Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Frei Schnauze

Dierauff zur Borchert-Kommission: Nicht fundamental ablehnen!

Autor und Kreisobmann Jürgen Dierauff im Schweinestall
am Montag, 14.06.2021 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Schweinemäster und Kreisobmann Jürgen Dierauff aus Mark Nordheim (Franken) berichtet in unserer monatlichen Kolumne "Frei Schnauze" über seine Sicht der Dinge. Dieses Mal: Landwirte sollten in Hinblick auf die Borchert-Kommission und Tierwohl-Anforderungen aktiv werden und den Umbau der Nutztierhaltung mitgestalten.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, aktuell ändert sich die Schweinehaltung sehr stark. Das sorgt für jede Menge Druck. Deshalb höre ich von meinen Berufskollegen viele kritische Stimmen zur Borchert-Kommission.

Aber wir dürfen die Borchert-Kommission nicht mit den gesetzlichen Vorgaben der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutzV) vermischen. Die gesetzlichen Verschärfungen kommen so oder so! Und wir Schweinehalter dürfen auf keinen Fall in eine fundamentale Ablehnung verfallen. Damit würden wir nur weitere Regelungen mit Ordnungsrecht durch die Politik provozieren.

Schweinehalter müssen Umbau aktiv mitgestalten

Viele Landwirte kritisieren an den Borchert-Plänen zu Recht eine weitere Abhängigkeit von staatlichen Transferzahlungen, aber ehrlich gesagt kennen wir das doch vom Erneuerbare-Energien-Gesetz. Für uns ist es in der gegenwärtigen agrarpolitischen Stimmungslage extrem wichtig, nicht nur zu sagen, was nicht geht, sondern zu sagen, unter welchen Voraussetzungen der Umbau der Schweinehaltung zu mehr Tierwohl gelingen kann. Die Erfahrungen mit der Initiative Tierwohl (ITW) sind hier ein positives Beispiel.

Statt auf stur zu schalten, sollten wir uns dafür einsetzen, dass der Staat die Finanzierung sicherstellt – und zwar für einen Zeitraum von 20 Jahren. Außerdem muss die Teilnahme zwingend freiwillig bleiben, analog zur ITW. Nicht jeder Betrieb hat die Möglichkeiten, einen Auslauf zu bauen.

Die sogenannte Tierwohlprämie darf nicht nur ein knapper Kostenersatz sein, sondern muss auch einen Unternehmergewinn zulassen. Nicht zuletzt muss das Genehmigungsrecht zwingend überarbeitet werden, damit Ausläufe überhaupt möglich sind. Ob die Politik noch vor der Bundestagswahl zum großen Wurf bereit ist, bleibt fraglich.

Praktikertipps: So beschäftigen Schweinehalter ihre Tiere

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...