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Dänische Regierung pumpt 20 Mio. Euro in Schweinesektor

von , am
08.04.2013

Kopenhagen - Um die derzeitige Kreditklemme in der nationalen Schweinehaltung aufzubrechen, haben dänische Regierung und Parlament ein Investitionspaket im Umfang von 150 Mio. dkr (20,12 Mio. Euro) auf den Weg gebracht.

In Dänemark wurden in 2011 über 20 Millionen Schweine geschlachtet. © Mühlhausen/landpixel
Wie das Kopenhagener Landwirtschaftsministerium vergangene Woche mitteilte, sollen mit den Geldern insbesondere umwelt- und tierschutzgerechte Stallbauten gefördert werden. Gleichzeitig ist ein Teil der Fördersumme für Projekte zum Tierschutz, Forschungsvorhaben und Weiterbildung in der Schweinehaltung bestimmt. Die Regierung erwartet, dass durch die Startfinanzierung im Rahmen des Kreditpaktes Investitionen von bis zu 1,5 Mrd. dkr (201 Mio. Euro) angeschoben und 2.000 Arbeitsplätze geschaffen werden können. "Das Investitionspaket wird sich sowohl in ökonomischer Hinsicht als auch beim Tier- und Umweltschutz positiv auswirken", erklärte die dänische Landwirtschaftsministerin Mette Gjerskow.
 
Wichtig sei aber auch, den schrumpfenden Schweinesektor wieder nach vorne zu bringen. Derzeit würden so wenig Schweine geschlachtet wie zuletzt 1992; seit 2010 sei die Zahl der Schlachtungen um fast elf Prozent geschrumpft. Dies liege nicht zuletzt an der prekären Situation bei der Kreditvergabe und der entsprechenden geringen Liquidität der Schweineproduzenten.

Erhoffte Steigerung des Exportgeschäftes

Eine der größten Herausforderungen bestehe daher darin, den Schweinemästern wieder eine wirtschaftliche Perspektive zu geben und die Schlachtzahlen im Land zu steigern. "Das sind die richtigen Maßnahmen, um sowohl Arbeitsplätze als auch eine ausreichende Rohstoffbasis für unsere Schlachtbranche zu schaffen", lobte der Vorsitzende des dänischen Schweineforschungszentrums, Lindhart Nielsen. Sollten die geplanten Maßnahmen voll umgesetzt werden, könne dies über die bessere Wertschöpfung auch zu deutlich steigenden Einnahmen im Exportgeschäft führen, da dann ausgemästete Tiere statt Ferkel verkauft würden. Nielsen hält so zusätzliche Branchenerlöse von bis zu 2,5 Mrd. dkr (335 Mio. Euro) für möglich.

Güllebehälter in Dänemark quellen über

Unterdessen hat der Präsident vom Verband der dänischen Schweineproduzenten, Henrik Mortensen, angesichts randvoller Güllelager, die Regierung in Kopenhagen um Ausnahmegenehmigungen für das Ausbringen von Gülle auf noch gefrorenen Böden gebeten. Wie Mortensen vergangene Woche im Newsletter des Verbandes erklärte, müssen die Schweinehalter in den nächsten Tagen mit der Ausbringung der Gülle beginnen, da die Lagermöglichkeiten auf vielen Betrieben aufgrund der ungewöhnlich langen Wintersaison restlos ausgeschöpft sind. Mortensen warf den Ämtern und Behörden in zahlreichen Landesteilen Unflexibilität und fehlendes Verständnis für den unverschuldeten Notstand der Tierhalter vor.
Die dänische Regierung müsse aber nun pragmatisch reagieren und vom grundsätzlichen Verbot der Gülleausbringung auf gefrorenen Böden absehen. Geschehe dies nicht, bestehe die Gefahr, dass Flüssigmist aus den überfüllten Behältern austrete und so ungewollte Kontaminationen entstünden, warnte der Verbandsvorsitzende. Die Gülle werde damit so oder so ihren Weg in die Umwelt finden.

Umweltministerin besteht auf Verbot

Bei der dänischen Umweltministerin Ida Auken stieß Mortensens Appell auf wenig Verständnis. Sie lehnt eine Sonderregelung vor Mitte April ab und betonte nochmals das Verbot der Gülleausbringung auf gefrorenen Böden. Die Schweinehalter und insbesondere ihr Verband seien an die Einhaltung der Gesetze gebunden. Zudem sei das Problem nicht so drängend, wie dies von Mortensen dargestellt werde, so Auken. Dem Umweltministerium lägen bisher lediglich zehn Anträge auf eine Ausnahmegenehmigung vor. 
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