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Aus der Wirtschaft

EU-Schweinemarkt: Produktion schrumpft - Preise weiter hoch

© Mühlhausen/landpixel
von , am
25.09.2012

In Europa sind die Schweinepreise in den letzten Wochen auf immer neue Rekordmarken geklettert. Ursache war das rückläufige Angebot in wichtigen europäischen Erzeugerregionen in Verbindung mit guten Absatzmöglichkeiten auf einigen Exportmärkten.

Bei den Sauen in den gesperrten Betrieben wurden keine Neuinfektionen festgestellt. © Mühlhausen/landpixel
Für das bevorstehende letzte Quartal des Jahres 2012 geht die EU-Kommission von einem weiteren Angebotsrückgang aus und auch in den ersten beiden Quartalen 2013 erwartet man eine schrumpfende Produktion.
 
Vor diesem Hintergrund halten die Schweinepreise derzeit am europäischen Terminmarkt bis zum Jahresende ein relativ hohes Niveau zwischen 1,90 (Sept.) und 1,80 (Dez.) Euro je Kilo (EUR/kg).

Kostendruck führt zu Bestandsabbau

Ursachen für die rückläufige Produktion sind neben der Einführung der Gruppenhaltung bei Sauen bis Anfang 2013 vor allem die im ersten Halbjahr 2012 sehr kräftig gestiegenen Futterkosten. Diese haben vor allem in Osteuropa - aber auch bei westeuropäischen Betrieben - zu erheblichem Kostendruck und in der Folge auch zu einer Reduzierung der Bestände und zum Ausstieg vieler Schweinhalter aus der Produktion geführt.
 
Dies lässt sich unter anderem an den aktuellen Daten der EU-Kommission zur Entwicklung der Sauenbestände ablesen. Mitte des Jahres lag die Zahl der Zuchtsauen in der EU knapp vier Prozent (%) unter dem Vorjahreswert, nachdem die Bestände ein Jahr zuvor ebenfalls schon um 4,2 % zurückgegangen waren.
 
Ganz besonders kräftig schrumpfte die Sauenbestand in
  • Polen,
  • Ungarn,
  • Schweden,
  • Irland und
  • Italien.
Aber auch in Deutschland, Dänemark, Frankreich und Spanien nahm die Zahl der Zuchttiere weiter ab. 

Produktionspotential nimmt ab

In Europa sind die Schweinepreise in den letzten Wochen auf immer neue Rekordmarken geklettert.
Der Abbau der Sauenbestände schlägt sich am Ende auch im Produktionspotential nieder. Für das ersten Quartal 2012 ermittelte die Kommission einen Produktionsrückgang in der EU von 0,4 %, im zweiten Quartal 2012 von 1,2 %. Lediglich das dritte Quartal 2012 brachte noch einmal einen Produktionszuwachs gegenüber dem Vorjahr von 1,6 %.
 
Während aber in Deutschland, Dänemark und den Niederlanden auch im dritten Quartal 2012 weniger Schweine erzeugt wurden, lag die Produktion in Spanien, Frankreich, Irland und Italien sowie in Osteuropa zu diesem Zeitpunkt zum Teil sehr deutlich über dem Vorjahr. Hier haben Kostendruck und Strukturwandel für einen zusätzlichen Produktionsschub (Schlachtung) gesorgt.
 
Im letzten Quartal 2012 fällt die europäische Produktion nach Einschätzung der Kommission jedoch erneut um 1,5 % unter den Vorjahreswert.

Produktion geht auch 2013 zurück

In den den beiden ersten Quartalen 2013 setzt sich der Produktionsrückgang offenbar unvermindert fort und ist insbesondere im ersten Quartal 2013 mit -1,7 % deutlich höher als im letzten Jahr.
 
Auch für Deutschland gehen die derzeitigen Prognosen der Kommission von einem Produktionsrückgang im ersten Quartal von einem Prozent aus. Für das Gesamtjahr 2013 könnte die deutsche Produktion dann sogar um fast zwei Prozent schrumpfen und mit 46,26 Millionen (Mio.) Tieren sogar kleiner ausfallen als in den letzten drei Jahren.
 
In ihrer mittelfristigen Marktvorschau von Juni hat die Kommission für das Gesamtjahr 2013 einen Produktionsrückgang am europäischen Markt von rund zwei Prozent prognostiziert. Gleichzeitig soll der Inlandsverbrauch um ein Prozent schrumpfen.
 
Beim Export rechnet man für 2013 - nach einem leichten Zuwachs in diesem Jahr - mit einem deutlich Rückgang von mehr als zehn Prozent.

Deutschland baute Exporte aus

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Die aktuellen Exportzahlen von Januar bis Juli bestätigen den für dieses Jahr von der Kommission erwarteten leichten Zuwachs. Dabei ist die Entwicklung sowohl in Bezug auf die Importeure als auch hinsichtlich der einzelnen Exportländer sehr unterschiedlich.
 
In Produktgewicht führten die EU-Länder in den ersten sieben Monaten 1,79 Mio. t Schweinefleisch in Drittländer aus und damit rund zwei Prozent mehr als im letzten Jahr. Allerdings schrumpften die Ausfuhren am größten Exportmarkt Russland um neun Prozent, während die Europäer gleichzeitig nach China 68 % mehr Schweinefleisch exportierten. Auch in die Ukraine und nach Weißrussland nahmen die Ausfuhren sehr kräftig zu. Dagegen brachen die Exporte nach Süd-Korea und Honkong sowie nach den Philippinen ein. Die Ausfuhrmengen nach Japan lagen hingegen leicht über dem Vorjahreswert.
 
Deutschland hat seine Drittlandsexporte im mit 466.000 t um rund 14 % gesteigert und ist gleichzeitig mit deutlichem Abstand vor Dänemark der größte EU-Exporteur. Währenddessen gingen die Ausfuhren Dänemarks, Frankreichs und der Niederlande zurück. Größere Ausfuhren als im letzten Jahr weisen neben Deutschland vor allem auch Polen und Spanien aus.
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