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Aus der Wirtschaft

China: Preisrallye bei Schweinefleisch verliert vorerst an Fahrt

von , am
27.07.2011

Peking - Der Anstieg der chinesischen Schweinefleischpreise hat an Fahrt verloren, nachdem die Regierung gefrorenes Fleisch aus staatlichen Reserven auf den Markt gegeben hat.

Brasiliens Schweinefleisch-Erzeuger haben Grund zur Freude. © Hildebrandt/fotolia.de
Trotzdem steht die Preisentwicklung weiter unter Beobachtung, da Schweinefleisch in China einer der größten Inflationstreiber ist. Wie aus Berechnungen des Handelsministeriums in Peking hervorgeht, sind die Preise in der vergangenen Woche lediglich um 0,2 Prozent gestiegen. Die Freigabe von Schweinefleisch aus Regierungsbeständen sei wahrscheinlich die kurzfristig effektivste Methode, um die Preise abzukühlen, sagte Analyst Ken Shen.
 
Jedoch sind weniger Spekulation und das Horten von Vorräten für die jüngsten Preisanstiege verantwortlich, betont Branchenexperte Jing Jizhong. Er sieht die Ursache in den unzureichenden chinesischen Schweinebeständen. Zudem habe die Regierung derzeit lediglich 200.000 Tonnen gefrorenes Fleisch eingelagert, was nur 0,4% des jährlichen Verbrauchs von 50 Millionen Tonnen entspreche. Dennoch sei es unwahrscheinlich, dass China sich verstärkt auf Importe verlassen wird, um die Angebotslücke zu schließen, da auch die Versorgung am Weltmarkt knapp sei.

Preise dürften relativ hoch bleiben

Die chinesischen Schweinebestände zählten nach Angaben des Agrarministeriums im Juni 456 Millionen Tiere. Damit fiel die Herdenvergrößerung seit vier Monaten nur sehr marginal aus. Auch wenn der Anstieg der Schweinepreise im August gebremst werden dürfte, da dann üblicherweise die Tierproduktion zunimmt, schätzt Wang Zhicai, Leiter des Bereichs Tierzucht im Agrarministerium, dass die Preise relativ hoch bleiben werden. Er führt dies auf die gestiegenen Mastkosten zurück.
 
Eine nachhaltige Preisstabilisierung sei nur durch eine Konsolidierung des heimischen Schweinemarktes möglich, sagte Zhou Wangjun, stellvertretender Leiter der Abteilung Preisregulierung bei der staatlichen Entwicklungs- und Planungsbehörde NDRC. Rund zwei Drittel der chinesischen Schweinebetriebe seien sogenannte "Hinterhof-Farmen", deren geringe Produktion für den Markt unerheblich sei. "Würde dagegen jeder Betrieb 500 oder mehr Schweine im Jahr erzeugen und Lieferverträge mit dem Handel und Schlachthäusern eingehen, die Mengen und Preise regulieren, dann würden sich sowohl der Markt als auch die Preise stabilisieren", erläuterte er. Während im Zeitraum September bis Januar mit festen Notierungen zu rechnen sei, könnten sie danach sinken, wenn die Viehproduzenten weiterhin im aktuell hohen Umfang Ferkel aufstallen.
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