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Erreger, Symptome, Maßnahmen: 8 Fragen zur Afrikanischen Schweinepest

Gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP) soll ein Elektrozaun an der Grenze zwischen Brandenburg und Polen die Bewegung von Wildschweinen einschränken.
am Sonntag, 20.09.2020 - 08:55 (Jetzt kommentieren)

Wo kommt sie her, wie wirkt sie sich aus? Wir fassen zusammen, was man jetzt allgemein zur Afrikanischen Schweinepest (ASP) wissen sollte.

Was ist die Afrikanische Schweinepest?

Bei der ASP, auch African Swine Fever oder Pestis Africana Suum, handelt es sich um eine anzeigepflichtige Tierseuche, von der Haus- und Wildschweine betroffen sind. Für Haus- und Wildschweine verläuft die Viruserkrankung tödlich. Im Gegensatz zur Klassischen Schweinepest ist eine Impfung gegen ASP nicht möglich. Versuche ergaben, dass geimpfte Schweine im Blut fast keinerlei Antikörper aufweisen und bei erneuter Infektion wieder erkranken.

Was sind die Symptome der Afrikanischen Schweinepest?

Nach einer Infektion mit der ASP entwickeln die Tiere sehr schwere, aber unspezifische Allgemeinsymptome. Symptome sind

  • Fieber
  • Abgeschlagenheit bzw. Apathie
  • zum Teil Blaufärbung (Cyanose) der Haut
  • Blutungen aus Mund, Nase und After
  • eventuell auch Husten, Atemnot, Durchfall, Erbrechen, Blutergüsse in Nieren und Lymphknoten, Lungenödeme

Die ASP ist damit der Klassischen Schweinepest (KSP) in Verlauf und Symptomen sehr ähnlich.

Wie wird die Afrikanische Schweinepest übertragen?

Der Erreger der ASP ist das Afrikanische Schweinepest-Virus (ASF-Virus). In den afrikanischen Ursprungsländern übertragen Lederzecken, Warzen- und Buschschweine das Virus der ASP. Das Virus kann lange überleben – bis zu drei Jahre innerhalb einer Zecke – und bleibt bei kälteren Temperaturen länger infektiös als bei wärmeren.

Die weitere Übertragung geschieht von Schwein zu Schwein über Sekrete, Blut oder Sperma oder über infiziertes Futter. Deshalb gibt es für Haus- und Wildschweine seit Jahrzehnten ein Verbot der Verfütterung von Speiseabfällen. Wildschweine in Tschechien, um Warschau herum und in Kaliningrad haben sich vermutlich über weggeworfene Speisereste infiziert.

Der wahrscheinlichste Übertragungsweg der ASP über große Entfernungen ist der Mensch. Durch Werkzeug oder Kleidung können sich Schweine mit der Krankheit infizieren, da das Virus sehr lange ansteckungsfähig bleibt. Reisende und Transporteure sollten sich deshalb verantwortungsvoll verhalten und sich an Hygienemaßnahmen einhalten.  

Ist die Afrikanische Schweinepest für Menschen oder Hunde gefährlich?

Die ASP betrifft ausschließlich Haus- und Wildschweine und verläuft für sie tödlich. Für Hunde und andere Tiere, mit Ausnahme von Zecken, sowie für den Menschen stellt die Krankheit keine Gefahr dar.

Was ist der Ursprung der Afrikanischen Schweinepest?

Das ASF-Virus kommt hauptsächlich in Afrika (Angola, Mosambik) vor. Auf Sardinien wurde die Seuche 1978 eingeschleppt und existiert dort bis heute. Anfang 2007 trat an der georgischen Schwarzmeerküste erstmals die ASP auf. Im Juni 2008 häuften sich die ASP-Fälle in der südrussischen Provinz Rostow. In Tschechien und Belgien hingegen traten ein bis zwei Jahre nach dem ersten Ausbruch keine weiteren Fälle mehr auf.

Die Tierseuche breitet sich aktuell vor allem über die Wildschweinbestände in vielen Regionen Osteuropas, aber zum Beispiel auch China aus. Inzwischen sind dort auch viele Hausschweinbestände mit der Afrikanischen Schweinepest infiziert.

Wie die Afrikanische Schweinepest (ASP) nach Brandenburg kam, ist noch ungeklärt. „Es sieht nach einer Westwärts-Ausdehnung des westpolnischen Geschehens aus“, sagte Thomas Mettenleiter, Präsident des Friedrich-Löffler-Instituts, der Deutschen Presseagentur. Das erste Wildschwein sei etwa sieben Kilometer von der polnischen Grenze entfernt gefunden worden. Der Eintrag könne jedoch auch auf andere Weise erfolgt sein.

Welche Regionen in Deutschland sind von der Afrikanischen Schweinepest betroffen?

Im September 2020 wurde erstmals in Deutschland bei Wildschweinen die ASP nachgewiesen. Alle Fälle, die das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) als nationales Referenzlabor bestätigt hat, traten in Brandenburg auf. Die gefährdeten Gebiete liegen in den Landkreisen Oder-Spree und Spree-Neiße.

Welche Maßnahmen werden bei Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest getroffen?

Wird die ASP an einem Tier festgestellt, so greifen sofortige Schutzmaßnahmen. Das Gebiet um den Ausbruchsort wird in mehrere Schutzzonen eingeteilt, in denen harte Regeln für den Landwirt gelten. Es wird jedoch unterschieden, ob der Erreger an einem Haus- oder Wildschwein nachgewiesen wurde. Die genauen Maßnahmen sind in der Schweinepestverordnung geregelt.

Nach dem ersten Ausbruch der ASP in Deutschland wurden folgende Maßnahmen getroffen:

  • Um den Fundort wurden eine Kernzone und ein gefährdetes Gebiet definiert
  • Dort sind Jagden und Bewirtschaftung der Felder verboten
  • In einem Vier-Kilometer-Umkreis um den Fundort werde ein Zaun gezogen
  • Wildschweine und Produkte davon dürfen nicht transportiert werden
  • Schweinehalter müssen besondere Vorkehrungen treffen bezüglich der Haltung und Fütterung ihrer Tiere
  • Im Kerngebiet darf niemand spazieren gehen oder generell den Wald oder offene Landschaft betreten.

Im Detail haben wir hier die Maßnahmen in Brandenburg zusammengefasst.

Welche Folgen hat die Afrikanische Schweinepest für Deutschland?

Neben regionale Folgen für die Bevölkerung, die Landwirte und Jäger im gefährdeten Gebiet, hat die ASP auch deutschlandweit Folgen. Mit dem ersten nachgewiesenen Fall verliert Deutschland den Status als "seuchenfrei". Das hat massive Auswirkungen auf den Schweinemarkt. Viele Länder stoppten den Import von deutschem Schweinefleisch, darunter der größte Abnehmer außerhalb der EU: China. Unmittelbar nach Bekanntwerden des ersten ASP-Falls in Deutschland stürzte der Schweinepreis um 20 Cent pro Kilogramm ab.

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