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Interview

Buchtenstruktur fürs Wohlbefinden: 3 Fragen an Nadja Böck

Liegeverhalten von Ferkeln im Flatdeck
am Mittwoch, 03.03.2021 - 07:55 (Jetzt kommentieren)

Die ersten Tage nach dem Absetzen im Flatdeck sind für die weitere Entwicklung der Ferkel entscheidend. Wir fragen Nadja Böck, welche Rolle die Buchtenstruktur spielt.

Die Aufzucht der Ferkel nach dem Absetzen ist eine sehr sensible Phase. Erfahrungsgemäß treten hier zum Beispiel vermehrt Verhaltensstörungen wie Schwanzbeißen auf. Denn die Tiere haben im Flatdeck schnell Stress: Sie sind von ihrer Mutter getrennt. Sie müssen sich mit neuen Haltungsbedingungen auseinandersetzen und aufgrund des Umstallens in andere Gruppen ihre Rangordnung neu auskämpfen.

Statt Muttermilch gibt es plötzlich ausschließlich Futter in flüssiger oder fester Form. Mitunter ist die Wasserversorgung anders als im Abferkelstall. Deshalb sollte es das Ziel sein, dass alle Tiere möglichst wenig Stress erleben.

Nadja Böck: Beraterin im Modell- und Demonstrationsvorhaben Tierschutz

Noch wichtiger wird dieser Aspekt bei der Haltung von Schweinen mit unkupierten Ringelschwanz. Schweinehalter sollten alles unternehmen, damit die Ferkel sich sehr schnell im neuen Stall zurechtfinden und wohlfühlen. Nadja Böck, Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen, ist Beraterin im Modell- und Demonstrationsvorhaben Tierschutz. Wir haben sie gefragt, warum die Buchtenstruktur so wichtig ist. 

Ein Faktor, damit die Aufzucht der Ferkel gelingt, ist die Buchtenstruktur?

Ja, sie ist ein wesentliches Element, um die Haltungsumwelt der Tiere zu gestalten. Alle Ferkel sollten die in der Bucht befindlichen Ressourcen wie Wasser und Futter jederzeit erreicht können.

Das oberste Ziel ist es, dass alle Schweine nahezu jederzeit ihre Bedürfnisse, eingeteilt in Funktionskreise, ungehindert ausleben können, sodass sie sich nicht erst groß miteinander auseinandersetzen müssen.

Hier muss jeder Schweinehalter kritisch in seinem Stallsystem hinterfragen, ob dies in der jeweiligen Haltungswelt möglich ist. Wenn nicht, kann er mit einer idealen Anordnung der Elemente eine für die Schweine sinnhafte Struktur schaffen.

Wie sollte sie aussehen?

Die Funktionskreise der Tiere bestimmen die Funktionsbereiche. Es gilt, die natürlichen Bedürfnisse der Schweine nach Ruheverhalten, Futter- und Wasseraufnahmeverhalten, Ausscheidungsverhalten, Sozialverhalten in der Gruppe und Aktivitätsverhalten in der Buchtenstruktur widerzuspiegeln und den Tieren zum Ausleben ihrer Bedürfnisse ausreichend Platz zu bieten.

Wie kann ich das erreichen?

Indem Sie die Aktivität der Ferkel steuern, zum Beispiel mit der Klimaführung. Grundsätzlich sollte Zugluft in der Bucht natürlich vermieden werden beziehungsweise müssen Ferkel die Chance haben ihr auszuweichen. Landwirte können sie aber gezielt einsetzen, um einen Kotbereich anzulegen.

Auch mit Licht lässt sich arbeiten. Künftig erlaubt die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung, den Liegebereich auf nur noch 40 Lux abzudunkeln, ein großes Plus für den Tierschutz. Schweine bevorzugen dunklere Bereiche zum Ruhen und Schlafen. In den hell beleuchteten Bereichen leben sie ihr Aktivitäts- und Kotverhalten aus. 

Der Kotbereich ist beispielsweise besonders wichtig. Wenn dieser für die Tiere klar definiert ist und sich auf eine begrenzte Fläche konzentriert, kann die restliche Bucht mühelos gestaltet werden.

Gute Beispiele von Umbauten haben wir im DLG-Merkblatt 458 zur Strukturierung von Buchten veröffentlicht. Ich empfehle auch die Internetseite der Modell- und Demonstrationsvorhaben Tierschutz (MuD Tierschutz). Dort haben wir unsere Erkenntnisse aus den teilnehmenden Praxisbetrieben zusammengetragen.

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