Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Kastration Jungeber

Ebergeruch: Viele Länder impfen

Geimpfte Jungeber am Futtertrog in Australien
am Donnerstag, 14.03.2019 - 08:42

Die Impfung gegen Ebergeruch ist in Deutschland als eine Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration rechtlich zulässig. Doch die Vorbehalte sind groß. Zu Recht? Ein Blick in die Welt.

Verunsicherte Verbraucher, die Sorge vor Selbstinjektion und die Angst, das Fleisch der geimpften Jungeber nicht verkaufen zu können: Die Vorbehalte gegenüber der Impfung gegen Ebergeruch sind in Deutschland groß.

Dabei ist das Verfahren eine zugelassene Alternative zur betäubungslosen Kastration der männlichen Ferkel und darf vom Landwirt selbst angewandt werden. Für viele Experten, wie Prof. Dr. Josef Waldmann, Vorsitzender des Ausschusses Schwein der Bundestierärztekammer (BTK), ist es die tierschutzgerechteste und praxistauglichste Lösung. Und auch die Tierschutzorganisationen sprechen sich für diese Alternative aus.

Die Impfung wird in Deutschland – zu einem geringen Anteil – sowohl von konventionellen als auch von Biolandwirten angewandt. Fleisch von geimpften Jungebern befindet sich also bereits im Handel und wird tagtäglich verzehrt.

Impfung interessiert nicht

Was ist also dran an der Sorge, dass man die sogenannte Immunokastration dem Verbraucher nicht vermitteln kann? Einer Studie der QS (Qualität und Sicherheit GmbH), die das größte Skandalisierungspotenzial bei der Impfung gegen Ebergeruch sieht, stehen Dutzende andere gegenüber. In einer heißt es, wenn man dem Verbraucher im Gespräch alle Varianten inklusive der gängigen Vor- und Nachteile erläutere, sprächen sich die meisten für die Impfung aus.

Dr. Darryl D´Souza ist Geschäftsführer bei der SunPork Group, einer der größten integrierten Schweinefleischerzeuger in Australien. Er sagt: „Wen interessiert’s?“ Die meisten australischen Verbraucher würden nicht mal wissen, dass die männlichen Ferkel jemals kastriert wurden. Es gab keine öffentliche Diskussion hinsichtlich der Impfung gegen Ebergeruch.

Für sein Unternehmen war der Einstieg in diese Methode keine Frage des öffentlichen Drucks. Es war rein eine Frage der Wirtschaftlichkeit. Die Kosten der Impfung werden durch die bessere Leistung der männlichen Tiere mehr als wett gemacht.

Australien ist nicht Deutschland

Natürlich lassen sich die australischen Verhältnisse nicht eins zu eins auf Deutschland übertragen. So wurden die Schweine dort traditionell mit geringerem Gewicht geschlachtet. Schon seit den 1970er-Jahren fand mehr und mehr ein Wandel in Richtung Ebermast statt. Auslöser waren die wirtschaftlichen Vorteile, zum Beispiel die bessere Futterverwertung.

Die Impfung gegen Ebergeruch ist in Australien seit über 20 Jahren zugelassen, damit war Australien eines der ersten Länder, das diese Methode nutzte.

46 Länder lassen Impfung zu

Auch Brasilien mit seinen großen Integrationen nutzt die Impfung gegen Ebergeruch. 2016 impften die brasilianischen Schweinehalter rund 12,3 Mio. männliche Ferkel gegen Ebergeruch. Das sind rund 60 Prozent.

Weltweit gibt es inzwischen 64 Länder, in denen die Impfung der Eber gegen Geruch zugelassen ist. Monatlich werden laut des Impfstoffherstellers weltweit über 2,5 Mio. männliche Ferkel geimpft. Wie viele der männlichen Ferkel in einigen Ländern so behandelt werden, zeigt die folgende Auflistung:

  • Island: 100 Prozent,
  • Kolumbien: etwa 80 Prozent, vorwiegend kleine Betriebe,
  • Kanada: über 20 Prozent,
  • Belgien: über 15 Prozent, 30 Prozent Inlandsmarkt,
  • Thailand: etwa 15 Prozent,
  • Chile: über 10 Prozent, beispielsweise in einer der größten Integratoren,
  • Griechenland/Zypern: über 10 Prozent.

In folgenden Ländern wird ebenfalls kommerziell und zunehmend mit der Immuno­kastration gearbeitet: Russland, Spanien, Rumänien, USA (zum Beispiel Smithfield), Mexiko, Argentinien, Polen und Ukraine.

Gefahr Wettbewerbsverzerrung

Der Vorteil der meisten dieser Länder sind ihre Strukturen. Eine berechtigte Sorge der deutschen Ferkelerzeuger ist der Verlust der Wettbewerbsfähigkeit in Europa. So lange es im nahen Ausland chirurgisch kastrierte Ferkel zu kaufen gibt, werden die wenigsten Mäster freiwillig anfangen, Jungeber aufzustallen. Denn dann haben sie mehr Arbeit und die Sorge, keinen Vermarkter zu finden.

Auch der Vorteil der besseren Leistungen geht in Deutschland verloren, wenn die großen Schlachthöfe – wie bereits geschehen  – die Masken zuungunsten der geimpften und intakten Jungeber verändern.

Aber die teils langjährigen Erfahrungen der anderen Länder zeigen auch, dass die Sorgen in Deutschland, wie die Akzeptanz der Verbraucher, kaum bis kein Thema sind. Im Gegenteil, ein wichtiger Grund für die Methode ist oft der Tierschutz. 

Das agrarheute Magazin Die digitale Ausgabe Februar 2023
agrarheute digital iphone agrarheute digital macbook
agrarheute Magazin Cover