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Zucht

BUND greift Sauenhalter an

von , am
06.01.2014

Hamburg - In der Sauenhaltung würden systematisch Hormone verabreicht, um die Wirtschaftlichkeit von Betrieben zu erhöhen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die im Auftrag des BUND erstellt wurde.

Im Vergleich zum Vorjahr liegen die aktuellen Schweinepreise deutlich drunter. © Mühlhausen/landpixel
In der konventionellen Sauenhaltung in Deutschland werden systematisch Hormone verabreicht, um die Wirtschaftlichkeit von Betrieben zu erhöhen. Zu diesem Ergebnis kommt eine wissenschaftliche Studie, die dem NDR Fernsehen exklusiv vorliegt und die im Auftrag der Umweltschutzorganisation "Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland" (BUND) erstellt wurde. Der BUND kritisiert den Hormoneinsatz und warnt vor negativen Auswirkungen auf Tiere und Umwelt. Das Umweltbundesamt in Dessau schließt auf Anfrage "negative Folgen für die Umwelt" nicht aus.
 
Der Studie zufolge bekommen Sauen Hormone, damit Betriebe die Abläufe im Stall von der Besamung bis zur Geburt der Ferkel besser planen können. Mit Hilfe der Medikamente wird der Sexualzyklus der Tiere so gesteuert, dass die Sauen nahezu gleichzeitig trächtig werden und schließlich ihre Ferkel parallel zur Welt bringen. Auf diese Weise können Betriebe Arbeitskräfte und somit Kosten sparen. Ein weiteres Ziel sei es, die Leistung der Sauen zu verbessern. Durch die Hormone sollten die Sauen mehr Eizellen entwickeln, die befruchtet werden können, um somit mehr Ferkel zu gebären.

BUND fordert Verbot von Hormonen

Der BUND fordert ein Verbot von Hormonen, die zu nicht-medizinischen Zwecken eingesetzt werden. Es gehe nicht darum, kranke Tiere zu behandeln, sondern nur darum, einen "Industrialisierungsprozess in der Tierhaltung mit Hormonen zu schmieren", sagte die Landwirtschaftsexpertin des BUND, Reinhild Benning, gegenüber dem NDR Fernsehen. Die Gesundheit der Sauen würde durch die hohe Ferkelzahl belastet.
 
Außerdem befürchtet der BUND, dass die verabreichten Hormone über die Ausscheidungen der Tiere in die Umwelt gelangten und so Böden und Gewässer belasteten. Auf Anfrage des NDR Fernsehen schließt das Umweltbundesamt in Dessau negative Konsequenzen nicht aus und erklärt: "Zu einem bekannten Steroidhormon, welches den in der Tierhaltung eingesetzten Hormonen sehr ähnlich ist, gibt es verschiedene Studien, die drastische Effekte in Fischen und Fröschen belegen". Stoffe, die eine hormonelle Wirkung hätten, seien "explizit als einer der Gründe für den dramatischen weltweiten Rückgang der Amphibien" erwähnt, so das Umweltbundesamt.

26 hormonhaltige Präperate zugelassen

Die stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Schweine der Bundestierärztekammer, Inge Böhne, erklärte im NDR Fernsehen, dass zumindest eines der eingesetzten Hormone zu einem Bruchteil in die Umwelt gelange, und zwar der synthetische Stoff Altrenogest. Wenn das Umweltbundesamt hier Probleme sehe, dann sei das Amt gefordert, "schleunigst Maßnahmen" zu ergreifen, so Böhne. Das Wohl der Sauen sieht die Tierärztin durch den Einsatz von Sexualhormonen nicht beeinträchtigt.
 
In Deutschland sind 26 hormonhaltige Präparate für die Anwendung in der Sauenhaltung zugelassen, schreibt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Berlin auf Nachfrage des NDR Fernsehens. Diese Arzneimittel müssen immer von einem Tierarzt verordnet werden, doch der Einsatzgrund muss nicht zwingend eine Erkrankung sein. Es sei richtig, dass Hormonpräparate "hauptsächlich zur Brunstsynchronisation oder Geburtseinleitung" eingesetzt würden, so die deutsche Zulassungsbehörde für Tierarzneimittel. Ein Medikament werde nur zugelassen, wenn die "Nutzen-Risiko-Abwägung" positiv ausfalle, erklärte die Behörde, demzufolge werde der bestimmungsgemäße Einsatz der Präparate als "unbedenklich" angesehen.

Mengen würden bei Bundesländern erfasst

Im Rahmen der Zulassung von Tierarzneimitteln zur Brunst- oder Geburtssynchronisation bei Sauen seien der Behörde auch "keine negativen Folgen für die Umwelt bekannt geworden", so das BVL. Allerdings sei die Mehrzahl dieser Tierarzneimittel zu einem Zeitpunkt zugelassen worden, zu dem eine Umweltrisikobewertung nach heutigem wissenschaftlichen Standard noch nicht erforderlich beziehungsweise möglich gewesen sei. Die Behörde schreibt weiter, zur Art und Anzahl der Betriebe, in denen die Präparate zum Einsatz kämen, lägen dem BVL keine Angaben vor. Auch wie viele der Hormone bundesweit in der Sauenhaltung eingesetzt würden ist dem BVL nicht bekannt. Die Mengen würden jeweils bei den Bundesländern erfasst.
 
Die Studie "Zum Einsatz von Hormonen in der intensiven Schweinehaltung" hat der Agrarwirt Bernhard Hörning, Professor an der Fachhochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde, im Auftrag des BUND erstellt. Hörning kommt zu dem Schluss, dass die Hormongabe eine weitere "Intensivierung der konventionellen Sauenhaltung" fördere. Die Umweltschutzorganisation wird die Studie am Dienstag, 7. Januar, offiziell in Berlin vorstellen.

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