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Dänemark: Schweinemast in der Krise

von , am
21.01.2013

Kopenhagen - In Dänemark kommt es zu wirtschaftlichen Verwerfungen am Schweinemarkt. Eine Studie des dänischen Landwirtschaftsministeriums nennt nun die Ursachen dafür.

© Massonforstock/fotolia
Eine Kreditklemme am dänischen Markt, die hohe Nachfrage deutscher Abnehmer und schlechte Förderbedingungen für Biogas machen die Schweinemast in Dänemark immer unattraktiver. Das sind die wichtigsten Schlussfolgerungen einer Untersuchung, die das dänische Landwirtschaftsministerium angesichts zunehmender wirtschaftlicher Verwerfungen am eigenen Schweinemarkt und stetig wachsender Ferkelexporte in Auftrag gegeben hat.


Wettbewerbsfähigkeit der Schweinemäster verbessern

Wie das Kopenhagener Agrarressort vergangene Woche mit Blick auf die Studie mitteilte, sind die dänischen Schweineproduzenten europaweit führend bei der Aufzucht von Ferkeln. Die Haltung von Mastschweinen leide jedoch unter einer ganzen Reihe von Wettbewerbsnachteilen, was in den vergangenen Jahren zu einem enormen Anstieg der Ferkelausfuhren, insbesondere nach Deutschland, geführt habe. "Nachdem die Probleme am Schweinemarkt nun identifiziert sind, müssen wir uns auf die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit unserer Schweinemäster konzentrieren", stellte die dänische Landwirtschaftsministerin Mette Gjerskow bei der Vorstellung des Untersuchungsberichts fest.
Sie lade die Branchenvertreter ein, gemeinsam mit der Regierung nach Lösungen zu suchen, wie die Wertschöpfung künftig wieder stärker im In-land konzentriert werden könne. Die dänische Branchenorgani- sation Landbrug & Fødevarer (L&F) begrüßte den Vorschlag der Ministerin und präsentierte gleich einen ganzen Katalog an Verbesserungsvorschlägen.

Arbeitsplätze gefährdet

Dem Bericht zufolge hat sich die dänische Ferkelerzeugung zwischen 2005 und 2012 mehr als verdreifacht und lag zuletzt bei 9,3 Millionen Tieren, bei einer gesamten Schweineproduktion von knapp 30 Millionen Tieren. Negative Folgen der steigenden Ex- porte von Jungtieren seien der Abfluss von Wertschöpfung und die Gefährdung dänischer Arbeitsplätze in der Mast und im Schlachtgewerbe. Gjerskow räumte insbesondere bei der Förderung von Biogasanlagen noch Nachbesserungsbedarf ein. Auf lange Sicht setzt die Ministerin jedoch auf neue innovative Verfahren und Haltungssysteme, mit denen "die ökologischen Herausforderungen der Zukunft bewältigt werden können".

Genehmigungsverfahren zu kompliziert

"Zehn Millionen dänische Schweine werden in diesem Jahr voraussichtlich in Deutschland ausgemästet und später in deutschen Schlachthöfen verwertet", monierte der Direktor des L&F- Schweineforschungszentrums, Nicolaj Nørgaard. Komme es seitens der Regierung nicht zu einer Korrektur der Entwicklung, werde dies deutliche Folgen für dänische Arbeitnehmer haben. Nørgaard zufolge muss die Politik zügig für eine Angleichung der Wettbewerbsbedingungen sorgen. Dazu schlägt er eine gründliche Überarbeitung der öffentlichen Regulierung von Energie-, Stick- stoff-, Abwasser- und Transportkosten vor.
 
Von Vorteil wäre auch, wenn die Prüfung und Genehmigung von Stallbauten zügiger als bisher erfolgten. Bereits im Dezember habe L&F zudem mehrere Vorschläge zu rechtlichen Vereinfachungen und administrativen Entlastungen gemacht. "Die Frage ist ganz einfach: Will die Politik Arbeitsplätze im Inland erhalten oder weiter bei der Abwande- rung zusehen", so der Branchenfachmann.
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