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Aus der Wirtschaft

EU-Schweinemarkt: Angebot bleibt groß

© landpixel
von , am
24.05.2012

Die Schweinepreise in Europa konnten sich Ende Mai wieder erholen. Grund ist die mit dem wärmeren Wetter wieder anziehende Binnennachfrage.

Mit der zusätzlichen Abrechnung nach AutoFOM-MFA hofft die Westfleich auf mehr Schweine in Gelsenkrichen. © Mühlhausen/landpixel
Mitte Mai waren die europäischen Schweinepreise zunächst unter Druck geraten. Das vergleichsweise große Angebot und ein witterungsbedingt hinter den saisonüblichen Mengen zurückbleibender Absatz waren die Ursachen. Der für die Marktstabilität ausgesprochen wichtige Export läuft nach den Daten der EU-Kommission weiterhin gut, jedoch hat sich die Dynamik zuletzt etwas abgeschwächt und auch die regionalen Absatzschwerpunkte haben sich verschoben.

Gefahr von Rückschlägen nimmt zu

Anders als zunächst erwartet wird die Schweineproduktion in der EU 2012 nicht kleiner ausfallen als im Vorjahr. Dies lassen die von der EU-Kommission im Mai aktualisierten Marktdaten erkennen. Danach bleibt die Produktion im Jahr 2012 mit rund 258 Millionen Schweinen in etwa auf dem Niveau des Rekordjahres 2011. Besonders schwierig wird offenbar das dritte Quartal, denn dann übersteigt das Angebot den Vorjahreswert um rund 2 Prozent (%).
 
Im ersten Quartal 2012 waren die Produktionszahlen nur geringfügig größer (+0,1 %) als im Jahr zuvor. Für das zweite Quartal 2012 geht die Kommission bislang von einem Rückgang des Angebots von minus 0,5 % aus. Für Deutschland lagen die Produktionsschätzungen für 2012 zuletzt bei 47,2 Millionen Schweinen und damit ebenfalls lediglich 0,3 % unter dem Rekordwert des Vorjahres. Insgesamt verdeutlicht die anhaltend hohe Produktion jedoch noch einmal die ziemlich fragile Marktsituation. Ohne einen starken Export und einen stetigen Absatz am Binnenmarkt können die Schweinepreise sehr schnell unter Druck geraten.

Weniger Fleisch nach Südkorea

Der Export bleibt also entscheidend für die weitere Preisentwicklung. Die Exportdaten der EU-Kommission zeigen für die Monate Januar bis März eine Zunahmen der europäischen Exporte gegenüber dem sehr guten Vorjahr von immerhin neun %. Im Vergleich zu den Ausfuhrdaten vom letzten Monat ist dies jedoch eine Abschwächung der Dynamik. Damals lag das Ausfuhrwachstum für den Zeitraum Januar bis Februar noch bei 17 %. Ursache für das geringere Wachstum sind die kleineren Ausfuhrmengen nach Südkorea, Hongkong, den Philippinen und nach Japan. Nicht nur gegenüber dem letzten Monat, sondern auch im Vergleich zum Vorjahr, sind die Ausfuhren in einige große Abnehmerländer wie Südkorea (-22 %) und die Philippinen (- 26 %) deutlich kleiner. Diesen Rückgang müssen nun andere Märkte wie China auffangen.

Chinas Gewicht nimmt zu

Der wichtigste Wachstumstreiber beim Export ist derzeit China. In das Reich der Mitte haben sich die europäischen Ausfuhren in den ersten drei Monaten des Jahres mehr als verdoppelt. Auch in die Ukraine (+74 %) und nach Weißrussland (+ 37 %) sind die Zuwachsraten der Ausfuhren sehr hoch. Relativ stabil mit zuletzt leicht rückläufigem Trend waren die Exporte an den bislang wichtigsten Absatzmarkt Russland (+ 3 %). China hat sich kurt hinter Honkong bereist auf Platz drei der wichtigsten Exportmärte geschoben. Der von FAO und USDA für 2102 prognostizieret Rückgang der chinesischen Importe (Produktionswachstum) könnte für die Europäer noch erhebliche Probleme bringen.

Schweinepreise vorerst fester

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Offenbar hatte der kühle Mai die Binnennachfrage in einigen europäischen Ländern spürbar geschwächt und für Preisdruck gesorgt. Die Kommission war in ihrer letzten Verbrauchsprognose aufgrund der gestiegenen Verbraucherpreise von einem Rückgang des europäischen Verbrauchs um rund 1 % für das Gesamtjahr 2012 ausgegangen. Mittlerweile hat sich die Nachfrage jedoch wieder belebt und die Preise konnten sich Ende Mai wieder erholen. Am Terminmarkt rechnet man vor diesem Hintergrund ebenfalls mit einem Preisanstieg und sieht den Junipreis für Schlachtschweine etwa bei 1,73 Euro pro Kilogramm.
 
Auch für die folgenden Monate liegt die Preiserwartung etwa auf diesem Niveau. Dies ist allerdings auch dringend nötig, denn die Futterkosten sind zuletzt wieder gestiegen. Wie die EU-Kommission in einer aktuellen Auswertung zeigt, verteuerten sich Futtermittel in der Schweinemast für eine Beispielration von Januar bis April um rund 6 %. Preistreiber Nummer eins war Sojaschrot. Dieser verteuerte sich von Dezember bis Mai sogar um 45 %.

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