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Edeka: Harte Vorwürfe gegen Gutfleisch-Lieferanten

© agrar-press
von , am
16.08.2014

Tote, verwesende, kranke Tiere - nach Veröffentlichung von Videoaufnahmen hat Edeka-Nord fünf Zulieferbetriebe für Schweinefleisch in Schleswig-Holstein gesperrt. In BaWü sollen ähnliche Zustände beim genau dem Landwirt aus dem Edeka-Werbeclip gefilmt worden sein.

© Mühlhausen/landpixel
Die Handelskette Edeka hat nach Berichten des NDR fünf Lieferbetriebe von Schweinefleisch in Schleswig-Holstein vorsorglich gesperrt. Nach Angaben der Supermarktkette gebe es einen Verdacht auf Verstöße gegen den Tierschutz. Video-Aufnahmen der Tierschutzorganisation 'Animal Equality' zeigten nicht haltbare Zustände in Zuliefererbetrieben. Landwirtschaftskammer, Ministerium und Bauernverband im nördlichen Bundesland vertreten eine klar eine ablehnende Haltung zu den Vorwürfen gegen die Landwirte.
 
Unterdes, was besonders pikant ist, scheint auch in Baden-Württemberg (Ba-Wü) ein Zulieferer gegen den Tierschutz zu verstoßen. Bei dem Landwirt soll es sich nach Berichten von Zeit-online um den Hauptdarsteller im Edeka-Werbeclip handeln.

Die Fälle in Schleswig Holstein

Nach seinen Recherchen veröffentlichte der NDR Anfang August Berichte über Verstöße gegen den Tierschutz in Zulieferbetrieben der Edeka-Marke Gutfleisch. Den Angaben zufolge sollen entsprechende Bilder der Tierschutzorganisation 'Animal Equalitiy' aus den Monaten März und Juni die fragwürdigen Zustände in fünf Schweine-Ställen in Schleswig-Holstein zeigen.
 
Im NDR-Bericht ist von zu engen Ställe die Rede, von einem verwesenden Tier, das im Gang liegt, wird berichtet sowie von kranken Tieren und solchen mit blutigen Schwänzen und angenagten Ohren. Die Handelskette Edeka hat ihren Angaben zufolge die Zulieferbetriebe wegen der Vorwürfe gesperrt. Gegen die fünf Landwirte sowie gegen die zuständigen Kreisveterinäre habe 'Animal Equality' laut NDR Anfang dieser Woche Anzeige erstattet. Die Staatsanwaltschaft prüfe die Vorwürfe zurzeit.

Edeka distanziert sich

Brisant ist, diese Aufnahmen zeigen das Gegenteil von dem, mit dem Edeka für seine Marke Gutfleisch wirbt: "artgerechte Tierhaltung" und der besonderen Einhaltung des Tierschutzes. Wie der NRD schreibt, distanziere sich das Handelsunternehmen "ausdrücklich" von den Vorwürfen: Die gezeigten Aufnahmen entsprächen nicht den Gutfleisch-Richtlinien, hieße es in einer Mitteilung auf der Homepage der Supermarktkette. Die Zustände seien nach Worten des Unternehmens nicht tolerable Gesetzesverstöße.
 
Ähnlich äußert sich Werner Schwarz, Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, im NDR: "Tierhalter, die ihre Tiere so halten, können wir als Bauernverband nicht in Schutz nehmen." Wenn Tiere gehalten werden, müssten sie nach dem Tierschutzgesetz gehalten werden. Und das sei in einigen Punkten dort nicht der Fall, habe Schwarz erklärt. Nach Worten der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein entsprächen die gezeigten Bilder nicht dem Ausbildungs- und Beratungsstand. Das Landwirtschaftsministerium in Kiel kündigte eine umfassende Überprüfung der Zustände auf den Betrieben an.

Irritation bei Edeka

Was bei allen Vorwürfen allerdings bei Edeka für Irritation sorge, sei dass 'Animal Equality' die Bilder nun zeigt, wo sie doch im März und Juni gemacht wurden. "Erst durch den Druck, der durch die mediale Berichterstattung entstanden ist, sehen wir eine realistische Chance, dass die Staatsanwaltschaft aktiv wird", wird ein Sprecher der Tierschutzorganisation vom NRD zitiert. Oft würden Anzeigen wegen Tierschutzverstößen einfach fallen gelassen, so der Sprechern nach NDR-Angaben.

Werbedarsteller am Pranger?

Nun scheinen die Vorwürfe größere Kreise zu ziehen.  Es erhärtet sich der Verdacht, dass nicht nur in Zulieferbetrieben von Edeka-Nord belastende Zustände auftreten, auch bei Zulieferern von Edeka-Südwest scheint es klare Gesetzesverstöße in den Haltungsformen zu geben.
 
Dem Magazin Zeit-online liegen weitere heimliche Aufnahmen der Tierschutzorganisation 'Animal Equality' vor, die aus einem Edeka-Zulieferer-Betrieb im Südosten in Baden-Württemberg stammen. Die Verstöße gegen den Tierschutz sind offenkundig. Die Rede ist von einem toten Schwein, das neben lebenden Tieren in einer Box liegt, ein weiteres totes Tier soll im Futtertrog gelegen haben. Ein weiteres Video mit Aufnahmen im Stall soll ein totes Schwein mit offener Wunde und freiliegenden Knochen am Bein zeigen.
 
Was denkwürdig ist, der betroffene Landwirt ist offenbar die Hauptfigur eines Werbeclips. Mit dem Werbevideo will die Supermarktkette den hohen Qualitätsstandards des Gutfleisch-Programms kommunizieren. Die Lieferungen habe Edeka dem Online-Bericht zufolge gestoppt. Am Montag sei der Betrieb kontrolliert worden. Auffälligkeiten soll es nicht gegeben haben.  
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