Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Schweinekrankheit

Dauerbrenner PRRS-Virus: Impfen weist Erreger in die Schranken

Tierarzt impft Sau gegen PRRS
am Mittwoch, 07.04.2021 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Das PRRS-Virus sorgt nach wie vor für Angst und Schrecken in vielen Schweinebeständen. Mit einer genauen Diagnostik und abgestimmten Impfkonzepten lässt sich das Virus aber beherrschen.

Seit der Entdeckung des PRRS-Virus im Jahr 1990 und den ersten großen „Seuchenzügen“ hat sich viel getan: Die Diagnostik wurde verbessert. Es wurden die verschiedenen Virusstämme charakterisiert sowie Impfstoffe und Sanierungsmöglichkeiten entwickelt.

Trotz alledem ist es nicht gelungen, das Virus und damit die Erkrankung PRRS (porzines reproduktives und respiratorisches Syndrom) aus den Schweinebeständen zu verdrängen.

Was macht das PRRS-Virus so gefährlich für Schweine?

Woran liegt es nun, dass PRRS heute immer noch so viele Probleme bereitet? Zum einen ist es der Fakt, dass das Virus über die Luft übertragen wird. Amerikanische Wissenschaftler konnten nachweisen, dass der Erreger bis zu 9 km entfernte Schweinebestände infizieren kann. Eine wichtige Rolle bei PRRS-Infektionen spielt der jeweilige Virusstamm, denn es gibt unterschiedliche Stämme mit unterschiedlichen Eigenschaften. Zudem hat das PRRS-Virus die Eigenschaften einer Quasispezies – kein Virus gleicht also dem anderen. Der Erreger verfügt über eine erhebliche genetische Variabilität und er erweist sich als „clever“, einer Immunabwehr zu entkommen.

Nach Infektion seiner Zielzellen, den Alveolarmakrophagen (Fresszellen des Immunsystems in den Lungenbläschen), haften die Proteine des PRRS-Virus nämlich nicht auf deren Oberfläche, sondern das Virus „versteckt“ sich quasi in der Zelle. Das erschwert eine Stimulation der Immunabwehr. Dies erklärt möglicherweise die bei manchen Tieren beobachtete Erregerpersistenz.

Da es sich bei der PRRS-Infektion also um ein durchaus kompliziertes Geschehen handelt, ist auch die Diagnostik beim Schwein nicht gerade einfach. Vorab: Es ist wichtig, bei Fruchtbarkeits- und Atemwegsproblemen im Bestand nicht nur nach PRRS zu suchen. Zum einen können Erkrankungen wie Influenza ähnliche Symptome zeigen. Zum anderen können neben dem PRRS-Virus auch andere Erreger gleichzeitig im Betrieb auftreten, sich gegenseitig beeinflussen und so die Situation verkomplizieren.

Diese PRRS-Impfstoffe sind auf dem Markt verfügbar

PRRS-Impfung bietet den besten Schutz vor dem Virus

Ist die Situation im Bestand diagnostisch abgeklärt, ist gezielt gegen das PRRS-Virus vorzugehen. Den besten Schutz bietet nach wie vor die Impfung der Sauen und Ferkel gegen diesen Erreger. Typische PRRS-Impfkonzepte sind hierbei die „Block“-Impfung aller Sauen alle vier Monate, bei hohem Erregerdruck besser alle drei Monate oder das sogenannte 6-60-Konzept. Hier werden die Sauen am sechsten Tag nach der Geburt und am 60. Trächtigkeitstag geimpft. Ferkel werden typischerweise in der dritten Lebenswoche vakziniert. Ausnahme macht der Impfstoff „Suvaxyn“, der bereits ab der ersten Lebenswoche zugelassen ist. Die derzeit auf dem Markt verfügbaren PRRS-Impfstoffe sind in der angehängten PDF aufgeführt.

Zusätzlich ist der Bestand über Maßnahmen der externen und internen Biosecurity zu stabilisieren. Das ist besonders bei PRRS-instabilen Herden sehr wichtig. Hierbei hilfreich ist zum Beispiel der von der Universität Gent entwickelte Biosecuritycheck. Der Check ist kostenfrei auf der Internetseite www.biocheck.ugent.be durchzuführen. Häufige Probleme sind vor allem die Jungsaueneingliederung, der Pig-Flow und Eintragsquellen wie die Verladerampe.

Mit Material von Dr. Hendrik Nienhoff, Schweinegesundheitsdienst Niedersachsen

Digitale Ausgabe agrarheute

Dies war eine stark verkürzte Zusammenfassung des Originalbeitrags.
Lesen Sie jetzt den ausführlichen Fachartikel zum PRRS-Virus und testen Sie unverbindlich die digitale Ausgabe agrarheute.

Wenn Sie bereits ein digitales Abo haben, geht es hier entlang.

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...