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Aus der Wirtschaft

China: Importbedarf nimmt weiter zu

© landpixel
von , am
01.10.2012

Hohe Futterkosten und ein niedriger Schweinepreis lassen in China den Bestand sinken. Der Import von Schweinefleisch nimmt weiter zu. Davon profitiert auch Deutschland.

Die Sauenpreis-Notierung der VEZG wird zukünftig ab Hof ausgewiesen. © Mühlhausen/landpixel
Chinas Schweinebestand geht in diesem Jahr zurück und wird auch im nächsten Jahr weiter abnehmen. Verantwortlich sind unter anderem die sehr hohen Futterkosten. Hinzu kommen aber auch die im Jahresverlauf deutlich zurückgegangenen Schweinepreise und damit der wachsende Druck in der Schweinehaltung. In der Folge nahm der chinesische Import von Schweinefleisch weiter zu und erreicht in diesem und wohl auch im nächsten Jahr einen neuen Rekord. Davon profitieren vor allem auch die Europäer.

Kostendruck und Bestandabbau

Chinas Schweinebestand wird nach einer aktuellen Schätzung des USDA-Büros in Peking in diesem Jahr um rund fünf Millionen Tiere auf 473 Millionen Tonnen (Mio. t) zurückgehen. Und auch für 2013 sehen die US-Analysten einen weiteren kräftigen Rückgang um fast sieben Millionen Tiere auf 467 Mio. Schweine.
 
Ein Grund für diesen Bestandabbau sind die sowohl am Weltmarkt als auch in China stark gestiegenen Futterkosten. Trotz der (offiziell) rekordhohen Maisernte im letzten und auch in diesem Jahr (September/Oktober), war das verfügbare Angebot zur Jahresmitte sehr begrenzt. Dazu hat auch das ausgedehnte Hochwasser in wichtigen Produktionsgebieten im Juli und August beigetragen, das zumindest die Futterversorgung erschwert hat und oftmals auch zu einem früheren Schlachttermin führte.
 

Chinesisches Fleisch zu teuer

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Die chinesische Produktion nimmt wegen der Bestandsreduzierung in diesem Jahr mit vier Prozent etwas stärker zu als zunächst erwartet (auf 51,4 Mio. t). Fast um die gleiche Größenordnung wächst jedoch auch der Verbrauch (auf 52 Mio. t). Damit könnten die Importe mit knapp 0,8 Mio. t in diesem Jahr und 0,84 Mio. t im nächsten Jahr neue Rekordmarken erreichen. Dabei wird der Import nicht nur vom chinesischen Inlandsbedarf angekurbelt sondern auch von den großen Preisunterschieden zwischen Weltmarkt und chinesischen Binnenmarkt.
 
Nach den Daten des USDA lagen die Importpreise - trotz eines kräftigen Anstieges im ersten Halbjahr - noch immer fast 50 Prozent (%) unter den Preisen am chinesischen Binnenmarkt. Damit war auch der Anreiz für chinesische Fleischverarbeiter groß, Importware anstelle heimischer Ware einzukaufen.

Wichtiger Exportmarkt für Europa

Für die Europäer ist China in diesem Jahr der zweitwichtigste Exportmarkt nach Russland und noch vor Honkong, Japan und Südkorea. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres hat die Ausfuhr nach China um 70 % auf 300.000 t zugenommen. Dagegen waren die Exporte nach Russland, Honkong und Südkorea durchweg rückläufig. Entsprechend haben vor allem die europäischen Exporteure mit guten Absatzmöglichkeiten nach China, kräftige Zuwächse bei ihren Schweinefleischausfuhren zu verzeichnen (unter anderem Deutschland), während die Ausfuhrmengen der übrigen EU-Länder eher abnahmen.
 

Verbrauchswachstum schwächt sich ab

Allerdings könnten die Erwartungen an die chinesischen Importe auch zu optimistisch sein. Dabei versuchen staatliche Stellen durch zahlreiche Maßnahmen den Markt zu stabilisieren und in eine neue Wachstumsphase überzuleiten. Dazu zählen neben der Förderung der industriellen Produktion auch Investitionen in Tiergesundheit, Verbrauchervertrauen sowie Kühl- und Logistikstrukturen. Anderseits könnte der Konsum vor dem Hintergrund des sich deutlich abschwächenden Wirtschaftswachstums auch stärker zurückgehen als erwartet.
 
Die Experten des USDA in Peking rechnen jedenfalls mit einer Halbierung des Verbrauchswachstums von knapp vier Prozent in diesem Jahr auf etwa zwei Prozent im nächsten Jahr.
 
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