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+++ Update 23. Juni +++ Corona-Pandemie

Corona: Shutdown bei Tönnies - das kommt auf die Landwirte zu

Das Schlachtunternehmen Tönnies stoppt aufgrund massenhafter Corona-Infektionen die Produktion in Rheda-Wiedenbrück.
am Dienstag, 23.06.2020 - 15:10 (3 Kommentare)

Nach dem Corona-Shutdown beim Schlachtunternehmen Tönnies in Rheda-Wiedenbrück wächst die Sorge der Schweinehalter. Was passiert mit dem deutschen Schweinemarkt?

1.553 Mitarbeiter haben sich bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück mit dem Coronavirus infiziert. Die Produktion steht still – wahrscheinlich für mindestens zwei Wochen. Wie stark sind die Auswirkungen auf die Schweinehalter und den deutschen Schweinemarkt?

In den sozialen Medien haben sich Landwirte gemeldet, deren Lieferungen gestoppt oder verschoben wurden. Die Sorge, die eigenen Schweine nicht vermarkten zu können, wächst.

+++ Update 23. Juni +++ Die Volksrepublik China hat auf den schweren Ausbruch in Rheda-Wiedenbrück reagiert und die Einfuhr von Schweinefleisch aus dem Tönnies-Stammwerk gestoppt.

Entwarnung gab es bei Westfleisch un der Erzeugergemeinschaft Osnabrück (EGO). Dort fielen alle Tests negativ aus. Laut Vion könne man die Kapazitäten von Tönnies nur schwer auffangen. Die Produktion der anderen großen Schlachtunternehmen sei schon stark ausgelastet und die Corona-Einschränkungen machen es schwer möglich, die Kapazitäten zu erhöhen.

Lesen Sie auch unser Top-Thema: Tönnies, Vion, Westfleisch: Corona setzt Schlachtbranche unter Druck

+++Update 23. Juni+++ Tönnies will Werkverträge abschaffen

Tönnies hat inzwischen angekündigt, Taten folgen zu lassen. Dies sind die konkreten Beschlüsse:

  • Abschaffung von Werkverträgen in allen Kernbereichen der Fleischgewinnung – Direkteinstellung dieser Mitarbeiter in die Tönnies Unternehmensgruppe
  • Zügige Schaffung von ausreichend und angemessenem Wohnraum für die Beschäftigten der Unternehmensgruppe an den Standorten
  • Flächendeckende digitale Zeiterfassung an allen deutschen Standorten der Unternehmensgruppe
  • Integrationsprogramme zur Stärkung der gesellschaftlichen Akzeptanz an den Standorten
  • Aus- und Fortbildungsprogramme mit Schwerpunkt für übernommener Mitarbeiter
  • Die genannten Regelungen werden ab sofort angegangen und sollen möglichst ab dem 1. Januar 2021 gelten.

Shutdown: Kein großer Rückstau zu erwarten

Der Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands (WLV), Hubertus Beringmeier, meldete sich in den sozialen Medien, zu Wort. Er stehe im engen Kontakt mit Clemens Tönnies. Demnach sei kein großer Rückstau zu erwarten, die Schweine würden auf andere Betriebe umgeleitet.  

So äußerte sich auch Dr. André Vielstädte, Leiter der Unternehmenskommunikation bei Tönnies, auf der gemeinsamen Pressekonferenz gestern mit dem Kreis Gütersloh. Zudem würde bereits in den anderen Tönnies-Standorten geprüft, inwieweit die Produktion hochgefahren werden kann, und andere Schlachtunternehmen würden aushelfen.

Hubertus Beringmeier appelliert deshalb dringend an seine Berufskollegen, keine Panikverkäufe zu tätigen, damit die Schlachtpreise möglichst stabil bleiben. Der WLV werde alles tun, was möglich ist, um Tönnies zu unterstützen.

+++Update+++Dr. Albert Hortmann-Scholten, Marktexperte der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen, sieht das ähnlich. Er sagte gegenüber der Land und Forst, dass es in den vergangenen Tagen eine Entspannung der Angebotssituation gegeben habe. Deshalb seien kaum Überhänge vorhanden. Rund 20.000 Schweine wurden zuletzt pro Tag in Rheda-Wiedenbrück geschlachtet. Angedacht sei, diese jetzt vor allem durch die Tönnies-Standorte in Sögel (Landkreis Emsland) und Weißenfeld (Sachsen-Anhalt) aufzufangen. Für Sögel sei laut Hortmann-Scholten bereits ein Antrag auf Kapazitätserhöhung gestellt worden.

Der Marktexperte – ebenso wie die ISN - rät Schweinemästern dringend, jetzt nicht in den angespannten Markt zusätzlich panikartig Schweine zu verkaufen. Ein wünschenswertes Signal in diese Richtung könnte sein, dass die Maskengrenzen nach oben geöffnet würden und Mäster auch schwerere Schweine ohne Einbußen abliefern könnten.

Auch der Deutsche Bauernverband (DBV) warnt, den Corona-bedingten Anlieferungsstopp bei Tönnies nicht für eine Senkung der Schlachtschweinepreise zu missbrauchen. In einer Videokonferenz appellierte der Generalsekretär des DBV, Bernhard Krüsken, an die Fairness der Schlachtunternehmen.

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