Login
Mast

EU-Schweinemarkt: Preiserwartung etwas gedämpfter

© Mühlhausen/landpixel
von , am
25.06.2012

Die Preise am EU-Schweinmarkt haben zuletzt nachgegeben. Als Ursache sind vor allem der stockende Absatz am Binnenmarkt und die unverändert große Produktion zu nennen.

© Mühlhausen/landpixel
Am Schweinemarkt haben die Preise zuletzt deutlich nachgegebenen. Dahinter stehen nicht so sehr Probleme beim Export als vielmehr der witterungsbedingt stockende Absatz am EU-Binnenmarkt. Ausschlaggebend für den Preisdruck ist zudem auch die über den Erwartungen liegende Produktion in der EU.
Die Kommission erwartete in ihrer letzten Schätzung für das zweite Quartal Schweinepreise von 1,60 Euro pro Tonne (Euro/t) und für das dritte Quartal von knapp 1,68 Euro/t. Im zweiten Quartal haben die Marktpreise mit knapp 165 Euro/Kilogramm (Euro/kg) die Erwartungen der Kommission übertroffen. Dies könnte sich nun ändern, denn am deutschen Kassamarkt sind die Notierungen Ende Juni auf 1,63 Euro/kg gefallen und am Terminmarkt lag die Preiserwartung für die Monate Juli bis September nur noch zwischen 1,65 und 1,68 Euro kg und damit deutlich niedriger als in den Wochen zuvor.

Produktion auf Vorjahresniveau

Entscheidend für das Marktgleichwicht und die Preisentwicklung in der EU, ist das Verhältnis von Angebot (Produktion) und Absatzmöglichkeiten (Binnenmarkt und Export). Bis Februar hatte die Kommission noch einen Rückgang der Produktion von etwa ein Prozent erwartet. Gleichzeitig gingen die EU-Experten von einem Verbrauchsrückgang in einer ähnlichen Größenordnung aus. Mittlerweile zeigen die monatlich aktualisierten Daten der EU-Kommission für 2012 eine Schweineproduktion in der EU auf Vorjahresniveau und damit auch einen größeren Angebotsdruck als ursprünglich erwartet.
 
Für Deutschland lagen die Produktionsschätzungen der Kommission mit 47,2 Millionen Tieren nur knapp unter der Rekordproduktion des Vorjahres von 47,3 Millionen Tieren. Vor dem Hintergrund der großen Angebotsmenge entstand durch den witterungsbedingt stockenden Absatz am Binnenmarkt relativ rasch auch Druck auf die Preise.
 

Angebotszuwachs im dritten Quartal

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Für das dritte Quartal 2012 erwartet die EU-Kommission einen relativ deutlichen Angebotszuwachs für die EU 27 von etwa zwei Prozent. Damit könnten die kommenden Wochen vor dem Hintergrund des schwierigen Binnenabsatzes kritisch werden. Für Deutschland lag die Produktion im zweiten Quartal in etwa auf Vorjahresniveau, für das dritte Quartal rechnet man sogar mit einem Produktionsrückgang von etwa - 1,8 Prozent (%).
Diese Entwicklung könnte den hiesigen Markt stützen und stabilisieren. Zudem bleibt im dritten Quartal auch die Produktionserwartung in unseren unmittelbaren Nachbarländern Belgien (-4,3 %), Dänemark (-0,4 %) und den Niederlanden (-0,8 %) unter dem Vorjahreswert. Dafür liegt die Produktion in zahlreichen osteuropäischen Ländern wie Tschechien, Bulgarien, Rumänien, Estland und der Slowakei jedoch erheblich höher als im letzten Jahr. Dies dürfte auch die deutschen Absatzmöglichkeiten in diese Länder verschlechtern.

Deutschland exportiert deutlich mehr

Die Drittlandexporte entwickeln sich nach den Daten der EU-Kommission weiterhin besser als im Vorjahr als die EU einen neuen Ausfuhrrekord erreichte. Allerdings ist der Vorsprung gegenüber dem letzten Jahr zuletzt kontinuierlich zusammengeschmolzen. Bis einschließlich April wurde der Rekordwert von 2011 um knapp sieben Prozent übertroffen, im März betrug der Vorsprung noch neun Prozent und im Februar sogar 17 %.
 
Den mit Abstand stärksten Zugewinn bei den Exporten verzeichnet die EU-Länder Richtung China, mit einer Verdopplung der Ausfuhrmenge. Auch in die Ukraine und nach Weißrussland haben die EU-Länder deutlich mehr Schweinefleisch exportiert. Dagegen gehen die Exporte nach Russland und Honkong ebenso zurück wie nach Japan, Südkorea und die Philippinen. Überdurchschnittlich kräftig gewachsen ist nach den Daten der Kommission indessen der Drittlandsexport Deutschlands. Von Januar bis April wuchsen die deutschen Ausfuhren um 29 %, währen die Exporte Dänemarks und der Niederlande sowie Frankreichs schrumpften. Gleichzeitig hat Deutschland Dänemark als größten Einzelexporteur der EU überholt.
 
 
 
Auch interessant