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Ebermast: Alternative zur Kastration?

© Mühlhausen/landpixel
von , am
12.06.2012

Laut der Tierschutzgesetzesnovelle soll 2017 das Verbot der Ferkelkastration ohne Betäubung in Kraft treten. Die Jungebermast wird zunehmend als Alternative diskutiert und untersucht.

Die Internetbörse der ISN wird von Mittwoch auf Montag verschoben. © Stefan Schwarz/pixelio.de
Die Ebermast ist in Deutschland kaum verbreitet. Im Hinblick auf die Gesetzesnovelle, haben Schlachtunternehmen wie Tönnies und Westfleisch vor kurzem eine Abnahmegarantie für Jungeber ohne preislichen Abzug zugesichert. Trotzdem stehen viele Landwirte der Ebermast aufgrund der Geruchsproblematik kritisch gegenüber. Ein Problem ist dabei auch das Problem der Geruchsbestimmung. Der Anteil nicht verkehrsfähiger Schlachtkörper beläuft sich laut Bayerischer Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) momentan auf drei bis fünfzehn Prozent.
 
Versuchsreihen sollen nun mehr Erkenntnisse zur Wirtschaftlichkeit und Geruchsproblematik der Jungebermast bringen. Die LfL veröffentlichte vor kurzem eine Studie zu einem Fütterungsversuch, bei dem die Wirtschaftlichkeit bewertet und die Wirksamkeit eines Präparats mit geruchsreduzierender Wirkung untersucht wurde. Ein weiteres Forschungsfeld im Bereich der Ebermast ist außerdem die Züchtung von speziellen Ebertypen, die keinen Geschlechtsgeruch entwickeln.
 

Gute Futterverwertung und geringere Fettbildung

Laut LfL zeigen ältere Untersuchungen, dass unkastrierte männliche Tiere im Vergleich zu Kastraten ein höheres Proteinansatzvermögen, eine erheblich geringere Fettbildung und damit eine bessere Futterverwertung beziehungsweise weniger Futteraufwand aufweisen. Im Schnitt der bayerischen Messungen war der Fleischanteil der Jungeber um drei bis fünf Prozentpunkte erhöht und der Futteraufwand um 0,3 - 0,4 Einheiten erniedrigt. Bezüglich der Tageszunahmen der Eber sind die Ergebnisse bundesweit sehr uneinheitlich von 700 bis 900 g - speziell Genetiken mit hohem Fleischanteil und geringer Futteraufnahmebereitschaft "bremsen", weniger fleischbetonte Eber ziehen weit stärker beim Tageszuwachs an und liegen oft vor den weiblichen Tieren/Kastraten.
 
Das Futteraufnahmevermögen der Eber ist traditionell bedeutend geringer (um etwa 0,1-0,3 kg/Tag) als das von Kastraten oder Sauen. Solange keine abweichenden, aktuellen Bedarfsableitungen aus Vollzerlegerversuchen vorliegen, könne sich die Eberfütterung an den Empfehlungen für Mastschweine mit sehr hohem Proteinansatz orientieren, so die LfL. Dabei schätzt die Bayerische Landesanstalt mittlere Zunahmen von 850g pro Tag bei durchschnittlich 17,5 Prozent Proteingehalt im Lebendmassezuwachs.

Ausschlachtung: bessere Schlachtkörper als Kastraten

Die Versuchsreihe des Landwirtschaftszentrum Haus Düsse (LZ) in Nordrhein-Westfalen ermittelte die Ausschlachtung. Bei den Ergebnissen sei zu berücksichtigen, dass die Hoden vor der Ermittlung des Schlachtgewichts entfernt werden müssen. Die Hoden sind mit 0,6 bis 0,7 kg an den niedrigeren Ausschlachtungsprozenten beteiligt. Darüber hinaus sind etwa weitere 750 g durch die Fleischbeschau im Bereich der Geschlechtsorgane entfernt worden.
 
Unabhängig von der Haltungsform stellte das LZ Düsse den Ebern für das wichtige Merkmal Rückenmuskelfläche ein ziemlich unbefriedigendes Ergebnis fest. Während die Sauen jeweils über 60 Quadratzentimeter Rückenmuskelfläche am Anschnitt zwischen der 13. und 14. Rippe hatten, konnten die Eber bei vergleichbarem Schlachtgewicht die 54 Quadratzentimeter-Marke im Mittel nicht erreichen. Die großen Nachteile in den Rückenmuskelflächen würden aber durch die günstigen Speckmaße etwas relativiert, so das LZ.
 
Ebermast-Experte Dr. Adam der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen stellt fest, dass Eber im Vergleich zu Kastraten bessere Schlachtkörper aufweisen, da sie in der Endmast nicht so sehr verfetten. 

Methoden zur Geruchsreduzierung

Der ebertypische Geschlechtsgeruch basiert auf zwei verschiedenen Stoffen: Skatol, einem Abbauprodukt von Dickdarmbakterien und dem Sexualhormon Androstenon. Die Untersuchungen des LfL haben gezeigt, das besondere Fütterungmaßnahmen die Skatolproduktion reduzieren können. Während klassische Rohfaserträger wie Trockenschnitzel oder Sojabohnenschalen keinen wesentlichen Einfluss auf den Skatolgehalt im Fett hatten, führten das Präparat Inulin, rohe Kartoffelstärke oder blaue Lupinen in Abhängigkeit der Zulagenhöhe zu deutlichen Reduktionen. Besonders die 10-prozentige Inulingabe sei deutlich erfolgreich. Kein Jungeber sei danach skatolauffällig gewesen.
 
Laut Ebermastexperte Dr. Friedhelm Adam könne das Sexualhormon Androstenon mittels Züchtung reduziert werden, da es eine Erblichkeit hat. Jedoch sei die Entwicklung langwierig, da die besondere Genetik Nachteile in anderen Bereichen wie der Fruchtbarkeit mit sich bringt. Züchter gehen daher bei klassischer Züchtung von einem Entwicklungszeitraum von drei bis vier Generationen, sprich etwa zehn Jahren aus.
 
Sollte das Kastrationsverbot 2017 in Kraft treten, dann wird sich Adam zufolge die Ebermast etablieren. Denn die Mast nicht-kastrierter Schweine zeige in einigen Bereichen Vorteile.

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