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10 Tipps

Cool bleiben: Hitzestress bei Sauen vorbeugen

on_Sauendusche
am Montag, 25.07.2022 - 10:34

Eine verringerte Futteraufnahmen, Frühaborte und Umrauschen sind die Folgen von Hitzestress bei Sauen. Unsere zehn Tipps helfen dabei, dieses Sommerloch besser zu überstehen.

Tipp 1: Bei Hitzestress für Abkühlung sorgen

Ab einer Außentemperatur von 15 °C wird es auch im Stall merklich wärmer. Klettern die Temperaturen im Stall über 18 bis 20 °C, mindert das das Wohlbefinden und die Leistung der Tiere. In der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung ist daher die Kühlung von Schweineställen vorgeschrieben.

Bei Neubauten sollten bereits in der Planung Erdwärmetauscher bedacht werden. Sie können sowohl niedrige als auch hohe Außentemperaturen abpuffern. Zudem kann das Verdunsten von Wasser mittels Cool-Pads oder Sprühkühlungen im Stall für Erleichterung sorgen. Kurze Sprühintervalle verhindern, dass die Luftfeuchtigkeit im Stall zu sehr ansteigt und damit die Belastung für die Tiere zunimmt.

Tipp 2: Bei Hitze Fenster abdunkeln

Bei starker Sommerhitze sollte der Stall zwar tagsüber gekühlt werden. Nachts jedoch muss die Zuluft zurückgeregelt werden, um Zugluft zu vermeiden. Zusätzlich können Sie Fenster mit Jalousien, wärmereflektierenden Platten oder Blaufolie verdunkeln, um die Tiere vor direkter Sonneneinstrahlung zu schützen. Ziel der Stallkühlung ist es, der thermoneutralen Zone der Tiere so nahe wie möglich zu kommen. Dieses Temperaturoptimum beträgt bei Sauen etwa 18 °C.

Tipp 3: Management bei Sommerhitze anpassen

Sommerhitze führt in der Zucht häufig zu einer geringeren Reproduktionsleistung. Besonders betroffen sind Sauen kurz vor dem Absetzen und dem Besamen sowie in der ersten Zeit der Trächtigkeit. Um vermehrte Frühaborte oder Umrauscher im Sommer zu vermeiden, sollten Sie das Management an die Jahreszeit anpassen. Besamungstermine sollten beispielsweise an besonders heißen Tagen in die kühleren Abendstunden verlegt werden.

Tipp 4: Rausche früher kontrollieren

Die Sommerhitze sorgt bei den Sauen auch dafür, dass Rauschesymptome nur sehr schwach gezeigt werden oder sogar ganz ausbleiben. Damit trotzdem möglichst alle brünstigen Sauen sicher erkannt werden, sollten Sie die nachmittägliche Brunstkontrolle zeitlich vorverlegen. Um auf einen veränderten Brunstverlauf mit einem angepassten Besamungstermin zu reagieren, müssen die Ergebnisse der Brunstkontrollen dokumentiert werden.

Tipp 5: Hitze umgehen, lieber am Abend besamen

Die Besamung selbst sollten Sie an heißen Tagen in die kühleren Abendstunden verlegen. Um ein ideales Ergebnis zu erzielen müssen trotzdem 16 bis 18 Stunden zwischen den einzelnen Besamungszeitpunkten liegen.

Da auch Besamungseber unter Hitzestress leiden, kann die Lebensfähigkeit des Spermas schneller als üblich abnehmen. Daher sollte die maximale Lagerdauer von 72 Stunden bei 15 bis 17 °C nicht überschritten werden.

Tipp 6: Fütterung an die heißen Temperaturen anpassen

Hitze führt bei Schweinen nicht nur zu Stress, sondern auch zu Fressunlust. Damit sie trotzdem im Sommer möglichst viel Futter aufnehmen, sollte ihnen schmackhaftes Futter angeboten werden. Darüber hinaus können Sie den Stoffwechsel der Tiere durch zweimaliges Füttern in den kühleren Morgenstunden und einer weiteren Futtergabe am Abend entlasten.

Tipp 7: Stoffwechsel bei Hitze entlasten

Neben der Schmackhaftigkeit des Futters sind auch die Inhaltsstoffe entscheidend. Reduzierte Rohproteingehalte oder ein Phytasezusatz entlasten den Stoffwechsel. Bei warmem Wetter fressen die Tiere zudem weniger und saufen mehr, um die körpereigene Wärmeproduktion zu vermindern. Daher muss ihnen immer ausreichend Wasser in Trinkwasserqualität zur Verfügung stehen.

Tipp 8: Auf Futterhygiene achten

An warmen Tagen wird zudem die Haut der Tiere stärker durchblutet, um Abkühlung zu schaffen. Gleichzeitig wird die innere Blutzirkulation, zum Beispiel im Darm, vermindert. Geringere Darmbewegungen sorgen bei den Tieren für Stoffwechselstörungen wie Verstopfungen.

Dadurch gelangen vermehrt Giftstoffe aus dem Darm ins Blut und die Immunabwehr der Tiere wird beeinträchtigt. Daher muss im Sommer stets auf eine optimale Trog- und Futterhygiene geachtet werden. Verdorbene Futterreste im Trog bieten Keimen einen guten Nährboden und belasten den Organismus der Sauen zusätzlich.

Tipp 9: Brunst stimulieren

Von den im Sommer und Frühherbst auftretenden Fruchtbarkeitsproblemen sind vor allem Sauen nach der Aufzucht ihres ersten Wurfs betroffen. Das zeigen verschiedene Ergebnisse aus Praxisversuchen. Es kommt vermehrt zu unproduktiven Leertagen und damit zu Kosten. Zudem werden die Arbeitsabläufe im Stall gestört. Hier gilt es besonders achtsam zu sein und möglicherweise die Brunst zu stimulieren.

Tipp 10: Fettdepots auffüllen

Bei Hitze verlieren die Sauen während der Säugezeit häufig mehr Gewicht als üblich. Aufgrund der Wärme fressen sie weniger und nehmen damit weniger Energie für die Milchbildung auf. So müssen für die Milchleistung verstärkt Körperreserven angegriffen werden.

Um den in der Säugezeit erlittenen Substanzverlust auszugleichen, sollten Sie die Tiere nach dem Absetzen spezifisch nach ihrer Kondition füttern. So können die verlorenen Fettdepots zum Schutz des neuen Produktionszyklus erneut aufgebaut werden.