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Schwein

Dioxin-Skandal sorgt für Preiseinbruch am Schweinemarkt

von , am
17.01.2011

Bonn - Wegen des Dioxin-Skandals kaufen die Deutschen nach Angaben der AMI weniger Schweinefleisch. Gleichzeitig haben die Exportländer China und Südkorea ihre Grenzen für deutsches Schweinefleisch geschlossen.

© Mühlhausen/landpixel

Wie die Agrarmarkt Informations-GmbH (AMI) berichtet, ist auch die Nachfrage aus anderen Ländern schwach. Die Auswirkungen des Dioxin-Skandals bekommen nun vor allem die deutschen Landwirte zu spüren. Am Freitag den 14. Januar 2011 brach der Vereinigungspreis der Erzeugergemeinschaften um 23 Cent ein.

Futterkosten stark gestiegen

Bereits zum Jahreswechsel hatten die Mäster einen Rückgang von 13 Cent zu verkraften. Für die Landwirtschaft bedeutet dies innerhalb weniger Wochen einen Erlösrückgang von mehr als 34 Euro je Schwein. Verschärft wird die Lage dadurch, dass in den vergangenen Wochen die Futterkosten stark gestiegen sind.

Massive Angebotsüberhänge

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Am Schweinemarkt ist in Folge des Dioxinskandals ein sehr großes Überangebot entstanden. Das Angebot übertrifft die bis dato schwache Nachfrage der Schlachtbetriebe bei weitem. Es gibt regional massive Überhänge. Da die Schweine stetig an Gewicht zunehmen, entsteht Handlungsdruck. Die Schweine müssen schnellstmöglich aus den Ställen und vermarktet werden. Der Bedarf der Schlachtbetriebe an Schweinen ist jedoch begrenzt, da sich die Fleischnachfrage deutlich eingetrübt hat.

Wieder mehr Schlachtungen

Der historische Preiseinbruch dürfte nach Aussage von Dr. Dietmar Weiß, Bereichsleiter Fleischwirtschaft der AMI, dazu führen, dass die Schweineschlachtungen nun wieder steigen und sich die Überhänge langsam abbauen. Auf Seiten der Landwirtschaft hofft man so reinen Tisch zu machen, damit sich in wenigen Wochen die Verhältnisse bei wieder anziehenden Preisen normalisieren. (AMI)

EU-Preisniveau um 1,7 Prozent gesunken

{BILD:140733:jpg}Das von der EU-Kommission ermittelte durchschnittliche Preisniveau je 100 Kilo Schlachtgewicht (SG) verringerte sich im Durchschnitt der Mitgliedstaaten in der Woche zum 9. Januar 2011 saisonal um 2,42 Euro oder 1,7 Prozent auf 137,41 Euro. Das Vorjahresniveau wurde damit allerdings noch um gut fünf Prozent überschritten. Am stärksten gaben die Notierungen in Belgien mit einem Minus von 7,4 Prozent nach.

Größte Aufschläge in Tschechien

Wenig besser erging es den Schweinemästern in Deutschland und Österreich bei Abschlägen von 4,9 Prozent beziehungsweise 6,8 Prozent. Ebenfalls um knapp fünf Prozent sanken die Preise in den Niederlanden. Aus einigen wichtigen Erzeugerstaaten wie Frankreich fehlte vergangene Woche die Preismeldung. Konstante Notierungen meldeten Spanien und Dänemark. Über leichte Aufschläge konnten sich die Schweinemäster in Großbritannien und Ungarn freuen. Spürbar bergauf ging es in Tschechien bei einem Preisanstieg von 1,4 Prozent.

DBV: Ernste Warnung an die Schlachtbranche

Der Deutsche Bauernverband (DBV) warnt die Schlachtbranche indes, den durch den Dioxinfall entstandenen Druck am Markt einseitig den unverschuldet in Schwierigkeiten geratenen Landwirten aufzubürden. Es komme jetzt darauf an, alle Möglichkeiten einer Marktbelebung im In- und vor allem Ausland auszuschöpfen, um rasch wieder zu halbwegs erträglichen Erzeugerpreisen zu kommen. Der DBV sei bereit, mit der Schlachtbranche alle Wege zu prüfen und zu gehen, die notwendig sind, um das Vertrauen der Verbraucher zurück zu gewinnen. Die Bundesregierung und die EU-Kommission werden aufgefordert, alles daran zu setzen, die Exportbeschränkungen beseitigen zu lassen. Die Tierhalter unternehmen mit der Schlachtbranche alles, um die eingetretene Verunsicherung durch höchste Kontroll- und Sicherheitsstandards abzubauen.  (AMI/AgE/pd)

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