seiten der Grenze Tier-Datenbanken etabliert. Das Ergebnis seien detaillierte Zertifikate, die die gehandelten Tierpartien bei Transport und Auslieferung begleiteten, so dass durch diesen "Reisepass" auf weitere tierärztliche Kontrollen verzichtet werden könne.

Veterinäruntersuchungen verzichtbar

Der Vorsitzende des niederländischen Verbandes der Viehhändler (NBHV), Dr. Piet Thijsse, sprach sich ebenfalls für eine Art Schengen-Raum für Schweine aus. "In Deutschland können Schweine ohne Beschränkungen über weite Strecken transportiert werden. Bei einem vergleichsweise kurzen Transport von Holland nach Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen oder umgekehrt ist dagegen eine veterinärmedizinische Begutachtung erforderlich", monierte Thijsse. Besser wäre es, die Bestimmungen für Tiertransporte zwischen Holland, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen zu harmonisieren und zu vereinfachen, um dann auf unnötige tierärztliche Untersuchungen verzichten zu können.
Die Teilnehmer der Roundtable-Gespräche waren sich einig, dass eine prinzipielle Voraussetzung für eine Harmonisierung und Vereinfachung der Tiertransport-Bestimmungen ein Maximum an Hygiene sei. Die Gewährleistung der Sauberkeit in allen Stufen des Logistikprozesses und vor allem die gewissenhafte Reinigung und Desinfektion der Fahrzeuge nach dem Ausladen der Tiere sei dabei unerlässlich, stellte der Vorsitzender der holländischen Organisation für Viehtransporte (Saveetra), Geert Damen, fest.
 
In punkto Hygiene sollten effiziente Konzepte entwickelt werden, die unter Umständen auch über die gesetzlichen Anforderungen hinausgingen, damit Tierhalter und Transporteure bereits vorbeugend ein Höchstmaß an Tiergesundheit und Tierwohlsein gewährleisten könnten. Dies schlug die Geschäftsführerin der Tierseuchenkasse bei der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Dr. Annette vom Schloß, vor.

Reinigung und Desinfektion

Nach Meinung der Expertengruppe hat dabei die Reinigung und Desinfektion der Transportfahrzeuge nach dem Abladen der Tiere direkt am Betrieb oder - wenn das nicht möglich ist - in unmittelbarer Nähe eine besonders große Bedeutung. Der Vorsitzende der Fachgruppe Schwein im niederländischen Bauernverband (LTO), Mark Tijssen, wies darauf hin, dass im Qualitätssicherungs-System IKB das sofortige Reinigen und Desinfizieren der Transportfahrzeuge nach Abladen am Betrieb vorgeschrieben sei und er sich solch eine Praxis in naher Zukunft auch für Deutschland wünsche. Neben der Beachtung der hygienischen Standards sei auch die Einhaltung der Tierschutzvorschriften und das Tierwohl von großer Wichtigkeit, hoben die Teilnehmer der Bonner Runde hervor.
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