Login
Aus der Wirtschaft

EU-Schweinemarkt reagiert auf sinkende deutsche Preise

© Mühlhausen/landpixel
von , am
21.07.2014

Die in Deutschland ausgelöste Preisdruckwelle bei den Schweinepreisen nahm auch die anderen EU-Länder mit. Dabei spielt neben einer Mengenreduktion auch die Strafe für das Wurstkartell eine Rolle.

© Mühlhausen/landpixel
Gleich mehrere Gründe führen die deutschen Druckmacher für das Minus von  sieben Cent ins Treffen. Neben den altbekannten und saisonüblichen Einflüssen, wie fehlender Russlandexport oder teils verwaiste Städte durch den Urlaubsbeginn, wurde nun ein zusätzlicher Stimmungskiller in der Fleischbranche bekannt. Das deutsche Kartellamt hat gegen das sogenannte deutsche Wurstkartell eine Strafe in der Höhe von 338 Mio. Euro verhängt. Auf den Hersteller Tönnies, der neben dem größten Schlachtunternehmen Deutschlands auch mehrere Wurstfabriken betreibt, entfallen dabei kolportierte 100 Mio. Euro. Nun scheint es als ob diese Strafzahlungen 1:1 an die Vorlieferanten weitergereicht werden und sich auch alle europäischen Schweinehalter mit entsprechenden Preisverlusten beteiligen müssen.
Nach einem Preisrückgang von 8 Cent in Deutschland korrigierten die Niederlande und Belgien die Preise in der vergangenen Woche ebenfalls stark nach unten, teilt die ISN mit. Die Preisrückgänge in Österreich, Dänemark und Großbritannien fielen nicht so deutlich aus. Den Stein ins Rollen gebracht hätten in der vergangenen Woche laut ISN deutsche Schlachtunternehmen, die Mengen reduzierten und damit Druck auf den Preis machten, der für viele Marktteilnehmer überraschend stark nachgab. Die Märkte in Frankreich und Spanien sind laut ISN nicht so sehr vom Druck betroffen, da die Feriensaison begonnen habe und die Urlauber den Verbrauch von Schweinefleisch zusätzlich erhöhten.

Angebotsüberhänge nicht abgebaut

Wie die ISN in der vergangenen Woche weiter mitteilte, sei trotz der geringeren Einstandspreise in Deutschland keine Zunahme der Nachfrage der Schlachtunternehmen nach Schlachtschweinen zu erkennen. Damit hätten sich auch die Angebotsüberhänge nicht abgebaut. Die Ursache für die geringe Nachfrage liege demnach in den unbefriedigenden Fleischgeschäften der Schlachtunternehmen. Dabei bestellen sowohl größere als auch kleinere Betriebe dem Vernehmen nach angemeldete Schweine ab. Offensichtlich könnten es sich die Schlachtunternehmen nun erlauben, bei den Stückzahlen auf die Bremse zu treten und dennoch alle Anfragen der Kunden nach allen Teilstücken zu bedienen.

Terminmarkt für Schweine deutet auf Preiserholung hin

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen wies am vergangenen Freitag darauf hin, dass die russischen Importverbote den Fleischabsatz immer noch spürbar erschwerten. Für eine Entspannung der Marktsituation könnten allerdings die hohen Temperaturen der letzten Tage sorgen, die den Grillfleischabsatz beleben dürften.
 
Darauf deutete auch die Entwicklung der Kurse für die vorderen Schlachtschweinefutures an der Eurex in Frankfurt hin. Der Julikontrakt verbilligte sich zwar im Vergleich zur Vorwoche auf Abrechnungskursbasis um 4,9 Cent auf 1,654 Euro/kg SG, lag somit aber noch gut 5 Cent über dem VEZG-Preis. Der Kontrakt wird am Mittwoch dieser Woche (23. Juli) zum letzten Mal gehandelt. Für den Augusttermin verzeichnete die Eurex einen Abschlag von 0,5 Cent auf 1,720 Euro/kg SG.
Auch interessant