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Circovirus: Ferkel zum richtigen Zeitpunkt impfen

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am Dienstag, 08.06.2021 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

In einem Mastbetrieb traten nach dem Einstallen der Ferkel vermehrt Kümmerer auf und die Verluste stiegen. Ursache war eine Circovirus-Infektion, obwohl die Ferkel im Herkunftsbetrieb gegen das Circovirus geimpft wurden.

Die Probleme begannen im Herbst 2020 und es dauerte einige Zeit, bis die Wurzel des Übels gefasst war. Davon betroffen war ein Aufzucht- und Mastbetrieb mit 220 Flatdeck- und 1.100 Mastplätzen. Der Mäster bezieht die Ferkel seit etwa vier Jahren ausschließlich aus einem Erzeugerbetrieb. Es werden sowohl Läufer mit einem Gewicht von rund 30 kg als auch Babyferkel eingestallt.

Der Gesundheitszustand des Bestands war bis dahin stabil. Die Ferkel waren gegen das Circovirus (PCV2) und Mykoplasmen geimpft. Die Verluste im Flatdeck lagen mit rund 1,5 Prozent im grünen Bereich.

Circovirus: Kümmern und Aufzuchtverluste von 4 Prozent

Was war geschehen? Im Oktober traten die ersten Symptome auf, die sich zunächst schwer einordnen ließen. Betroffen war erstmalig eine Gruppe von Babyferkeln. Die Verluste stiegen hier auf 4 Prozent; ebenso viele Tiere kümmerten und brauchten für ihre Entwicklung deutlich länger. Im November und Dezember wurden bereits etwa 10 Prozent der Tiere klinisch auffällig.

Als Ursache des Krankheitsgeschehens konnte nach umfangreicher Diagnostik das Circovirus entlarvt werden. Sehr auffällig waren die hohen Viruskonzentrationen, die auf ein akutes Infektionsgeschehen hindeuteten. Dieses Ergebnis verwunderte insofern, da die Ferkel im Herkunftsbetrieb bereits gegen das Circovirus geimpft wurden.

Circovirus: Maternale Antikörper „neutralisierten" Ferkelimpfung

Somit stellte sich die Frage, warum die Ferkel trotz Impfung erkrankten. Die Nachfrage im Erzeugerbetrieb ergab, dass die Sauen hier vor der Geburt wiederholt gegen das Circovirus geimpft werden, die Ferkel dann im Alter von drei Wochen, etwa drei Tage vor dem Ausstallen. Damit sollten die Ferkel eigentlich ausreichend geschützt sein – eigentlich ....

In diesem Fall lag das Problem aber darin, dass durch die Impfung der Sauen vor der Geburt die maternalen Antikörper gegen das Circovirus sehr hoch waren und damit die Impfung der Ferkel „neutralisierten“. Die Ferkel hätten somit erst später gegen das Circovirus geimpft werden dürfen.

Circovirus: Späteres Impfen der Ferkel hat sich ausgezahlt

Welche Konsequenzen ergaben sich daraus für den Betrieb? Grundsätzliche Lösung des Problems ist in solchen Fällen eine spätere Impfung der Ferkel gegen das Circovirus, also frühestens im Alter von vier oder fünf Wochen. Im beschriebenen Betrieb wurden die Ferkel eine Woche nach dem Einstallen nachgeimpft. Diese Maßnahme führte schnell zum Erfolg. Die Tiere haben sich wieder so wie früher gewohnt entwickelt. Es gab keine Circovirus-bedingten Krankheitssymptome mehr.

Wichtig: Die Ferkel sollten so lange wiederholt nach dem Einstallen geimpft werden, bis sie nicht mehr von Sauen stammen, die vor der Geburt gegen das Circovirus geimpft wurden. Erst dann ist gewährleistet, dass eine Impfung in der dritten Lebenswoche nicht mehr durch maternale Antikörper gestört wird.

Mit Material von Franz-Josef Koch, Tierarzt aus Gießen

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